MASKEN

Die Jagd nach Masken

Im März setzt ein weltweiter Wettlauf um Schutzmasken ein. Die Einkaufs-Spezialisten der NÖ Landesgesundheitsagentur sind mittendrin.


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In Corona-Spitzenzeiten waren Atemschutzmasken (FFP-Masken) Mangelware – und das weltweit. Die großen Hersteller in China sind restlos ausverkauft. Im März setzt ein wahres Rittern um vorhandene Kon- tingente ein. Christian Schauer, Abteilungsleiter des Einkaufs der NÖ Landesgesundheitsagentur, hat abenteuerliche Geschichten zu erzählen. Seine Abteilung ist zuständig für die Beschaffung der benötig- ten Schutzausrüstung inklusive Masken für alle NÖ Kliniken – und ab April auch für die 50 NÖ Pflege-, Betreuungs- und Förderzentren (siehe Infokasten). Die erste Schwierigkeit war: „Unsere bisherigen Liefe- ranten konnten nicht mehr liefern“, sagt Christian Schauer, „aus teils unglaublichen Gründen: Lkw-Ladun- gen wurden beschlagnahmt, Flüge gestrichen, Transportwege für Seefracht sind abgerissen und so wei- ter.“ Man muss sich nach neuen Lieferanten umsehen, was weitere Schwierigkeiten bedeutet. Viele Fir- men wittern ein großes Geschäft: 800 Angebote trudeln bei Schauer und seinem Team ein – die man alle auf Seriosität prüfen muss: hunderte Lockangebote, manche wiederum verlangen horrende Summen, an- dere wollen nur per Vorauskassa liefern, legen ungültige Zertifikate vor, minderwertige Billigprodukte sind in Umlauf. Die Situation am Weltmarkt ist vollkommen intransparent.

Daher kooperiert die NÖ Landesgesundheitsagentur mit dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswe- sen (BEV), das die angelieferten Atemschutzmasken überprüft. Elf der 28 Produktchargen von insgesamt 18 Lieferanten haben die Qualitätskontrolle bestanden. Unbrauchbare Ware muss vom Lieferanten wieder abgeholt werden. Damit ist gewährleistet, dass die Bediensteten in den Kliniken sowie Pflegezentren nur mit qualitativ hochwertiger Ausrüstung ausgestattet werden. „Wir haben den Markt aufgescheucht. Man- che bieten uns gar nichts mehr an, weil wir die Angebote intensiv hinterfragen“, sagt Schauer.


Logistik unterstützt

Eine große Unterstützung waren die Logistikzentren in St. Pölten und Wiener Neustadt. „Ohne sie wäre es nicht gegangen“, sagt Schauer. Als Mitte März der OP-Betrieb in den Kliniken zurückgefahren wird, wer- den in den Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte in den Logistikzentren Ressourcen frei. „Daher hatten wir die Idee, dass wir dort Schutzmasken wiederaufbereiten könnten“, sagt Dipl. KH-BW Jacque- line Brandstetter, MBA, Leiterin des Logistikzentrums im UK St. Pölten. „Gemeinsam mit der Hygiene ha- ben wir einen Prozess aufgestellt, wie man die Masken rein- und rausbringt, wie man sie verpackt, haben eigene Boxen gesucht, die man ohne zu öffnen in den Sterilisations-Apparat stellen kann.“ Die Masken werden nach dem Sterilisationsprozess einer Qualitätskontrolle unterzogen. Verschmutzte oder durch- nässte Masken müssen verworfen werden.

Der Arbeitsaufwand im Logistikzentrum sei ein riesiger gewesen, Lieferungen mit Millionen Stück benötig- ter Ware trudelten ein, mussten ausgepackt und registriert werden, auch am Wochenende. „Seit März wa- ren die Teams gesplittet, bis Anfang Mai haben wir mit halbem Team gearbeitet. Es gab Tage, wo es durchaus herausfordernd war, den Überblick zu behalten.“ Was dazu kam: Ab Mitte März belieferten die Logistikzentren alle NÖ Kliniken mit Schutzausrüstung – auch jene, die davor noch nicht angeschlossen waren. Und ab Mitte April auch die 50 Pflegezentren. „Im Nachhinein ist spannend zu sehen, wie gut und unkompliziert alles funktioniert hat“, streut die Leiterin ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Rosen. Pro- fitiert wird gerade jetzt vom volldigitalen Workflow, der mit Inbetriebnahme der Logistikzentren 2014 Ein- zug gehalten hat. Mit einem Knopfdruck hat man den Überblick, wie viel Stück wovon auf Lager sind. Mit großer Erfahrung und riesigem Einsatz hat man die Situation bestens bewältigt.


karin schrammel

erschienen in WIR INTERN 03/2020