ABTEILUNG

Klare Sicht

Das Team der Abteilung für Augenheilkunde im Landesklinikum Horn führt nicht nur die meisten Katarakt-Operationen in Niederösterreich durch, sondern kümmert sich auch um die verschiedensten Erkrankungen am Auge.

Die Abteilung für Augenheilkunde im LK Horn: 1. Reihe (v.l.): DGKP Inge Kraft, DGKP Astrid Pavlicek, Alexandra Schmied (Pflegeassistenz), DGKP Romana Androsch, Denise Gindl (Sekretariat), DGKP Karin Rößler, DGKP STL Birgit Schmid und DGKP Elisabeth Fasching; 2. Reihe (v.l.): OA Dr Michael Pascher, Prim. Dr. Andreas Kölbl und OA Dr. David Frischauf

Sie ist der verlängerte Arm des Augenarztes: Die Abteilung für Augenheilkunde im Landesklinikum Horn. Immer mehr ältere Menschen kommen in die Abteilung, um sich Erkrankungen wie den Grauen oder den Grünen Star chir- urgisch korrigieren zu lassen. Aber auch Netzhautoperationen, verschiedenste Eingriffe am Lid und Verletzungen oder Tumore an den Augen behandelt das Team der Horner Augenheilkunde.


Sehr große Erfolgsrate

99 Prozent der Patientinnen und Patienten der Augenheilkunde gelten nach der Behandlung als geheilt – eine Er- folgsrate, die sich sehen lassen kann. Dem kleinen, familiären Team der Abteilung steht Prim. Dr. Andreas Kölbl be- vor. Sein „Faible für zarte Sachen“ führte ihn zur Augenheilkunde. Seit 1987 ist der Mediziner am Klinikum Horn tä- tig, die Abteilung leitet er seit Juni 2017. Eine Vielzahl der Patienten kommt auf die Horner Augenheilkunde, um sich einer Katarakt-Operation – umgangssprachlich der Graue Star – zu unterziehen. Zur Voruntersuchung kom- men die vorwiegend älteren Patienten in die Ambulanz der Abteilung. Sie werden vom Augenarzt in das Klinikum verwiesen und können im Vorfeld online einen Termin für die Untersuchung vereinbaren. Dort können sie auch die Anamnese und die verordneten Medikamente eintragen. Vor Ort bespricht der Arzt oder die Ärztin mit dem Patien- ten dann, wie die Operation abläuft, erklärt mögliche Komplikationen und berechnet die Kunstlinse. In die Ambulanz kommen aber auch Patienten mit verschiedenen anderen Augen-Erkrankungen. Nach der Untersuchung entschei- det der zuständige Arzt, ob der Patient weiter bei seinem Augenarzt behandelt werden kann, ob er so manche The- rapie auch zuhause anwenden kann oder ob er für einen chirurgischen Eingriff erneut in das Klinikum kommen muss.


Verschiedene Operationen

Eine Woche nach dem Termin in der Ambulanz kommen Katarakt-Patienten zur geplanten Operation. Manchmal werden beide Augen auf einmal korrigiert, meist aber zuerst ein Auge, eine Woche später dann das zweite Auge: „Das hat psychische Gründe. Beide Augen gleichzeitig zu operieren, stellt für viele Patienten eine Herausforderung dar“, sagt Kölbl. Patienten, die an Grünem Star leiden, werden meist sehr rasch operiert, denn bei dieser Erkran- kung spielt die Zeit eine große Rolle: Da der Druck auf den Sehnerv zu hoch ist, sterben täglich Nerven ab. Zu den weiteren chirurgischen Aufgaben des Teams zählen außerdem die Netzhautchirurgie bei Netzhautablösung, Verän- derungen der Netzhaut-Struktur oder Lid-Operationen. Am Lid werden beispielsweise Tumore entfernt oder das Lid wird gestrafft. An der Hornhaut behandelt das Team Entzündungen und Verletzungen oder nimmt eine Hornhaut- transplantation vor. Der Großteil der Patienten wird tagesklinisch operiert und verlässt das Klinikum am selben Tag wieder. Patienten, die bei Grünem Star, an der Netzhaut und bei Tumoren operiert werden, werden jedoch stationär aufgenommen. Primar Kölbl lobt sein Team, das die meisten Katarakte in Niederösterreich operiert: „Dem Engage- ment und dem Eifer aller Mitarbeiter ist zu verdanken, dass alles funktioniert.“


Therapie & Pflege

Gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten kümmern sich die Pflegekräfte um die Patienten. In der Tagesklinik wer- den die Patienten aufgenommen und für die Operation vorbereitet. Dafür tropft das Pflegepersonal die Pupillen ein, hilft teilweise beim Umziehen und teilt die Liegen zu. Die lokale Betäubung nimmt teilweise ebenfalls die Pflege vor. Nach der Operation verbringen die Menschen noch eine Stunde auf der Liege, ehe sie abgeholt werden. Die Pflege bereitet Rezepte und Entlassungspapiere vor und organisiert den Transport. Die vielen Katarakt-Patienten kommen gestaffelt zu ihren OP-Terminen – auch dafür sorgt das Team rund um Stationsleitung DGKP Birgit Schmid. Sie hat ebenfalls seit 2017 die pflegerische Leitung der Abteilung inne. Auch auf der Station hat das Pflegeteam jede Men- ge zu tun: Bei der zeitlich festgelegten „Tropfrunde“ erhalten die Patienten eine Tropftherapie. Bei Patienten, die mit Grünem Star auf die Station kommen, misst das Personal den Augendruck und beobachtet, wie sich dieser entwickelt.


Menschenkenntnis ist gefragt

Daneben kümmern sich Schmid und ihre Kolleginnen und Kollegen auch um die normalen Bedürfnisse der Patien- ten, etwa beim Waschen oder dem Gang zum WC, da die Patienten oft zu wenig sehen. Auch den Weg zur ge- meinsamen Visite in einem Untersuchungsraum gehen die Patienten gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mit- arbeitern. Ebenfalls in den Einsatzbereich der Pflegekräfte fällt die Ambulanz. Zwischen 50 und 100 Menschen kommen am Vormittag zur Untersuchung. Das Team der Station unterstützt beispielsweise beim Darstellen des Au- genhintergrundes, beim Ultraschall oder in der Sehschule. Am Nachmittag kommen dann Notfälle in die Ambulanz. Bei der intravitrealen, operativen Medikamentengabe, die etwa bei Verkalkungen im Auge angewendet wird, unter- stützt die Pflege ebenfalls. Gleichzeitig bereitet sie den Patienten für die Untersuchung vor und reinigt die Geräte. Durch den hohen Anteil an Tagesklinik-Patienten muss sich das Team von Birgit Schmid immer schneller auf die Menschen einstellen – dafür, sagt die erfahrene Pflegekraft, braucht es eine gute Menschenkenntnis und eine ra- sche Auffassungsgabe. Für Primar Kölbl und Stationsleitung Schmid ist die Augenheilkunde ein „sehr schönes Fach“. Die sehr hohe Erfolgsrate sei für die Psyche befriedigend, fügt Kölbl hinzu. Der schönste Moment ist für den Mediziner und die diplomierte Pflegekraft derselbe: Nämlich dann, wenn dem Patienten der Verband abgenommen wird und er wieder sehen kann.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 03/2019