DIGITAL HEALTHCARE

Prozesse erleichtern

Eine neue digitale Lösung erleichtert Wareneingänge und die Versorgung der Stationen mit Verbrauchsgütern in den Kliniken des nördlichen Niederösterreichs. So werden Papiermengen reduziert und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet.

Robuste Datenerfassungsgeräte in der Größe eines Mobiltelefons unterstützen die Anwenderinnen und Anwender bei der sicheren Abwicklung der Logistikprozesse.

Robuste Datenerfassungsgeräte in der Größe eines Mobiltelefons unterstützen die Anwenderinnen und Anwender bei der sicheren Abwicklung der Logistikprozesse.

(v.l.) Gernot Zeitlinger, NÖ Landeskliniken Holding, Diana Graupmann, LK Klosterneuburg, Bettina Maierhofer, LK Hollabrunn, Dir. Dipl. KH-BW Margit Pröglhöf, LK Hollabrunn, Michaela Resinger, LK Hollabrunn, Janine Ott, LK Horn, Andrea Weissensteiner, CGM und Markus Summerer, LK Hollabrunn

fotoS: Imre Antal

Seit Februar 2019 gelten für alle, die in der Europäischen Union Medikamente abgeben, die Vorschriften der Arzneimittelfälschungsrichtlinie. Diese sieht vor, dass europaweit ein Überprü- fungsprogramm mit standardisierten Sicherheitsmerkmalen auf Verpackungen zum Einsatz kommt. Die Einzelverpackung vieler Arzneimittel muss mit einer eindeutigen Seriennummer ge- kennzeichnet sein. Um die Echtheit der Arzneimittel zu überprüfen, wird  ein 2D-

Data-Matrix-Barcode eingescannt, den der Hersteller auf jeder Medikamentenpackung anbringt. Die gescannten Daten werden anschließend mit Informationen verglichen, die in einem nationa- len System gespeichert werden. So kann ausgeschlossen werden, dass es sich um ein ge- fälschtes Medikament handelt.

Die NÖ Landeskliniken-Holding erkannte in diesen Scannern einen Nutzen, der über den Ein- satz für die Arzneimittelfälschungsrichtlinie hinaus ging. So wurde beschlossen, die Scanner in einigen Kliniken auch für Wareneingänge und Kommissionierungen (Prüfung von Bestellvorgän- gen) des täglichen Bedarfs zu nutzen. Gernot Zeitlinger, zuständig für kaufmännische IT-Ser- vices in der NÖ Landeskliniken-Holding, setzte hier an und gab im Februar 2019 den Start- schuss für ein Pilotprojekt: In den drei Kliniken Hollabrunn, Klosterneuburg und Horn wurden die Scanner fünf Monate lang getestet, um die Wareneingänge und Ausbuchungen aus den La- gern elektronisch zu erfassen und zu dokumentieren. Das Unternehmen CompuGroup Medical sorgte im Hintergrund für eine SAP-basierte Software, die über die Scanner zu bedienen ist. Als Ziele des Projekts definiert Zeitlinger:


-Papierreduktion in den Lagern der Kliniken

-Personal durch entsprechende technische Lösung entlasten

-Chancen der Digitalisierung adäquat nutzen

-Sicherheit und Effizienz verbessern

-Logistik stärker in den Fokus rücken – denn sie trägt wesentlich dazu bei, dass die Patienten- versorgung reibungslos ablaufen kann


Minimaler Aufwand

Markus Summerer ist IT-Koordinator im Landesklinikum Hollabrunn und betreute das Pilotpro- jekt vor Ort. „Von der IT-Seite verlief die Einbindung der Scanner einwandfrei. Die einzige Vor- aussetzung ist eine gute WLAN-Anbindung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Software nicht nur auf mobilen Handscannern läuft, sondern man sie auch auf jedem PC-Arbeitsplatz über einen Link abrufen kann“, sagt Summerer. Bislang sind pro Klinikum zwei bis drei Scanner ganztägig im Einsatz. Der Akku hält etwa 1,5 Tage.


Gutes Feedback

Die Testkandidatinnen der Pilotinstallation sind sich bei der Abschlussbesprechung einig: Die Scanner erleichtern ihre täglichen Aufgaben, die Anwendung verläuft nahezu reibungslos. In je- dem der drei Klinikstandorte fand zu Beginn des Projekts eine Einschulung und Informations- runde statt. Nach der Inbetriebnahme der Pilotstandorte wurden gemeinsam die Funktionen evaluiert. Dabei wurden bereits auch weitere Wünsche der Anwenderinnen für zusätzliche Funktionen eingebracht. Diese gewünschten Erweiterungen sollen, nach der Ausrollung dieser Anwendungen mit den weiteren Standorten, die die mobilen Anwendungen ebenfalls nützen wollen,  nochmals abgestimmt werden.


„Der Input, den wir von unseren Testerinnen bekommen haben, ist sehr wertvoll. In Zukunft wol- len wir diese mobilen Anwendungen auch auf die restlichen Kliniken im Wald- und Weinviertel ausrollen“, sagt Zeitlinger. Im ersten und zweiten Quartal 2020 werden die weiteren Schritte mit den anderen Kliniken geplant.

Auch andere Bereiche, wie die Inventur/Anlageninventur könnten künftig von der digitalen Lö- sung profitieren. Und nicht nur das: Denkbar wären etwa 900.000 Buchungspositionen pro Jahr, die derzeit in dieser Region noch auf Papier abgewickelt werden, sagt Zeitlinger. Scanner könn- ten also ein wichtiger Schritt in Richtung papierloses Klinikum sein.


Michaela Neubauer

erschienen in WIR INTERN 06/2019