ABTEILUNG

Zurück in den Alltag

Nach schweren Erkrankungen, Unfällen oder Stürzen unterstützt das Team der Abteilung Remobilisation und Nachsorge in Gmünd Patienten dabei, den Weg zurück in ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu finden.

Ein Teil des Gmünder Teams der Remobilisation und Nachsorge mit Prim. Dr. Peter Kellner (vorne sitzend) und Stationsleitung DGKP Heidemarie Schalko

(2.v.r. sitzend)

Das Team

der Gmünder

Remobilisation und

Nachsorge (Köpfe):

3 Ärztinnen & Ärzte

18 Pflegekräfte

4 Ergo- und

Physiotherapeuten

Ob nach einer Hüftoperation, einem Unfall oder nach einer schweren Erkrankung: Patienten aus allen Abteilungen der Landeskliniken kommen auf die Abteilung Remobilisation und Nachsorge (kurz RNS genannt), wenn es darum geht, wieder fit für den Alltag in den eigenen vier Wänden zu werden. Das multiprofessionelle Team der Remobilisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Patienten wieder auf die eigenen Füße zu bringen und somit auch häufig die Pfle- gebedürftigkeit zu verhindern. Der größte Teil der Patienten hat das 70. Lebensjahr bereits überschritten – passiert dann ein Sturz oder wird eine neue Hüfte eingesetzt, müssen manche Fähigkeiten wieder neu trainiert werden. Auf die Remobilisation kommen aber alle, die vor der Entlassung ins eigene Heim noch nicht wieder fit sind: Etwa 20 Prozent sind orthopädi- sche Patienten, meist nach Operationen an der Wirbelsäule, an den Knien und der Hüfte.

Aber auch Menschen mit Unfallfolgen, mit Herzleiden oder urologischen bzw. gynäkologi- schen Beschwerden haben die Chance, durch die umfassende Versorgung wieder mobiler zu werden. Nicht nur körperliche Gebrechen, sondern auch geistige Beeinträchtigungen können die Abläufe im eigenen Heim erschweren. Daher finden sich auch Patienten mit Demenz auf der RNS, um gemeinsam mit dem Team zunächst die Demenz abzuklären und dann Maßnah- men zu ergreifen, um besser durch den Alltag zu kommen.


Das Team der Gmünder RNS besteht aus

Ärzten und Pflegepersonal, Ergo- und Physiotherapeuten, Diätologen und einer klinischen Psychologin. Prim. Dr. Peter Kellner steht der Abteilung seit der Gründung vor zehn Jahren vor. Der Facharzt für Interne Medizin und Geriatrie setzt gemeinsam mit seinem Team auf eine umfassende Betreuung: Wenn ein Patient nach einer schweren Erkrankung auf der Re- mobilisation eintrifft, gilt es zunächst vorrangig, seine Schmerzen zu lindern. „Neben der Kon- trolle der bestehenden Therapien und einer umfassenden Schmerztherapie ist vor allem die physikalische Therapie ergänzend sehr hilfreich“, erzählt Kellner. Daher stehen unterschiedli- che Trainingsmethoden und die breite Palette der Physikalischen Medizin auf dem Programm – mit Unterstützung von Prim. Dr. Irene Klobasa, Leiterin des Institus für Physikalische Medi- zin und Rehabilitation im LK Zwettl. Drei Viertel der anfänglichen Schmerzen lassen sich da- mit reduzieren – der Primar weiß das deshalb so genau, weil er seit der Gründung der Abtei- lung jeden einzelnen Patienten auf einer Schmerzskala die Stärke der Schmerzen bewerten lässt. Statt unangenehmer Schmerzen wird oft sogar die Schmerzfreiheit erreicht, zumindest jedoch eine deutliche Linderung.


Anleitung

Neben einem schmerzfreien Leben steht vor allem das Bewältigen alltäglicher Aufgaben im Fokus. Stationsleitung DGKP Heidemarie Schalko arbeitet seit neun Jahren auf der Remobili- sation und Nachsorge und sorgt gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen dafür, dass die Patienten einen ruhigen und geordneten Tagesablauf haben. Anders als bei akut kranken Patienten leitet das Pflegepersonal aber lediglich an – sei es bei der Körperpflege, beim Essen oder beim sogenannten Anziehtraining. „Die Menschen haben hier mehr Zeit als auf anderen Stationen, um vieles wieder zu erlernen und selbstständiger zu werden“, erzählt Schalko. Na- türlich gibt es auch Patienten, die mehr Hilfe brauchen – generell aber gilt: „Die Patienten müssen natürlich gewisse Grundvoraussetzungen erfüllen wie Motivation, Lernfähigkeit, Mo- bilisationsmöglichkeit und erreichbare Ziele. Schwere Demenz oder vollständige Pflegeabhän- gigkeit sind leider Ausschlusskriterien“, erklärt der Primarius.

