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Der Ärztliche Direktor des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf, Dr. Christian Cebulla, gibt Tipps zum richtigen Verhalten nach einem Zeckenstich. Ein sofortiger Arztbesuch ist nicht nötig.

Zeckenstich – was nun?

MISTELBACH – Immer mehr Menschen suchen nach einem Zeckenstich eine Spitalsambulanz oder einen Arzt auf, da- bei ist das nicht  nötig.

Österreich ist stark zeckenverseucht und es werden jährlich mehr als zehn Prozent der Bevölkerung von Zecken gesto- chen. Deren Hauptaktivität liegt zwischen April und September. Zecken halten sich auf der Unterseite von Pflanzen bis zu 1,5 Meter über dem Boden auf und krabbeln beim Anstreifen auf die Haut.

Zum Blutsaugen bleibt die Zecke mehrere Tage auf dem Wirt, um dann von selbst abzufallen. Beim Saugen wird Spei- chel in die Haut abgegeben, der verschiedene Krankheitserreger enthalten kann. Zu den Krankheitserregern zählen vor allem Bakterien (Borrelien), welche die Lyme Borreliose verursachen können, und Viren als Auslöser der Frühsom- mermeningoenzephalitis (FSME).


Dazu erklärt der Ärztliche Direktor des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf, Dr. Christian Cebulla: „Die Wahr- scheinlichkeit, dass nach einem Stich mit einer infizierten Zecke eine Krankheit ausbricht ist prozentuell gering, weil das menschliche Immunsystem sich sehr effektiv gegen die Krankheitserreger richtet und eine Anhaftungszeit von bis zu 24 Stunden für eine Erregerübertragung nötig ist. Daher ist es sehr wichtig sich und seine Lieben nach einem Auf- enthalt im Freien gut nach Zecken abzusuchen und dieselben rasch zu entfernen.“



Am besten entfernt man Zecken durch langsames Herausziehen mit einer Pinzette (knapp über der Hautoberfläche) oder ebenso gut durch Abrasieren der Zecke mit einem Einmalrasierer. Danach sollte man die Stichstelle desinfizieren. Zur Entfernung sollten keine Hilfsmittel wie Öl oder Klebstoff verwendet werden. Die vorbeugende Einnahme eines An- tibiotikums gegen Borreliose nach Zeckenstich ist nicht empfohlen. Bleibt nach der Entfernung ein dunkler punktförmi- ger Rest zurück, ist dies unbedenklich. Es handelt sich um den Stachel, den die Haut von selbst bald abstößt. Er ent- hält kaum Krankheitserreger.


Was kann man tun, um sich vor Zeckenstichen zu schützen? Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen ist sinnvoll zur Vermeidung zukünftiger Zeckenstiche. Herkömmliche Repellents (Insektenabwehrmittel) halten Zecken für bis zu 6 Stunden ab. Dr. Christian Cebulla weiter:

„Die FSME Impfung schützt zu 98% gegen die viral übertragene Frühsommermeningoenzephalitis und ist stark zu empfehlen. Wichtig sind regelmäßige Auffrischungen bzw. Überprüfung des bestehenden Impfschutzes durch Bestim- mungen des Antikörpertiters beim Hausarzt. Gegen die sehr viel häufiger auftretende Borreliose, welche in der Regel gut mit einem Antibiotikum behandelt werden kann, gibt es noch keine Impfung.“


Wichtig ist es dem Ärztlichen Direktor Dr. Cebulla auch festzuhalten: Für die Entfernung einer Zecke ist zunächst kein Arzt notwendig. Dieser ist erst aufzusuchen, wenn sich Tage bis Wochen später (Datum des Stiches notieren!) eine große Rötung (mind. fünf Zentimeter Durchmesser) an der Haut, Fieber, Gelenks- od. Kopfschmerzen oder andere aku- te Krankheitszeichen entwickeln.