IM PORTRÄT

Ein gutes Miteinander

Entscheiderin, Denkerin, Strategin: Christa Grosz ist die neue Pflegedirektorin des Landesklinikums Wiener Neustadt.

Fotos: Katharina Gossow

Etwas bewirken und Sinnstiftendes tun. Das ist ihr ein Anliegen. Und zieht sich wie ein roter Faden durch Christa Grosz’ Karriere. Die erfahrene Krankenhausmanagerin ist seit acht Jahren Pflegedirektorin des Landesklinikums Hochegg und übernahm mit März die Pflegedirektion des Landesklinikums Wiener Neustadt, des zweitgrößten Hauses in Niederösterreich. Sie folgt Dr. Evelyn Fürtin- ger, MAS, nach, die in den Ruhestand geht. Christa Grosz wird für die nächsten zwei Jahre beide Kliniken führen: „So kann ich viele Synergien nutzen“, meint sie.

Dass sie den Pflegeberuf ergriffen hat, „ist mir passiert“: Sie fand keine Lehrstelle als Kosmetikerin und lernte daher Zahnarzt-Assis- tentin. Da es keine Möglichkeit der Weiterbildung gab, musste ein anderer Beruf her. „Das Soziale, der Umgang mit Menschen liegt mir, habe ich während der Lehre gemerkt.“ Ein Bekannter der Familie empfahl ihr die Krankenpflegeschule, das würde gut passen. „In meinem ganzen Leben gab es immer wieder Menschen, die an mich geglaubt haben. Und er war so einer“, resümiert sie. Die Schule hat sie mit Nebenjobs wie Kellnern finanziert. „Meine Mutter sagt, sie habe bereits nach meinem ersten Praktikumstag im Krankenhaus gewusst, dass dies der richtige Weg für mich ist.“ Christa Grosz hat damals schon gespürt, dass die Arbeit Sinn macht. Das ist auch heute noch so: „Was ich im Management tue, kommt bei den Patientinnen und Patienten an. Das ist ein schönes Ge- fühl, mit dem ich in der Früh gern aufstehe.“


Gegen den Strom

Als frisch gebackene diplomierte Pflegekraft arbeitete Christa Grosz einige Jahre im Turnusdienst im Lorenz-Böhler-Unfallkranken- haus in Wien. In der Karenz absolvierte sie die Ausbildung zur Stationsleitung – unter besonderen Bedingungen, lächelt sie: „Ich bin stillend mit meinem Sohn im Kurs gesessen.“ Im Jahr 2000 wechselte sie als Stationsleitung der Unfallabteilung ins Klinikum Neun- kirchen, übernahm 2003 die Bereichsleitung. Eine ehemalige Lehrerin aus der Krankenpflegeschule hat sie für diesen Job vorgeschla- gen: Evelyn Fürtinger, ihre Vorgängerin als Wiener Neustädter Pflegedirektorin. „Auch eine jener Personen, die an mich geglaubt ha- ben.“ Woran das liegt? „Ich habe oft Zivilcourage bewiesen. Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, schwimme ich auch gegen den Strom, um sie möglich zu machen.“ Das Führen steckt schon immer in ihr: Schon als Klassensprecherin und Jugendführerin-Stell- vertreterin wusste sie sich durchzusetzen. „Vielleicht weil ich mit zwei Brüdern aufgewachsen bin“, lacht sie. Christa Grosz ist eine, die anpackt, bodenständig ist und Probleme löst. Geprägt hat sie auch ihre Kindheit am Bauernhof in Thernberg, einem kleinen Dorf in der Buckligen Welt.


Ein gutes Miteinander

Seit Monatsbeginn trägt Christa Grosz die pflegerische Verantwortung für zwei Kliniken, Hochegg und Wiener Neustadt. Das Wich- tigste ist ihr ein gutes Miteinander: „Die optimale Patientenversorgung kann nur in enger Zusammenarbeit aller Berufsgruppen funktionieren. Alle müssen hinter diesem Ziel stehen, in allen Bereichen. Es geht nur im Miteinander. Dieser rote Faden muss bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spürbar werden, damit alle an einem Strang ziehen.“

An Hochegg schätzt sie das Familiäre, die Überschaubarkeit. Hier ist sie für 156 Dienstposten zuständig, in Wiener Neustadt sind es 928. „Ich muss mich davon verabschieden, dass ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Namen und Funktion kenne“, weiß sie. Die Doppelfunktion mit Hochegg sei herausfordernd, aber mit guter Einteilung bewältigbar. „Ich sehe mich als Dreierteam, ge- meinsam mit einer Vertretung in Wiener Neustadt, Michaela Faulhaber, MBA, und Ilse Kleinrath, MBA, in Hochegg. Ich habe großes Vertrauen in beide und werde einiges delegieren.“ Zudem gebe es viele Synergien, die sie nutzen wird: Konzepte, die sie in Hochegg erarbeitet hat, will sie in Wiener Neustadt etablieren, etwa im Qualitätsmanagement, Richtlinien umsetzen, Mentoring-Programm für Führungspersonen usw. Mit dem geplanten Klinik-Neubau in Wiener Neustadt wartet eine große Aufgabe auf sie.


