ONKOLOGIE

Hoffnung für die Zukunft

Rund 7.500 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher erkranken jährlich

an Krebs. Die NÖ-Kliniken geben ihren Patienten mit onkologischer Spitzenmedizin neue Hoffnung.

(v.l.) Prim. Assoc. Prof. Dr. Martin Wiesholzer (Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1, UK St. Pölten), Dr. Silvia Bodi, stv. GF der NÖ Landeskliniken-Holding, Prim. Dr. Martina Metz (Leiterin der Strahlentherapie und Radioonkologie, LK Wiener Neustadt), LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf, Prim. Assoc. Prof. Dr. Anton Staudenherz (Leiter des Klinischen Instituts für Nuklearmedizin, molekulare Bildgebung und spezielle Endokrinologie, UK St. Pölten), Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger und Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer (Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 2, UK Krems)

Die Diagnose Krebs stellt Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige vor eine große Herausforderung. In Niederösterreich arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landes- und Universitätskliniken seit Jahren dar- an, die Behandlungen bei onkologischen Erkrankungen voran zu treiben. Mit Erfolg: Österreich ist an der EU-Spitze bei den Überlebensraten. Rund 61 Prozent der Betroffenen leben länger als fünf Jahre. Ein wichtiger Baustein für eine zukunftsweisende Krebstherapie sei das Wissen der Medizinerinnen und Mediziner, sagt Prim. Assoc. Prof. Dr. Martin Wiesholzer, Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1 am Universitätsklinikum St. Pölten: „In der Krebstherapie kommt es nicht auf die Leistung des Einzelnen an, sondern auf ein Netzwerk, das nach internationa- len und transparenten Richtlinien arbeitet. Alle diagnostischen und therapeutischen Schritte werden dokumentiert. Außerdem analysieren wir jeden einzelnen Tumor ganz genau, um eine spezifische Behandlung zu generieren.“

Das medizinische Know-How wird durch technische und digitale Methoden von der NÖ Landeskliniken-Holding un- terstützt. Hierzu zählt allen voran das „NÖ Onkologie-Informations-System“, kurz OIS. Dieses erfasst die gesamte Krankheitsgeschichte von Krebspatienten in einem strukturierten System. Damit stehen allen behandelnden Ärztin- nen und Ärzten in allen Kliniken jederzeit die gleichen Informationen zum Krankheits- und Behandlungsverlauf zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil: Die Patientensicherheit erhöht sich, denn die behandelnde Ärztin oder der behan- delnde Arzt hat Einsicht in alle Befunde, wodurch kein Detail übersehen werden kann. Seit Ende 2018 sind alle nie- derösterreichischen Kliniken an das OIS angeschlossen. Das System ist ein Alleinstellungsmerkmal für Niederös- terreich und auch einzigartig im deutschsprachigen Raum. Durch die lückenlose Dokumentation bietet das OIS wis- senschaftlich wertvolle Daten zur Wirksamkeit der verschiedenen Krebstherapien und somit ein enormes For- schungs- und Lernmaterial.

Eine weitere Neuerung für die onkologische Versorgung in den NÖ Kliniken sind Handbücher zur Diagnostik, The- rapie und Nachsorge bei unterschiedlichen Krebsarten (siehe WIR INTERN 04/19). Das Handbuch zum Thema Darmkrebs ist das erste von insgesamt 58, die nach und nach für alle weiteren Tumorerkrankungen erstellt werden.


Therapie im eigenen Bundesland

Am Universitätsklinikum St. Pölten ist es seit Mitte des Jahres möglich, körpereigene Knochenmark-Stammzellen zu transplantieren. Angewendet wird das Verfahren vor allem bei Erkrankungen des Knochenmarks sowie bei be- stimmten Formen von Lymphdrüsenkrebs und soliden Tumoren. Damit können Patientinnen und Patienten im eige- nen Bundesland behandelt werden. In den beiden Stammzellen-Transplantationseinheiten wird durch eine Reihe von Maßnahmen, wie spezielle Luftfilter, die Infektionsgefahr der Patienten in der kritischen Phase minimiert.

Auch im Bereich der Strahlenmedizin ist Niederösterreich gut aufgestellt. Prim. Dr. Martina Metz ist Leiterin der Strahlentherapie und Radioonkologie-Ambulanz im LK Wiener Neustadt. „Aktuell gibt es drei Linearbeschleuniger im Universitätsklinikum Krems und drei im Landesklinikum Wiener Neustadt. In Krems gehen in den nächsten Jah- ren zusätzlich drei weitere Geräte in Betrieb “, erklärt Metz. Dazu wies sie auch auf die gute Kooperation mit Med- Austron in Wiener Neustadt hin. Das international bedeutende  Krebsbehandlungs- und Forschungszentrum bietet seit Juli auch die Behandlung mit Kohlenstoff-Ionen an.

Mit diesen Fortschritten in der Onkologie gewinnt der Standort Niederösterreich nicht nur an Attraktivität für Jung- medizinerinnen und -mediziner. Auch Patientinnen und Patienten können sich in einer schwierigen Lebenssituation in sicheren Händen wissen, meint LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf: „Eine Krebserkrankung, die vor einigen Jahren ein Todesurteil war, kann heute noch jahrelang behandelt oder sogar austherapiert werden.“

erschienen in WIR INTERN 06/2019