IAB & IAS

Klare Verhältnisse

Die Kooperation zwischen der Augenabteilung in Horn und der neuen Augen-Tagesklinik in Gmünd bringt viele Vorteile.

Kümmern sich in Gmünd um die Patientinnen und Patienten: (v.l.) DGKP Simone Kropik, DGKP Barbara Leiden- frost, OP-Assistent Wolfgang Gratzl, DGKP Barbara Freund, OP-Assistent Franz Schmidt, DGKP Eva Anibas, Prim. Dr. Andreas Kölbl und DGKP Mag. Michael Röck, BSc

Besprechen sich vor der OP: Augenarzt Prim. Dr. Andreas Kölbl (l.) und der Ärztliche Standortleiter Prim. Dr. Mi- chael Böhm, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin- .

Prim. Dr. Andreas Kölbl operiert Johann Rößl

DGKP Barbara Leidenfrost überprüft die Daten der Patienten- .

fotoS: nadja meiste- r

Prim. Dr. Andreas Kölbl, Vorstand der Augenabteilung im Landesklinikum Horn und Leiter der Augen-Tagesklinik im Landesklinikum Gmünd

Der Graue Star (oder Katarakt) ist eine echte Volkskrankheit. Die Trübung der Augenlinse, die dazu führt, dass das gesehene Bild immer mehr an Schärfe verliert, kann viele Ursachen haben, i- n den meisten Fällen ist sie aber eine Folge der Alterung der Linse. Betroffen sind mehr als 90 Pro- zent aller über 65-Jährigen. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt die Anzahl an Katarak- ten ständig zu. Katarakt-Operationen gehören heute zu den am häufigsten durchgeführten mediz- inischen Eingriffen, die dank der eingesetzten Technik und der langjährigen Erfahrung, die ma- n damit hat, zu den erfolgversprechendsten und sichersten ophthalmologischen Eingriffen zähle- n. So verwundert es nicht, dass an den Kliniken Niederösterreichs rund 12.000 Mal pro Jahr eine Ka- tarakt-Operation durchgeführt wird. Fast 5.000 dieser Eingriffe erfolgten bisher an der Augenabte- ilung im LK Horn. Doch seit Juni dieses Jahres kooperiert die Abteilung mit der neuen Augen-Ta- gesklinik im LK Gmünd: Seither können Patientinnen und Patienten auch dort auf höchstem medi- zinischen Niveau „ihre“ Katarakt-Operation durchführen lassen, und die Wartezeit auf den Eingrif- f wird damit verkürzt.


Problemlose Kooperation

Prim. Dr. Andreas Kölbl, der Vorstand der Horner Augenabteilung und Leiter der Augen-Tageskli- nik in Gmünd, kommt derzeit im Schnitt alle zwei Wochen nach Gmünd und operiert dort zwische- n acht und zehn Patienten täglich – so auch Johann Rößl aus der Gemeinde Rapottenstein, der di- e Welt seit zwei Jahren verschwommen und wie unter einem Grauschleier sieht. „Dem Kooperati- onskonzept entsprechend wurde er in Horn voruntersucht und auf die OP vorbereitet und wird nu- n in Gmünd operiert“, erklärt der Primarius- .

Bevor er jetzt in den OP-Saal der Tagesklinik kommt, kümmert sich DGKP Barbara Leidenfrost fachgerecht um den Patienten. Die in Gmünd stationierte Pflegekraft misst seinen Blutdruck, stat- tet ihn mit OP-Kleidung aus, verabreicht ihm die notwendigen Augentropfen und unmittelbar vo- r der OP ein Gel gegen den Schmerz. „Die Patienten schätzen es sehr, dass sie auch hier ihren Grauen Star operieren lassen können. Und auch für uns ist die Kooperation eine spannende neu- e Herausforderung“, sagt die erfahrene Pflegekraft- .


