IAB & IAS

Zentrale Anlaufstelle

Interdisziplinäre Aufnahmestationen und -bereiche übernehmen eine wichtige Filterfunktion und entlasten den Stationsbetrieb.

Drei Beispiele, wie unterschiedlich IAB und IAS funktionieren können: Horn, Krems, Neunkirchen- .

fotoS: günter kalchbrenner, zvg

Dr. Markus Klamminger, Medizi- nischer Geschäfts- führer der NÖ

Landeskliniken-Hol- ding

Pro Jahr kommen tausende Menschen ungeplant in die NÖ Kliniken, von denen viele keine Ein- weisung haben. Waren es früher die Portiere, die Patientinnen und Patienten zu den einzelnen Stationen geschickt haben, gibt es nun in vielen Kliniken Interdisziplinäre Aufnahmestationen ode- r -bereiche als erste Anlaufstelle.

Die Interdisziplinäre Aufnahmestation (IAS) ist eine eigenständige Einrichtung, die aus einer Erst- versorgungsambulanz und einem Aufnahmebereich (Beobachtungszeitraum der Patienten vo- n maximal 24 Stunden) mit systemisierten (sanitätsbehördlich bewilligten) Betten besteht. Die dor- t zugeordneten Betten dürfen nur aus den bestehenden Bettenkapazitäten generiert werden. Ein- e Mehrfachbelegung dieser Betten im Tagesverlauf ist möglich- .

Der Interdisziplinäre Aufnahmebereich (IAB) dient ausschließlich der ambulanten Abklärung un- d Versorgung (Beobachtungszeitraum der Patienten von maximal sechs Stunden) und verfügt übe- r keine systemisierten Betten. Für die kurzfristige Beobachtung und Behandlung können Beobach- tungsliegen (Funktionsbetten) bereitgestellt werden. IAB und IAS fungieren als Notaufnahme un- d sind daher rund um die Uhr besetzt. Stoßzeiten sind vor allem an Tagesrandzeiten und am Wo- chenende, wenn die Versorgung im niedergelassenen Bereich nicht mehr gegeben is- t.


Entlastung

Primär sollen diese beiden Versorgungsformen die Ambulanzen und Stationen entlasten, sagt Dr- . Markus Klamminger, der Medizinische Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding: „IAB un- d IAS haben die Aufgabe, kritisch Kranke herauszufiltern und erstzubehandeln. Eine erfahrene Pfle- gekraft erfragt anhand eines international bewährten Ersteinschätzungssystems die Dringlichke- it der Behandlung, nach der sich dann die Wartezeit richtet. Akutfälle kommen zuerst an die Reihe.

Nach allen erforderlichen Untersuchungen und auf Basis einer ersten Diagnose wird dann en- tschieden, ob eine Aufnahme im Klinikum erforderlich ist oder ob eine ambulante Behandlung au- sreicht. Zwei Drittel der Patienten werden wieder nach Hause oder in die niedergelassene Versor- gung geschickt – gut diagnostiziert und versorgt und mit Arztbrief. IAB und IAS sind eine wichtig- e Nahtstelle zwischen den Kliniken und der niedergelassenen Ärzteschaft- .

Muss jemand stationär aufgenommen werden, bleibt er zwischen 18:30 bis 7:00 Uhr morgens au- f der IAS und kommt nicht auf die zuständige Station. „Das entlastet den Stationsbetrieb währen- d der Nachtstunden“, sagt Klamminger. In der Früh wird dann entschieden, ob der Patient entlasse- n werden kann, auf die jeweilige Station kommt oder transferiert werden muss. Gibt es keine IAS im Klinikum, werden die Patienten wie gehabt zielgerichtet einem Fach zugeordnet- .


Vorteile & Nachteile

Geschäftsführer Klamminger spricht von „Fluch und Segen“: „Einerseits entlasten IAB und IAS di- e Stationen und filtern nur jene Patienten heraus, die wirklich aufgenommen werden müssen. Ande- rerseits machen viele Patienten es sich bequem, weil sie mit Beschwerden kommen, mit dene- n sie beim Hausarzt besser aufgehoben wären. Aber im Klinikum werden alle Untersuchungen au- f einmal gemacht – das erspart ihnen ein paar Wege.


Soll jedes Klinikum eine IAB und IAS kriegen? „Wir sind am Evaluieren. Eine IAS ist sicher nicht überall notwendig. Aber es sollte zumindest auch in kleineren Häusern eine Anlaufstelle für Akutpatienten geben.“ Laut Bund heißt es übrigens „zentrale ambulante Erstversorgung“ (ZAE, abge- bildet im Österreichischen Strukturplan Gesundheit) .

Das Implementieren einer neuen Einheit wie IAB oder IAS ist eine Herausforderung, weiß Klamminger: „Es funktio- niert nicht sofort perfekt. Jedes Haus muss seine eigene- n Spielregeln entwickeln, alles hängt sehr stark von den han- delnden Personen ab. Sie müssen die optimalen Struktu- ren erst entwickeln und die Prozesse gemeinsam lernen- . Eine gute Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzte- schaft ist wichtig, denn sie tragen eine hohe Verantwor- tung.“


Erfahren & qualifiziert

Das Um und Auf ist erfahrenes und qualifiziertes Personal , betont Klamminger: „Die Arbeit in IAB und IAS ist fordern- d und anstrengend. Es gibt eine hohe Arbeitsverdichtung, a- n den Stoßzeiten kommen viele Leute. Auch die Begehrlich- keiten der Patienten sind groß – einige beschweren sich, wenn sie heimgeschickt werden. Es gibt viel zu tun fü- r Pflege und Ärzte.“ Er nennt einen weiteren Punkt: Oft muss man Facharztkollegen zur Begutachtung von Patien- ten rufen, das funktioniere noch nicht überall perfekt. Daz- u braucht man ein gutes Standing im Haus, weiß Klammin- ger. Generell sei es besser, wenn IAB und IAS dem Ärztli- chen Direktor unterstellt sind und nicht einer Abteilung wi- e Interne oder Chirurgie. Das sorge für mehr Akzeptanz im Haus. „Im Gegenzug müssen die Kollegen spüren: IA- B und IAS entlasten uns, filtern Leute heraus, die nicht auf- genommen werden müssen. Das schont Ressourcen.

Und nicht zu vergessen: IAB und IAS sind auch ein hervor- ragender Ausbildungsplatz. Nach zwei Jahren hat ma- n wirklich alles gesehen, vom Harnwegsinfekt über einen Schlaganfall bis zum Aortenaneurysma. Trotzdem ist es nicht immer leicht, geeignetes Personal zu finden, sieh- e Erfahrungsberichte aus den Kliniken Horn, Krems und Neunkirchen.

Jedenfalls sind IAB und IAS eine Erfolgsgeschichte un- d aus dem modernen Klinikbetrieb nicht mehr wegzudenken : Viele sind auf einem guten Weg, manche stehen ganz am Anfang, einige haben die ideale Form gefunden. Es is- t schon viel geschehen. Und vieles wird noch geschehen- .



Karin Schrammel

Ein Teil des Neunkirchner IAB/IAS-Teams

erschienen in WIR INTERN 05/2018