ABTEILUNG

Lebenswert

Das Team der Remobilisation und Nachsorge im LK Scheibbs verhilft Menschen wieder zu mehr Lebensqualität.

(v.l.) PH Heidrun Deurezbacher, Stationsleitung DGKP Friederike Röska, leitender Physiotherapeut Mag. Dr. Ger- hard Winter, OÄ Dr. Doris Schachinger-Hackner, Departmentleiter OA Dr. Gerold Hartmann, MSc, Dr. Astrid Kauf- mann, DGKP Waltraud Leichtfried, DGKP Andrea Bruckner

Seit Anfang 2017 gibt es im LK Scheibbs eine neue Station: das Department für Remobilisation/Nachsorge (RNS) . Hier werden Patientinnen und Patienten betreut, die nach dem Klinikaufenthalt weiterhin eine pflegerische und the- rapeutische Versorgung benötigen. 24 Betten stehen zur Verfügung, etwa für orthopädische Patienten, meist nac- h Operationen an der Wirbelsäule, an den Knien und der Hüfte. Aber auch Menschen mit Unfallfolgen, mit Herzleide- n oder urologischen bzw. gynäkologischen Beschwerden werden durch die umfassende Versorgung wieder mobile- r. Das Ziel ist, sie wieder fit für den Alltag zu machen und somit auch häufig die Pflegebedürftigkeit zu verhinder- n.

Das Department ist fachlich der Internen Abteilung angegliedert. Die medizinische Leitung der RNS obliegt Obe- rarzt Dr. Gerold Hartmann, MSc. Der erfahrene Internist hat seinen Turnus in Scheibbs gemacht und arbeitet nach mehrjähriger Tätigkeit im Klinikum Wels und SMZ-Ost Wien seit 2002 wieder im Haus. Er ist nach wie vor an der In- ternen Abteilung tätig. Den klassischen Patienten beschreibt er so: „Jemand um die 80 Jahre, bricht sich de- n Schenkelhals, hatte zwar schon einige Krankheiten, aber nichts Lebensbedrohliches. Durch den Bruch besteht d- ie Gefahr, dass er ans Bett gefesselt bleibt. Mit gezielten Interventionen gelingt es in der Regel wieder, ihn fit für de- n Alltag zuhause zu machen.“ Drei Wochen bleiben die Patienten im Durchschnitt auf der RNS, kriegen je nac- h Krankheitsbild unterschiedliche Therapien wie Physio- oder Ergotherapie, psychologische Betreuung und werde- n medizinisch betreut – und die gesamte internistische Medikation wird durchforstet. Ein wichtiger Aspekt dabei ist d- ie Schmerztherapie, sagt Hartmann: „Wenn die Mobilisierung beginnt, gilt es zunächst vorrangig, die Schmerzen z- u lindern.“


Zusammenarbeit

Das Team der RNS besteht aus verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzten, Pflegepersonal, Ergo- und Physiothera- peuten, Diätologen und einer klinischen Psychologin. „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist wichtig“, weiß de- r Department-Leiter. Daher gibt es einmal in der Woche eine gemeinsame Besprechung, in der jeder Patient von ve- rschiedenen Seiten beleuchtet wird. „Wir schauen, wie weit die Fortschritte sind, ob der Therapieplan greift oder a- daptiert werden muss“, sagt Hartmann. Ein Aspekt, den man nicht außer Acht lassen dürfe: „Ältere Menschen sin- d durch ein Akutereignis oft unterernährt – hier versuchen wir mit der Diätologie gegenzusteuern. Und gemeinsam m- it dem Entlassungsmanagement wird dann entschieden, was der Patient zuhause braucht, beispielsweise Hauskra- nkenpflege oder orthopädische Hilfsmittel.“ Die RNS arbeitet eng mit der Orthopädie unter Leitung des Ärztlichen D- irektors OA Dr. Erwin Schwaighofer zusammen: Jeder unfallchirurgische/orthopädische Patient wird routinemäßig von einem Orthopäden begutachtet. Dr. Gerhard Winter, dem Leiter der Physiotherapie, kommt mit seinem Team eine wichtige Bedeutung zu. Für jeden Patienten wird auf Basis eines physiotherapeutischen Befundes ein individu- eller Therapielan erstellt und die notwendigen Maßnahmen durchgeführt, wie Gangschulung, Gleichgewichts- un- d Koordinationsübungen, Ausdauer- und Belastungstraining, Muskelaufbau, manuelle Behandlungstechniken, Elek- tro- und Thermotherapie. Man sieht: Viele Berufsgruppen stehen bereit, um sich um das Wohl der Patienten z- u kümmern.