Professionelles Team

Inzwischen ist Herr Rößl in den OP-Saal gebracht worden. DGKP Eva Anibas, stellvertretende Be- reichsleiterin des OP, hat dafür gesorgt, dass die notwendigen OP-Materialien bereit stehen un- d alles perfekt vorbereitet ist, das Assistenz-Team ist aufmerksam. Konzentriert blickt Augenarzt An- dreas Kölbl durch das Mikroskop und öffnet mit einem millimeterkleinen Schnitt das Auge a- m Hornhautrand. Die trübe Linse wird mithilfe eines Ultraschallgeräts zerkleinert und durch die min- imale Öffnung abgesaugt. „Alles in Ordnung, Herr Rößl?“, fragt der Primar, „Mir geht es gut“, ist di- e Antwort.

In der Zwischenzeit hat die OP-Assistenz das künstliche Linsenimplantat in der passenden Stärk- e vorbereitet. Der Primarius implantiert die neue, noch gerollte Linse aus Acryl, die sich durch di- e Wärme der Augenflüssigkeit entfaltet, steif wird und sich schließlich verspreizt. Das alles hat i- n etwa zehn Minuten Zeit in Anspruch genommen, nun wird dieselbe Prozedur am zweiten Aug- e durchgeführt. Nach einer knappen halben Stunde wird Johann Rößl aus dem OP-Saal in ein Pati- entenzimmer gebracht, wo er noch etwa eine Stunde von Barbara Leidenfrost betreut wird. Si- e fragt ihn nach Schmerzen und klärt ihn auf, was er in den nächsten Tagen zu beachten hat – doc- h es gibt keine nennenswerten Probleme.


Gegenseitige Unterstützung

Auch Augenarzt Kölbl ist zufrieden. Die Standard-Operation ist bestens verlaufen, die Prognos- e für Johann Rößl ist wie für die allermeisten Katarakt-Patienten nach dem Eingriff sehr gut. Zufrie- den ist der Augenspezialist auch mit dem Kooperationskonzept: „Da die Patienten in Horn verwa- ltungstechnisch aufgenommen, voruntersucht und vorbereitet werden, sind wir hier entlastet un- d können uns voll und ganz auf die medizinische Arbeit konzentrieren. Abgesehen davon ist da- s Pflegepersonal sehr professionell und entgegenkommend.

Schon bald wird er bei den Operationen in Gmünd auch von seinen Oberärzten aus Horn unte- rstützt, erklärt er: „Demnächst wird hier ein Routinebetrieb starten und fünf erfahrene Operateur- e aus Horn werden hier tätig sein. Noch heuer sollen 200 Katarakt-Operationen an der dislozierte- n Tagesklinik in Gmünd stattfinden.“ Welche Patienten dafür in Frage kommen, wird in Horn ent- schieden. Man berücksichtigt dabei auch Patientenwünsche, sofern der Fall nicht zu komplex ist – denn schwierige Fälle bleiben der Augenabteilung in Horn vorbehalten, da auch solches dort z- ur Alltagsroutine zählt.


Positives Patienten-Feedback

Inzwischen ist Johann Rößl schon fast bereit zum Heimgehen. Noch sind seine Augen abgedeck- t und ein Tag, den er ohne Anstrengungen verbringen soll, liegt vor ihm. Seine Augen werden ihm schon nach wenigen Tagen wieder ein leuchtendes, klares Bild der Welt schenken. „Die Operatio- n ist super gelaufen. Ich habe nichts als ein kleines Brennen beim Eintropfen der Augen gespürt un- d bin sehr froh, dass ich bald wieder gut sehen werde“, freut er sich- .

Auch der Ärztliche Standortleiter Prim. Dr. Michael Böhm ist rundum zufrieden mit dem neuen An- gebot, das man in Gmünd machen kann: „Die Kooperation funktioniert problemlos, von den Pat- ientinnen und Patienten kommt sehr positives Feedback. Es ist eine großartige Sache, wenn die Menschen möglichst wohnortnahe versorgt werden können.“


Gabriele Vasak

erschienen in WIR INTERN 05/2018