IM GESPRÄCH

„Mehr auf den Hausverstand hören" 

Prim. Dr. Alfons Schaurhofer ist der neue Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im LK Lilienfeld.  WIR INTERN steht er Rede und Antwort.

Foto: Philipp Monihart

ZUR PERSON


Prim. Dr. Alfons Schaurhofer machte seine Turnus- und Facharztausbildung im KAV Wien sowie im Hartmannspital. Zuletzt war er im Wiener Fran- ziskusspital als Oberarzt an der Internen Abteilung. Als stati- onsführender Oberarzt hat er Erfahrung in allen Bereichen der Inneren Medizin und nicht interventionellen Kardiologie gesammelt. Sein Schwerpunkt liegt in der Gastroenterologie und der endoskopischen Funk- tionsdiagnostik. Schaurhofer will die regionale Gesundheits- versorgung in Kooperation mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten in hoher Quali- tät garantieren. Der 35-Jährige wohnt nun wieder in seinem Heimatort Zeillern, ist verheira- tet und Vater einer zweijährigen Tochter, im Juni kommt das zweite Kind.

Gesundheit ist ... nicht nur das körperliche Wohl, sondern auch das geistige. Gesundheit hat auch etwas mit Zufriedenheit zu tun.


Ich bin Arzt geworden, weil … mich der Organismus Mensch schon immer interessiert hat: Wie funktioniert der Organismus? Wie wirken die Bestandteile des Körpers zusammen?


Die Fachrichtung Innere Medizin fasziniert mich, weil …ich als Internist die Möglichkeit habe, den Menschen im Gesamten zu betrachten, nicht nur einen Teilausschnitt. Das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten ist mir wichtig, ich bin gern in Kontakt mit Menschen.


Mein Schwerpunkt ist … Gastroenterologie, im Speziellen die Darm-Diagnostik. Ein faszinieren- der Bereich, nicht zuletzt, da der Darm momentan sehr im Fokus der Wissenschaft steht, Stich- wort Mikrobiom: Wir stehen erst am Beginn, was es darüber zu wissen gibt. Das Mikrobiom scheint uns mehr zu steuern, als wir glauben.


Das Landesklinikum Lilienfeld … ist ein herzliches, unkompliziertes und qualifiziertes Haus. Und ein wichtiger regionaler Gesundheitspartner für den niedergelassenen Bereich.


Die NÖ Landeskliniken-Holding … ist ein Think Tank mit der Möglichkeit, sich intensiv medizi- nisch auszutauschen. Ein großer Vorteil in einer zunehmenden Technokratisierung in der Medi- zin. Dadurch dass viele Standorte zusammenarbeiten, beispielsweise per Telemedizin, lassen sich viele Synergien nutzen und Daten generieren. Das ist in der Wissenschaft von unschätzba- rem Wert.


Ein großes Anliegen ist mir … dass man trotz aller Fortschritte in der Medizin nicht vergisst, dass der Patient im Mittelpunkt steht. Das Gespräch mit dem Patienten ist in der Inneren Medizin nicht ersetzbar. Man sollte stärker auf den Patienten fokussieren.

Mein Motto ist... audiatur etiam altera pars: Man soll auch die andere Seite hören und sich nicht eindimensional eine Meinung bilden. Ein Grundsatz des Römischen Rechts. Also zuerst zuhören, bevor man die Antwort auf eine Frage gibt, die nie gestellt wurde.


Was ich schon immer "loswerden" wollte, ist … dass in einer zunehmend dokumentierten Welt standardisierte Prozesse natürlich wichtig sind und für Sicherheit sorgen. Auf der anderen Seite sollte man auf der Uni wieder mehr in den Fokus rücken, dass man den gesunden Hausverstand nicht ersetzen kann und mehr auf ihn hören sollte. Denn die Giraffe, die im Hinterhof bellt, ist meistens doch nur ein Hund.


Ausgleich zu meinem Beruf finde ich Ausgleich braucht man als Gegengewicht.

Wenn man seinen Job gern macht, braucht man kein Gegengewicht. Aber ich bin gern mit

meiner Familie in der Natur und mag Bogenschießen. Bei diesem Sport muss man Spannung auf- bauen und wieder loslassen können. Das hat viel mit Fokussieren zu tun. Im Leben geht es dar- um, das Ziel zu treffen und nicht zu verzweifeln, wenn es einmal nicht gelingt.