CORONA-KRISE

Große Stunde der Hygiene

Durch das Coronavirus gewinnt die Hygiene in den Kliniken noch mehr an Bedeutung. Großen Einsatz leisten die Hygienefachkräfte, die permanent im Einsatz sind.


fotoS: istockphoto/ huettenhoelscher

Wie oft muss die Covid-Station gereinigt werden? Wie kommt das Essen zu infizierten Personen? Wie des- infiziere ich richtig? Diese und zahlreiche andere Fragen stehen zu Beginn der Corona-Krise in den Klini- ken und Pflegezentren im Vordergrund. Sicherheit bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei von den Hygienefachkräften, die unter enormem Einsatz in kürzester Zeit Richtlinien erstellen.

Im UK St. Pölten ist Hygienefachkraft DGKP Alexandra Jojart-Sautner als eine von vier Hygienekräften von Anfang an im Einsatz. Die Pandemie sei mit nichts Bisherigem zu vergleichen, erinnert sie sich. Gemein- sam mit ihren Kolleginnen erstellte sie aktuelle Richtlinien; im Fokus stand dabei, Patienten und Mitarbei- ter bestmöglich zu schützen. Viele Besprechungen waren notwendig, enorm war der Aufwand: 900 Mitar- beiterinnen und Mitarbeiter wurden in 120 Schulungen auf die besonderen Vorkehrungen vorbereitet.

Alle Patienten, die im Klinikum aufgenommen werden, müssen zuvor zeitnah getestet werden, daher wa- ren vor allem die Akutpatienten eine Herausforderung. Es gab viele Fragen rund um Hygienemaßnahmen: „Das Telefon hat ununterbrochen

geläutet. Daher war es notwendig, dass immer ein Ansprechpartner des Hygieneteams vor Ort war, auch am Wochenende“, sagt Jojart-Sautner. Am Anfang gab es viele Ängste und Sorgen, nach und nach pen- delte sich das Arbeiten unter den neuen Bedingungen aber ein. Das St. Pöltner Hygieneteam drehte so- gar ein hausinternes Video, um das richtige An- und Ablegen der Schutzkleidung

möglichst anschaulich zu vermitteln. Von Beginn an involviert war der Leiter des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Aspöck. Sehr schnell mussten Antworten gefunden wer- den, wenn Mitarbeiter Kontakt mit Menschen hatten, die sich später als Virusträger herausstellten. „Bevor es entsprechende detaillierte gesetzliche Regelungen gab, mussten wir entscheiden, wer in Quarantäne muss und wer unter bestimmten Bedingungen arbeiten darf“, erinnert sich Aspöck. Das gesamte Institut arbeitet gemeinsam an den Hygienemaßnahmen rund um Covid-19, die der erfahrene Hygieniker freigibt.


Tests im Vordergrund

Für das Institut, das nicht nur das Hygieneteam, sondern auch die mikrobiologische Diagnostik am Uni- versitätsklinikum beherbergt, kam noch eine andere Herausforderung dazu: Bereits ab Mitte Februar konnte das Institut – vorerst als einzige Einrichtung in den Kliniken Niederösterreichs – Testungen etablie- ren. Zu Beginn waren es allerdings limitierte Mengen. Daher habe man sehr schnell Druck zu spüren be- kommen, weil viel mehr Tests als möglich gewünscht waren, erzählt Aspöck. Zur Anwendung kommt die sogenannte PCR (siehe Seite 18). Durch diese sensitive Methode ist die Chance sehr groß, das Virus tat- sächlich nachzuweisen. Allerdings gab es relativ bald zu wenig geeignetes Besteck zur Abnahme des Abstriches, daher mussten stattdessen Wattestäbchen mit Holzstiel und keimarme Röhrchen mit Koch- salzlösung verwendet werden. Da die Einsendungen zu allen anderen Fragestellungen stark zurückgin- gen, konnte die PCR-Testung von Montag bis Sonntag von zwei Teams, die sich abwechselten und kei- nen Kontakt zueinander hatten, durchgeführt werden. Mittlerweile läuft die PCR in etlichen Instituten, und auch in der Mikrobiologie St. Pölten werden zusätzlich Antikörpertests durchgeführt.


Kommunikation im Fokus

Im LK Baden-Mödling stehen die Hygienefachkräfte DGKP Eveline Lechner (Standort Mödling),

DGKP Veronika Doppelreiter (Standort Baden), DGKP Attila Dienes (Standort Baden) sowie die hygiene- beauftragte Ärztin OÄ DDr. Christa Eder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Seite. Als die ersten Fälle in Österreich bekannt wurden, verteilte das Hygieneteam Informationen an Patienten und Angehöri- ge bezüglich Händehygiene und Abstandsregeln. Gleichzeitig gehört das

Hygieneteam von Anfang an zum Krisenstab. Das Team erstellte schließlich SOP’s (Standard Operating Procedures). Diese beinhalten unter anderem Infos rund um das richtige Verwenden von Schutzkleidung und Schutzmasken, das Reinigen von Patientenzimmern oder den Umgang mit der Wäsche von infizier- ten Personen. Wichtig ist vor allem die persönliche Kommunikation zwischen Ärzten und Pflege in allen Berufsgruppen, ist sich das Hygieneteam einig. So versenden sie auch Neuigkeiten bezüglich Hygiene- richtlinien mittels Newsletter.

Da jede Station ihre ganz individuellen Anforderungen hat, steht das Team für Fragen jederzeit bereit. Für die Hygienefachkräfte ist diese Zeit eine sehr anspruchsvolle. Neue Erkenntnisse nutzen sie dafür, um präventive Maßnahmen zu verbessern. Doch nicht nur das Hygieneteam leistet hervorragende Arbeit: „Die Summe der Leistungen aller Mitarbeiter an unseren beiden Standorten ist das eigentlich Herausra- gende. Durch unseren Zusammenhalt, die Kommunikation und das rasche Umsetzen der Maßnahmen konnten wir die Krise gut meistern“, sagt Eder.


Die Hygiene rückt durch die Corona-Krise in den Vordergrund und nimmt eine zentrale Rolle ein. Welche Lehren kann man daraus ziehen? Hier sind sich alle einig: Um auf eine Pandemie vorbereitet zu sein, soll- te Schutzkleidung in Österreich hergestellt werden und genügend vorrätig sein. Primar Aspöck ergänzt: „Wir haben Pandemiepläne, diese waren aber in manchen Aspekten nicht praxistauglich. Daran sollte man arbeiten.“ Das Hygieneteam Baden-Mödling sieht die gute Gesundheitsversorgung in Österreich als einen Standard, der unbedingt aufrechterhalten werden muss. Die gleichzeitige Versorgung von Infizier- ten und Patienten mit anderen Erkrankungen stelle die wichtigste Aufgabe für die Zukunft dar.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 03/2020