DIGITAL HEALTHCARE

Spracherkennung im Klinikalltag

Spracherkennungs-Systeme und künstliche Intelligenz könnten die Abläufe

in den NÖ Kliniken künftig enorm erleichtern.

Erst die Kombination von Spracherkennung und künstlicher Intelligenz ermöglicht eine sinnvolle Anwendung.

fotoS: David Prokop, NLK Burchhart

So gut wie jeder kennt sie mittlerweile: digitale Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Cortana. Sie erkennen Spra- che nicht nur, sondern führen auch darauf aufbauende Befehle aus. Dieser Prozess der Sprachsteuerung soll künftig auch verstärkt Einzug in den Alltag der NÖ Landes- und Universitätskliniken halten. Im Klinikumfeld gibt es Spracherkennungssysteme bereits seit einigen Jahren, wobei deren Einsatzbereich bis dato auf möglichst spezifi- sche Wörter und leise Umgebungen beschränkt war. Diese Voraussetzungen erfüllten vor allem die Radiologie und die Pathologie.

Inzwischen hat sich die Technologie, auch durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, aber stark verbessert. Das zeigte auch ein Besuch der Abteilung Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bei der DMEA, der größten Gesundheits-IT-Messe in Europa. Dort wurde ein Entlassungsbrief nach kurzer Einarbeitung nahezu fehler- frei geschrieben – und das unter extrem lauten Umgebungsgeräuschen. Während es vor 20 Jahren bei standardi- sierten Testverfahren noch Fehlerraten von durchschnittlich 43 Prozent gab, bewegt sich die Fehlerrate mittlerweile unter fünf Prozent, wo sogar Profis kaum mehr mithalten können. Die Spracherkennung allein garantiert allerdings nicht, dass auch der Sinn hinter dem Gesagten verstanden wird. Erst die Kombination von Spracherkennung und künstlicher Intelligenz ermöglicht eine sinnvolle Anwendung.


Herausforderungen meistern

Spracherkennung versucht, das Gesprochene zu verschriftlichen. Schwierig wird das bei einem ausgeprägten Dialekt oder Akzent oder wenn undeutlich gesprochen wird. Auch Umgebungslärm und die Qualität der Eingabe- geräte oder Mikrofone können das Ergebnis entscheidend beeinflussen. Für einen effizienten Einsatz muss man beispielsweise wissen, dass man „Komma“ oder „Beistrich“ aktiv sagen muss, damit dieses Satzzeichen im Text erscheint. Denn noch werden Satzzeichen nicht von allein erkannt. Je spezifischer Wortschätze sind und je mehr sich diese an Mustern orientieren, desto besser funktioniert die Spracherkennung. Am schwierigsten ist sie, wenn es sich um einen sehr allgemeinen, breiten Wortschatz handelt, der keinem definierten Muster folgt (zum Beispiel Lyrik).


Ziele für die Zukunft

In den kommenden Jahren soll die Spracherkennung auch in die Abläufe der NÖ Kliniken integriert werden. Die NÖ Landeskliniken-Holding plant, diese im Zuge des harmonisierten NÖ Krankenhausinformationssystems NÖKIS einzuführen. Eine Expertengruppe testet das mit NÖKIS geplante Spracherkennungssystem auf Alltagstauglichkeit und berät über eine möglichst optimale Integration unter Einhaltung der erforderlichen rechtlichen Grundlagen und der Wahrung der Privatsphäre. In der Praxis könnte der Einsatz von Spracherkennungs- und Sprachsteue-

rungs-Systemen zum Beispiel so aussehen:

nEin Befund wird mittels Spracherkennung geschrieben, dadurch können Patientinnen und Patienten rund um die Uhr mit einem fertigen Befund nach Hause gehen, mehrfaches Durchwälzen eines halbfertigen Befundes entfällt.

nDas Patientengespräch in einer Ambulanz wird (nach Einwilligung des Patienten) mitver- folgt. Basierend auf erkannten Signalwörtern werden automatisiert Anordnungen, Zuwei- sungen oder zu dokumentierende Leistungen vorgeschlagen, die schnell angepasst und übernommen werden können.

nBasierend auf Sprachbefehlen können Befunde geöffnet werden oder eine Medikation an- geordnet werden.


Michaela Neubauer

erschienen in WIR INTERN 05/2019