Kommt ein Patient auf die Remobilisation, wird das Team immer wieder mit den Ängsten, aber auch einer gewissen Demotivation konfrontiert. Gerade die erste Woche sei manchmal etwas schwer, weiß Schalko, vor allem, wenn die Patienten mit hängendem Blick ankommen. Umso schöner sei deshalb das positive Feedback der Patienten bei ihrem Abschied, das nicht zuletzt auf das gute Zusammenspiel des Teams zurückzuführen ist: Einmal in der Woche be- spricht Abteilungsleiter Kellner jeden Patienten und geht auf die Fortschritte ein. Die Ansich- ten der Kollegen aus den verschiedenen Berufssparten seien für ihn als Arzt sehr wichtig, be- tont er, denn auch er habe manchmal Scheuklappen auf.


Pflege danach

Wenn der Patient selbstständiger und schmerzfreier geworden ist, steht die Entlassung bevor. Auch hier steht die Remobilisation zur Seite: Gemeinsam mit dem Entlassungsmanagement bereitet die Abteilung alles dafür vor, um dem Patienten einen nahtlosen Übergang zu ermög- lichen. Wichtig ist daher auch ein guter Kontakt zur Familie, die den Patienten im Fall der Fäl- le pflegen kann. Aber auch die Organisation einer 24-Stunden-Pflege und die Zusammenar- beit mit niedergelassenen Hilfsdiensten gehört zu den Aufgaben der RNS. Durch ihre vielfälti- ge Betreuung unmittelbar nach einer schweren Operation oder Erkrankung kann die weitere Pflege aber häufig reduziert werden, erzählt Kellner stolz. Und: „Durch unsere Nachsorge kön- nen auch häufig die Medikamente reduziert werden. Alles in allem steigt die Lebensqualität unserer Patienten.“ Die Remobilisation in Gmünd hat mittlerweile einige Nachahmer gefun- den: In Klosterneuburg und in Scheibbs gibt es ebenfalls eine Abteilung Remobilisation und Nachsorge.


An einem Strang ziehen

Heidemarie Schalko verabschiedet sich kommendes Jahr in die Pension, die Jahre auf der RNS waren wunderschön, erzählt sie. Denn nicht nur die körperlichen Tätigkeiten seien wichtig für die Patienten, sondern auch die Pflege der manchmal geschundenen Seele: „Man hört schon viele Geschichten, oftmals auch harte. Es tut ihnen so gut, wenn man sich Zeit nimmt und ih- nen zuhört.“ Gepflegt wird auch der Umgang unter den Patienten selbst: Am Nachmittag tref- fen sich die RNS-Patienten im Aufenthaltsraum, wo anschließend Kaffee getrunken, gespielt und gelacht wird. Die Patienten leben dabei auf und vergessen, dass ihnen etwas weh tut, er- zählt Schalko. Die Betreuung der unterschiedlichen Patienten mit verschiedensten Krank- heitsgeschichten sei die größte Herausforderung, sind sich der Primar und die Stationsleitung einig. Und man brauche viel Geduld, fügt Heidemarie Schalko hinzu. Diese wird aber belohnt, wenn das Entlassungsgespräch bevorsteht: Die Patienten fühlen sich sehr wohl und sind zu- frieden, bekommen Peter Kellner und sein Team sehr häufig zu hören. Und das gelingt vor al- lem, weil das Team der Remobilisation und Nachsorge an einem Strang zieht und den Men- schen einen geschützten Raum bietet, um in Ruhe wieder in die

Anforderungen des Alltags hineinzuwachsen.

AUFGABEN & KOMPETENZEN

Die Abteilung Remobilisation und Nachsorge sieht sich als Bindeglied zwischen dem Akut- spital und der gewohnten häus- lichen Umgebung. Das vorran- gige Ziel des interdisziplinären Teams ist es, die Mobilität der Patientinnen und Patienten wiederherzustellen und die Pfle- gebedürftigkeit zu vermeiden. Eingesetzt werden dabei umfas- sende Therapieansätze: Neben der Schmerztherapie kommen Physio- und Ergotherapie eben- so zum Einsatz wie psychologi- sche Gespräche und eine Ernäh- rungstherapie. Im Vordergrund der Pflege steht

die patientenorientierte Grup- penpflege mit begleitenden Maßnahmen.

Aromatherapie und basale Sti- mulation runden das Aufgaben- gebiet ab.


Informationen:

www.gmuend.lknoe.at

WIR INTERN stellt

in jeder Ausgabe eine

der Abteilungen

der NÖ Kliniken vor.