Energie tanken

Kraft für alle Herausforderungen schöpft Christa Grosz auch im Klinikum: „Wenn Arbeit Freude macht, ist sie energiebringend.“ Ent- spannung findet sie gemeinsam mit ihrer Familie in einem Holzhäuschen in Thernberg, nahe ihres Elternhofs. Ohne Strom, ganz karg und urtümlich: „Beim Feuer sitzen, reden, Gitarre spielen. Zeit hat hier eine andere Qualität.“ Das Vielseitige zeigt sich auch im Privaten: Sie geht gern in die Staatsoper, schaut Fußball, geht joggen, meditiert, singt und tanzt gern. Und: „Ich höre gern Volksmu- sik. Da spüre ich, wo meine Wurzeln sind und wo ich herkomme.“

Dipl. KH-BW Christa Grosz, MBA, MBA

45 Jahre, verheiratet, Sohn (20), Tochter (13),

wohnt in Scheiblingkirchen


Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Bodenständig, kreativ, kollegial, kompetent, offen, dynamisch.


Wir würden Ihre Kolleginnen und Kollegen Sie beschreiben?

Verbindlich, humorvoll, lösungsorientiert – eine, auf die

man sich verlassen kann.


Was macht eine gute Pflegekraft aus?

Dass sie ihrer Ausbildung und Kompetenz entsprechend dem

Patientenbehandlungsprozess professionell und

eigenverantwortlich mitbestimmt und mitgestaltet.


Was macht eine gute Pflegedirektorin aus?

Eine gute Pflegedirektorin ist Krankenhausmanagerin, die

nicht vergessen hat, dass sie selbst auch einmal einen sterbenden Menschen begleitet oder einen anstrengenden Nachtdienst hatte.


Wie ist Ihr Führungsstil?

Hart in der Sache, weich im Kern. Ich lobe, wo zu loben ist. Ich gebe konstruktive Kritik für gemeinsames Lernen. Sanktioniere aber auch wenn notwendig.


Lebensphilosophie oder Motto?

„Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.“

(Sokrates)


Wie halten Sie sich gesund?

Ich laufe, meditiere, kann in berührenden Momenten

innehalten. Ich bin ein dankbarer Mensch.


Worüber schätzen Sie sich glücklich?

Dass ich nicht nur beruflichen, sondern auch privaten Erfolg habe. Ich bin glücklich, dass mich mein Lebenspartner emotional stärkt und unterstützt und ich Mama von zwei Kindern sein darf.

ZUR PERSON

Berufliche Tätigkeiten

• Seit 2013 Vortragstätigkeit an der FH Wiener Neustadt

(Angewandtes Pflegemanagement und operative Betriebsführung)

• 09.2010 bis dato Pflegedirektorin, LK Hochegg

• 05.2009–08.2010 Bereichsleitung der Orthopädie/Unfallchirurgie,

LK Neunkirchen

• 01.2009–04.2009 Standortleitung, LK Neunkirchen

• 07.2004–09.2006 Karenz (während dieser Zeit – Aufbau einer

Qualitätsmanagementstelle im Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus)

• 02.2003–12.2008 Bereichsleitung der Orthopädie/Unfallchirurgie,

LK Neunkirchen

• 05.2000–04.2003 Stationsleitung Unfallstation, LK Neunkirchen

• 03.1997–10.1998 Karenz

• 09.1994–04.2000 Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus, Wien


Ausbildungen

• 2016–2017 MBA Upgrade – Health Care Management an der WU Wien

• 2015–2016 Ausbildung zur Dipl. Krankenhausbetriebswirtin

• 2015–2016 Ausbildung zur Health Care Managerin an der WU Wien

• 2008–2012 Masterlehrgang Leadership & Sozialmanagement

• 2008–2010 Lehrgang Pflegemanagement

• 2009–2010 Akademischer Sozialmanager

• 2001–2002 Ausbildung zum Qualitätsmanager in der Pflege

• 1997–1998 Sonderausbildung für leitende Krankenpflegeperson

• 1995–1997 Studienberechtigungsprüfung für Psychologie

• 1991–1994 Gesundheits- und Krankenpflegeschule Neunkirchen


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Ein gutes Miteinander ist ihr wichtig: Christa Grosz mit ihrer Hochegger Stellvertreterin Ilse Kleinrath, MBA