LANDESGESUNDHEITSAGENTUR

Beste Versorgung sichern

Die Landesgesundheitsagentur führt die NÖ Kliniken und Heime zusammen. Sie nimmt nun Schritt für Schritt mehr Gestalt an.

foto: NLK Filzwieser

Wenn man etwas möglich machen möchte, muss man manchmal Unmögliches möglich machen“, sagt Projektleiter Filip Deimel.

Eine 84-jährige Bewohnerin eines Landespflegeheimes wird ins Landesklinikum gebracht. In die Daten über ihre Pflege in den letzten Monaten kann die diensthabende Ärztin sofort einsehen und sich so rasch einen Überblick verschaffen. Die kleine Behandlung ist bald erledigt, nach einer Nacht im Klinikum liegt die Dame wieder im ge- wohnten Bett in ihrem Pflegeheim. Das Team dort sieht im Computer sofort alle Pflegeanweisungen und kann mit den gleichen Medikamenten und dem gleichen Verbandsmaterial weiterarbeiten.


Nahtstellen statt Schnittstellen

Dieses Szenario könnte bald Wirklichkeit werden: Mit der von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beauftragten Umgestaltung des Gesundheits- und Pflegewesens hin zur NÖ Landesgesundheitsagentur. Der gemeinsame Ein- kauf von Medikamenten und Pflegeprodukten würde dann landesweit und über alle Produktgruppen hinweg funktio- nieren, teilweise gibt es die gemeinsame Beschaffung schon. Gemeinsame IT-Lösungen würden die Übergabe von Patientinnen und Patienten vom Heim ins Klinikum oder vom Klinikum ins Heim deutlich erleichtern, zum Beispiel, wenn nach einer Operation Übergangspflege nötig ist, die auch ein Pflegeheim leisten kann.


Intensive Vorarbeiten laufen

Bereits seit Wochen arbeiten diverse Gremien und das Leitungsteam für die NÖ Landesgesundheitsagentur unter wHR Mag. Filip Deimel intensiv an der Neuorganisation. 27 Kliniken-Standorte werden mit den 50 Pflegezentren zu- sammengeführt. In den dann 77 Standorten mit rund 13.600 Betten arbeiten 26.850 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – sowie fast 1.600 Ehrenamtliche. „Uns geht es bei diesem Zusammenführen nicht ums Sparen im System, sondern darum, Synergien zu nutzen und die budgetären Mittel und die

Mitarbeiter optimal einzusetzen“, erklärt Deimel.


Nötiger nächster Schritt

Es ist ein spannender Prozess, 14 Jahre nach der Gründung der NÖ Landeskliniken-Holding: Damals entstand aus 27 sehr unterschiedlichen Kliniken (nur sechs davon waren schon unter dem Dach des NÖGUS) ein gemeinsamer Träger: Die NÖ Landeskliniken-Holding setzte zahlreiche Maßnahmen, die die Gesundheitsversorgung der Bevöl- kerung gezielt steuert und lenkt. So gab es zum Beispiel von Beginn an die Patientenbefragung (siehe Seite 16). Die Holding startete mit dem Aufbau eines systematischen Risiko-Managements und setzte in allen Kliniken Entlas- sungsmanager und Ombudsleute ein. Aus der Qualitätssicherung aus Routinedaten entstand A-IQI für ganz Öster- reich, ein Messsystem für die Behandlungsqualität an den einzelnen Standorten. Gemeinsamer Einkauf und ge- meinsame IT-Lösungen gehören ebenso zu den für die Zukunft wichtigen Neuerungen der Landeskliniken-Holding wie der Bildungskatalog und die Führungskräfteentwicklung oder das Onkologische Informationssystem (OIS).


Rechtliche Grundlagen

Mit der NÖ Landesgesundheitsagentur entsteht nun eine neue Steuerung der NÖ Kliniken, gemeinsam mit den Pflege- und Betreuungszentren des Landes. Für diese „Anstalt öffentlichen Rechts“ wird derzeit die rechtliche Grundlage erarbeitet – ein ganzes Bündel an Rechtsmaterien fließt hier zusammen, wie Aktienrecht, Öffentliches Recht und Gesellschaftsrecht. Schon im Herbst soll der Landtag die zahlreichen neuen Rechtsvorschriften diskutie- ren und beschließen.


Neue Gremien entstehen

Und so sieht die neue Struktur aus: Die Landesregierung bestellt den Aufsichtsrat der NÖ Landesgesundheitsagen- tur. Dieser trifft Leistungsvereinbarungen mit dem Vorstand der NÖ Landesgesundheitsagentur: Der Vorstand be- kommt strategische und finanzielle Aufträge, Wünsche und Ziele, die er zu erfüllen hat. Beratende Funktion hat der Beirat, in dem zum Beispiel die Sozialversicherungen vertreten sein sollen oder andere Stakeholder, wie die Ärztekammer.


