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INNOVATIONSRICHTLINIE

Medizinische Innovationen

Die Medizinische Innovationsrichtlinie unterstützt die NÖ Landeskliniken-Holding bei Entscheidungen über die Einführung neuer Medikamente, Medizinprodukte und Medizintechnik.

Weltweit forschen Menschen in Universitäten, Kliniken und Unternehmen an neuen Medika- menten und Medizinprodukten, um Patientinnen und Patienten noch besser helfen zu kön- nen. In diese Forschungen fließt viel Geld und viel Wissen. So kommen Jahr für Jahr neue Medikamente und Produkte auf den Markt, die teilweise auch enorm teuer sind.

In der klinischen Praxis stellt sich dann die Frage: Ist es medizinisch und wirtschaftlich an- gezeigt und auch gegenüber dem Steuerzahler verantwortbar, diese Innovation einzusetzen?

Leitfaden für eine Antwort ist die Richtlinie „Einführung, Beschaffung und Anwendung von neuen Produkten in der NÖ Landeskliniken-Holding“ für Arzneimittel, Medizinprodukte (me- dizinische und pflegerische Ge- und Verbrauchsmaterialien) und medizintechnische Geräte.

Denn nicht jedes neue Produkt bringt automatisch einen medizinischen/technologischen Fortschritt mit sich – dieser ist erst bei einem nachweislich höheren Nutzen für den Patien- ten gegeben, wenn es zum Beispiel schneller oder besser wirkt beziehungsweise sicherer ist.


Gemeinsam beraten

Geht es um Entscheidungen, bei der die Richtlinie zum Einsatz kommt, beraten im Innovati- onsboard die zuständigen Expertinnen und Experten interdisziplinär. Dieses Gremium ist zuständig, wenn es um hochpreisige Produkte und Medikamente geht.

Die stellvertretende Medizinische Geschäftsführerin Dr. Silvia Bodi legt Wert darauf, dass dabei folgende Kriterien angewendet werden:

-Goldstandard: Die neuen medizinischen Verfahren bzw. Produkte müssen einen besse- ren Outcome als der Goldstandard (aktuell gültiges Referenzmaß) generieren.

-Zugelassene Medikamente: Es werden im Innovationsboard nur Medikamente mit Zulas- sung behandelt.

-Evidenzlage: Die im Board getroffenen Entscheidungen bauen auf der vorliegenden Evi- denzlage auf.

Der Bewertungsprozess erfolgt in fünf Stufen:

-Bekanntwerden eines neuen Produkts/Artikels (dezentral oder zentral)

-Prüfung der Artikel-Einmeldung durch den Zentralen Einkauf

-Termin, Datenprüfung, Vorbereitung der Beschlussfassung durch ein Mitglied des Inter- disziplinären Gremiums

-Beschlussfassung des Interdisziplinären Gremiums

-Testung bzw. Studie zur Nutzung durch den Zentralen Einkauf, den Bedarfsträger, den Bereich Medizin, Ärzteausbildung, Wissenschaft und Forschung


Intensive Zusammenarbeit

Für den Zentralen Einkauf ist die Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Beschaffungspro- zess seit mehr als zehn Jahren gelebte Praxis. Dabei fließt ein breites Spektrum an unter- schiedlichen Interessen und Anforderungen wie Patientennutzen und -sicherheit sowie wirt- schaftliche Überlegungen in den Entscheidungs- und Beschaffungsprozess ein. „Diese in- tensive Zusammenarbeit schafft mehr Qualität, Effizienz und Transparenz im Einkauf“, sagt Dipl. KH-Bw. Andrea Krug, MBA, Lead Buyer und Fachgruppenkoordinatorin in der Abtei- lung Einkauf. „Die medizinische Innovationsrichtlinie dient dazu, den medizinischen/pflege- rischen Fortschritt, beziehungsweise die sogenannte ‚Produktinnovation‘ in einem objekti- vierten und standardisierten Entscheidungsprozess nach dem tatsächlichen ‚Mehrwert‘ zu beurteilen.“

In der Richtlinie heißt es: „Grundvoraussetzung für die Aufnahme eines neuen Produkts in den Warenbestand ist daher insbesondere eine kumulierte Beurteilung von Patienten- und Anwendernutzen und Zweckmäßigkeit. Die Entscheidung über die Einführung neuer Pro- dukte wird dabei immer unter Berücksichtigung aller Aspekte getroffen.“

erschienen in WIR INTERN 05/2019