Gutes Pflegeteam

Fürs Pflege- und Patientenmanagement ist DGKP Friederike Röska zuständig. Sie begann 2007 an der Internen Abteilung im Haus zu arbeiten, war davor viele Jahre in der Hauskrankenpflege tätig. Die ambitionierte Pflegekra- ft bringt einen breiten Erfahrungsschatz mit und ist stolz auf ihr „buntes Team“, das seit beinahe zwei Jahren zusam- menarbeitet: „Die Pflegekräfte kamen aus dem chirurgischen und internistischen Bereich. Der neue Aufgabenb- ereich auf der RNS war teilweise fremd, aber alle haben sich gegenseitig unterstützt, waren hilfsbereit. Die Teamzu- sammenführung ist gut gelungen“, freut sie sich. Gemeinsam hat das Team vor allem ein Ziel: die Patienten zu mo-

bilisieren. Deshalb hat jede und jeder eine kinästhetisch- e Ausbildung. Das Pflegepersonal leitet die Patienten an , wieder selbständiger zu werden – sei es bei der Körper- pflege, beim Essen oder beim Anziehen. „Die Mensche- n müssen vieles wieder lernen“, erzählt Friederike Röska. Natürlich gibt es auch Patienten, die mehr Hilfe brauchen – generell aber gilt: Die Patienten müssen gewisse Anforde- rungen erfüllen wie Motivation, Lernfähigkeit – auch eine realistische Mobilisierungschance muss gegeben sein- . Sonst macht der Aufenthalt auf der RNS keinen Sinn. Das Einzugsgebiet ist relativ groß, weitere Einheiten zu Remo- bilisation und Nachsorge gibt es in den Landesklinike- n Gmünd und Klosterneuburg. Diese gibt es schon länger- . „Dort haben wir uns Anregungen geholt. Wir tauschen un- s auch regelmäßig aus“, sagt Hartmann- .


Erfolgserlebnisse

Das Team hat schon viele Erfolgserlebnisse zu verzeich- nen und vielen Menschen wieder zu einem lebenswerte- n Leben verholfen. Durch die vielfältige Betreuung unmittel- bar nach einer schweren Operation oder Erkrankung wir- d die weitere Pflege häufig reduziert. Alles in allem steigt di- e Lebensqualität der Patienten. Hartmann berichtet von ei- nem jüngeren Patienten, der nach einem Polytrauma gro- ße Fortschritte gemacht hat und mittlerweile wieder arbei- ten gehen kann. Friederike Röska erinnert sich an den hundertsten Patienten im vorigen Jahr zurück: ein 71-jähri- ger Mann, der nach einer orthopädischen Operation erfolg- reich mobilisiert wurde. „Nach 21 Tagen auf der RNS konnte er gehfähig nach Hause entlassen werden“, ist sie stolz. Die Betreuung der Patienten mit verschiedenen Krankheitsgeschichten sei eine große Herausforderung , sind sich Department-Leiter Hartmann und Pflegeleitun- g Röska einig: „Dazu braucht man viel Geduld und Einfüh- lungsvermögen.“ Das Team der RNS zieht gemeinsam an einem Strang und bietet den Menschen einen geschützte- n Rahmen, damit sie die Anforderungen des Alltags wiede- r meistern können.


Karin Schrammel

Aufgaben & Kompetenzen


Am Department Remobilisation/Nachsorge (RNS) im LK Scheibbs werden Patientinnen und Patienten betreut , die nach orthopädischen oder unfallchirurgischen Eingri- ffen an Funktionseinbußen im Bereich des Bewegungs- und Stützapparates leiden. Eine weitere Zielgruppe sin- d Patientinnen und Patienten nach internistischen Erkran- kungen, bei denen eine lange Genesungsdauer erwarte- t wird, z. B. nach schwerer Lungenentzündung. Ziel ist , die Mobilität und selbstständige Lebensführung wiede- r herzustellen und eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden- . Das Department dient als Bindeglied zwischen Kranken- haus und häuslicher Versorgung. Die Patientinnen und Patienten befinden sich im Regelfall drei Wochen auf de- r Station. Die Aufnahme erfolgt nach entsprechender Zu- weisung vom Akutkrankenhaus und erfolgreichem Auf- nahmeverfahren, ausschließlich nach Terminvereinba- rung. Im Team sind verschiedene Berufsgruppen wi- e Mediziner, Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologinnen und Diätologinnen tätig- .

Informationen: www.scheibbs.lknoe.at

Bereichsleitung DGKP Alfred Kaltenbrunner (2.v.r.) und DGKP Friederike Rös- ka (Stationsleitung RNS, 1.v.l.) freuen sich über die Bilder.

Kunstvoll


Im Scheibbser Department Remobilisation/Nachsorg- e (RNS) ist eine Dauerausstellung von Künstlerinnen und Künstlern der Lebenshilfe NÖ, Werkstätte Aschbach, zu be- sichtigen. Die ausgestellten Bilder können käuflich erworbe- n werden. Die Bilder seien nicht nur eine anregende und kreati- ve Dekoration, sondern motivieren die Patienten auch, einige Schritte mehr zu gehen, freut sich das Team des Depart- ments.

erschienen in WIR INTERN 05/2018