ABTEILUNG

Zurück ins Leben

Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen finden im LK Allentsteig eine Vielzahl an Therapiemaßnahmen, um verlorene Fähigkeiten wieder zu erlernen.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Bancher (Ärztlicher Bereichsleiter) und DGKP Beatrix Litschauer (Pflegerische

Bereichsleiterin)

Seit 2007 gibt es im LK Allentsteig die neurologische Rehabilitation.

Für Menschen, die an schweren neurologischen Erkrankungen leiden, ändert sich das Leben meist grundlegend. Für sie folgt nach dem Klinikaufenthalt eine Rehabilitation, um den neuen Alltag gut bewältigen zu können und Fähigkeiten wieder zu erlernen. Im LK Allentsteig finden Patientinnen und Patienten dafür eine breite Palette an Therapien und medizinischen Anwendungen.


Vielfältige Therapie

Ob Schlaganfall, Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen: Seit 2007 werden im Neubau des LK Allentsteig Patientinnen und Patienten rehabilitiert. Das Klini- kum wurde von 2005 bis 2007 unter der  medizinischen Leitung von Primar. Univ.-Doz. Dr. Christian Bancher, Ärztlicher Bereichleiter, aufgebaut. Auf eines legt der Neurologe besonders großen Wert: „Interdisziplinarität ist bei uns sehr wichtig. Alles geht Hand in Hand. Unser Bestreben ist es immer, den Patienten in eine möglichst gute Selbststän- digkeit zu entlassen.“

Die häufigste Erkrankung, mit der rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten zur Rehabilitation kommt, ist ein Schlaganfall. Aber auch für Nervenentzündungen, akute Erkrankungen der Nerven, nach Schädel-Hirn-Traumen oder nach neurochirurgischen Eingriffen gibt es im LK Allentsteig die passende Therapie. Um an der Rehabilitation- seinrichtung aufgenommen zu werden, gibt es verschiedene Zugänge: „In erster Linie kommen Patientinnen und Pa- tienten von Akutspitälern zu uns. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass eine Fachärztin, ein Facharzt für Neu- rologie den Patienten zu uns schickt“, sagt Bancher.


Interdisziplinäres Team

Eine erfolgreiche neurologische Rehabilitation, abgestimmt auf die Rehabilitationsziele des betroffenen Patienten, findet laut Oberärztin Univ.-Prof. Dr. Michaela Pinter immer im interdisziplinären Team statt. Die neurologische Reha- bilitation erfordert eine enge Zusammenarbeit von Ärzten, insbesondere Fachärzten für Neurologie, Pflegepersonal, Mitgliedern der therapeutischen Berufe (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Diätologie, Orthoptik und medi- zinisch-technische Fachkräfte), Psychologen mit Fachschwerpunkt Neuropsychologie, Sozialarbeitern, dem Betroffe- nen selbst sowie seinen Angehörigen. Oberstes Ziel der neurologischen Rehabilitation ist es, dem Patienten in Zukunft ein weitgehend uneingeschränktes und selbstständiges Leben zu ermöglichen – er soll wieder an der Gesellschaft teilnehmen können.

Durch eine akute oder chronische neurologische Erkrankung gehen manche Funktionen verloren. Die neurologische Rehabilitation hilft dabei, diese Funktionen wiederzuerlangen. „Es ist möglich, da das menschliche Gehirn fähig ist, sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen und durch Training verloren gegangene Funktionen wie beispiel- sweise Gehen und Sprechen wieder zu erlernen“, sagt Pinter. Das interdisziplinäre Team greift dabei auf unter- schiedliche Methoden des therapeutischen Trainings zurück, um kognitive und motorische Funktionen wieder- herzustellen. Unterstützt werden diese Maßnahmen durch die direkte, transkranielle Stimulation des Gehirns, funk- tionelle, elektrische Stimulation der Muskel im Bewegungsablauf, Gabe von Botulinumtoxin im Fall einer erhöhten Muskelspannung und Robotertechnologien.

Erfolgreich ist die Rehabilitation im LK Allentsteig deshalb, weil alle Professionen ihre Fachkompetenz einbringen und sich permanent innerhalb des Therapeutenteams austauschen. Stets dabei im Blick haben sie das Rehabilita- tionsziel, das sie mit dem Betroffenen vereinbart haben.


Gefühl der Begleitung

Eine wichtige Rolle in der Rehabilitation spielt die Pflege. Sie ist darum bemüht, die Ressourcen des Patienten zu aktivieren. Dafür schätzt sie zunächst ein, inwieweit der Patient fähig ist, alltägliche Aufgaben zu bewältigen oder mitwirkt, sie wieder zu erlernen. Wichtig dabei: „Wir vermitteln das Gefühl der Begleitung, nicht der Abhängigkeit“, sagt DGKP Beatrix Litschauer, Pflegerische Bereichsleiterin. Besonders wichtig dabei sei das Zwischenmenschliche: Die Pflegekräfte motivieren Patientinnen und Patienten und hören ihnen zu, wenn es um soziale, berufliche und per- sönliche Probleme geht. Viele Gespräche mit Angehörigen stehen außerdem auf dem Programm. Wenn Patienten nach der Rehabilitation nicht mehr selbstständig leben können, kümmert sich das Pflegepersonal bereits am Anfang der Reha gemeinsam mit dem Entlassungsmanagement um die weitere Betreuung und Unterbringung. Um die Men- schen bei ihrer Regeneration zu unterstützen, wendet die Pflege unter anderem basale Stimulation, kinästhetische Methoden, das NDT-Konzept, Aromatherapie und Validation an.

Die Freude an der täglichen Arbeit wird für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere durch die Wertschätzung ihrer Patienten verstärkt: „Wenn man kleine Schritte beobachten kann, etwa, dass sich ein Patient wieder die Zähne putzen kann, ist das sehr bewegend“, sagt Litschauer. Und Bancher fügt hinzu: „Bei der Visite auf sehr zufriedene Patienten zu treffen, die sich bedanken, bedeutet uns viel. Diese Dankbarkeit motiviert uns, täglich unser Bestes zu geben.“


Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 02/2020