IM GESPRÄCH

„Turne bis zur Urne" 

Motivation, Bewegung und gesunde Ernährung – seit zehn Jahren steht die Lebensstilmedizin im Landesklinikum Scheibbs für diese drei Grundsäulen. OA Dr. Rudolf Paumann hilft gemeinsam mit seinem Team beim Sprung in ein gesünderes Leben. WIR INTERN steht er Rede und Antwort.

Foto: Philipp Monihart

ZUR PERSON

Dr. Rudolf Paumann be- gann 1988 als Turnusarzt im

LK Scheibbs. Bereits als As- sistenzarzt beschäftigte er sich mit der Lebensstilmedi- zin. Seit 1996 ist Paumann als Oberarzt mit dem Addi- tivfach Geriatrie auf der In- ternen Abteilung tätig und erwarb Zusatz-

diplome für

ambulante kardiale Rehabi- litation, Ernährungs-, Pallia- tiv-, Psychosoziale Medizin, Sport- und Kneippmedizin. Im Laufe seiner Arbeit leis- tete er auch Notarztdienste, führte eine Wahlarztpraxis, unterrichtete in der Ge- sundheits- und Kranken- pflegeschule und hält seit 2007 Vorträge für die Vor- tragsreihe „Treffpunkt Ge- sundheit“. Derzeit studiert er „Angewandte Ernäh- rungsmedizin“ an der FH Joanneum in Graz/Bad Glei- chenberg. Der 55-jährige In- ternist ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder, die beruflich auch den Weg in das Gesundheitswesen eingeschlagen haben.

Gesundheit ist ... das höchste Gut für uns Menschen.Gesundheit ist … noch immer das höchste Gut. Jeder, der schon einmal schwer krank war, wird das bestätigen. Gesundheit wird meist zu wenig geschätzt, wenn alles okay ist. Wir sollten uns rechtzeitig um unsere persönliche Gesund- heit sorgen.


Ich bin Arzt geworden, weil … ich schon immer einen Beruf mit Kontakt zu Menschen wollte. Ich war bis zur Matura in einem bischöflichen Seminar und sollte eigentlich Priester werden. Es bestehen viele Parallelen zwischen diesen Berufen. Heute bin ich froh, dass ich die richtige Be- rufsentscheidung getroffen habe.


Das Landesklinikum Scheibbs … ist „unser Krankenhaus“. Alle, die hier arbeiten, sind gerne da. Das Landesklinikum ist so überschaubar, dass sich alle Mitarbeiter kennen. Wir haben einen Sportverein mit vielen Sektionen, die regen Zuspruch finden. Unser rühriger Betriebsrat lädt zu vielen Veranstaltungen ein und stärkt damit wesentlich den Zusammenhalt der verschiedenen Berufsgruppen. Einmal im Jahr findet unser legendäres Preisschnapsen statt.


Die NÖ Kliniken unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding … sehe ich sehr positiv. Nach kleineren Anfangsschwierigkeiten gehen wir gemeinsam einen sehr konstruktiven Weg. Als klei- nes Spital müssen wir uns allerdings bei gewissen Entwicklungen anstrengen, um mithalten zu können.


Die Lebensstilmedizin habe ich entwickelt, weil … es notwendig ist, Wohlstands- bzw. Zivilisati- onskrankheiten präventiv im Sinne der Vorsorge und auch therapeutisch entgegenzuwirken. 2007 haben die sehr engagierten Diätologinnen des Hauses mit mir die Adipositas-Ambulanz ge- gründet. Zeitgleich haben wir durch Projekte über die Sportunion bzw. das Gesundheitsministe- rium die medizinische Trainingstherapie (Bewegung/Sport als Medikament) etabliert. Seit 2012 sind wir partnerschaftlich mit der Initiative »Tut gut!« (VorsorgeAktiv) verbunden und können für unsere Patienten als dritte Säule neben Ernährung und Training die psychologische Betreuung im Programm anbieten.


Das wünsche ich mir für die nächsten zehn Jahre Lebensstilmedizin … dass der Gedanke der Lebensstilmedizin Verbreitung findet und flächendeckend für unsere Patienten angeboten wer- den kann. Das „Pflänzchen“ Lebensstilmedizin soll wachsen und gedeihen.


Ein großes Anliegen ist ... dass neben der guten Grundversorgung in unserem Haus die Lebens- stilmedizin weiter ihren fixen Platz hat, denn es gibt kaum einen internistischen Patienten, der nicht von einer Lebensstiländerung profitiert.


Mein Motto ist … Turne bis zur Urne!


Was ich schon immer „loswerden“ wollte, ist … bleiben wir offen für Veränderungen, nehmen wir aktiv daran teil. Nicht jammern, sondern sich über Neues freuen!


Ausgleich zu meinem Beruf finde ich … in der Familie und in der Natur. Meine Kinder machen mir große Freude und seit dem Vorjahr bin ich auch stolzer Opa. Energie hole ich mir zusätzlich in der Natur bei sportlichen Aktivitäten, speziell beim Wandern und Langlaufen sowie im Fitness- studio beim Milon-Training. Nach einer Herzklappen-Operation im Jahr 2013 bin ich sehr froh, dass ich wieder „alles“ machen kann. Die Lebensstilmedizin hat mir auf dem Weg zur Genesung wesentlich geholfen und wird mich, hoffe ich, persönlich bis ans Lebensende begleiten.