Pflege und Medizin im Gleichklang

Die Gremien des Vorstands der NÖ Landesgesundheitsagentur sind die Direktion Medizin & Pflege und der Vor- standsbereich, sowie die Organisationsgesellschaften für die fünf eigenständigen Gesundheitsregionen. Hinzu kommen die Querschnitts-Materien: die Beteiligungs-GmbH, die Personalverwaltung und die Service-GmbH (IT, Einkauf, Facility Management, Medizintechnik, Logistik etc.) Diese (in der Grafik im blauen Kasten aufgelisteten) Einheiten sind für die operative Umsetzung für alle Kliniken und Heime in den Gesundheitsregionen zuständig.


Personalagenden

Mit der NÖ Landesgesundheitsagentur gibt die Landeshauptfrau, vertreten durch die derzeitig zuständige Abteilung LAD2-B, sämtliche Personalagenden an die neue Personalverwaltung ab – das Einstellen neuer Mitarbeitender, die Bewertung von Leistungen, die Bezahlung sowie das Recht, Sondervereinbarungen zu treffen, zum Beispiel um be- sondere Leistungen entsprechend zu vergüten oder bei Personalmangel in einzelnen Fächern mit entsprechender Bezahlung Bewerber an die Häuser zu holen. Die Dienstprüfungsverordnung wird speziell für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NÖ Landesgesundheitsagentur neu geregelt – hier geht es darum, welches Wissen in den Kliniken überhaupt gebraucht wird.


Der Vorstand

Der Vorstand der NÖ Landesgesundheitsagentur ist zuständig für das strategische, gesamtverantwortliche Denken. Die Positionen in diesem wichtigsten Gremium, in dem alle Agenden gebündelt sind, werden ausgeschrieben und dann die geeignetsten Bewerber bestellt. Zum Vorstand gehören die auch bisher in der Holding so oder ähnlich vor- handenen Abteilungen Finanzen & Controlling, Recht, Personal & Organisation. Dazu kommt die Abteilung For- schung, Innovation & Prävention, „damit wir für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet sind.“ In den Kliniken gibt es viele Ärztinnen und Ärzte, aber auch Pflegekräfte, die daran interessiert sind zu forschen. „Wissen ist ein wesentlicher Faktor für das Bewältigen künftiger Herausforderungen“, sagt Filip Deimel. Die Bereiche Revision und Kommunikation sind künftig Stabstellen direkt beim Vorstand.


Direktion Medizin & Pflege

Die Direktion Medizin und Pflege ist für die medizinischen und pflegerischen Themenfelder der Kliniken und Heime zuständig. Diese Direktion ist für alle Standards und Prozesse in den Bereichen Medizin und Pflege sowie der nicht- ärztlichen Gesundheitsberufe zuständig, für Ausbildungs-Fragen ebenso wie für die längerfristigen Planungen der Versorgung. Damit werden alle medizinischen Agenden gebündelt, die nicht direkt in den Kliniken zu leisten sind, und ebenso alle pflegerischen Agenden – ob in der Akut- oder der Langzeitpflege.


Gewaltiger Reformprozess

Nicht nur einige neue Gesetze entstehen, wie das Landesgesetz für die NÖ Landesgesundheitsagentur oder das neue Landessanitätsgesetz. Die Neuordnung der Gesundheitsagenden bringt auch für das Amt der NÖ Landesre- gierung einen gewaltigen Reformprozess mit sich; einige Abteilungen werden anders aufgestellt, die GS7 oder die LAD2-B gehen in die neu zu schaffenden Strukturen über. Das gesamte Bauwesen der Kliniken und Heime kommt dafür ins Amt der NÖ Landesregierung, wo es von den dortigen Prozessmanagern übernommen wird. Zahlreiche Menschen sind in den diversen Entwicklungsgruppen mit den Neuregelungen in legistischen und organisatorischen Bereichen befasst. Das Ziel ist klar: Der nächste Meilenstein in der Gesundheitsversorgung in NÖ soll 15 Jahre nach Gründung der Landeskliniken-Holding stehen und den Rahmen für die Gesundheitsversorgung der Zukunft setzen. Der Zeitplan ist straff, denn mit 2020 soll die Landesgesundheitsagentur die Arbeit aufnehme.


Riki Ritter-Börner

Der Fahrplan


Start der sechswöchigen Begutachtung der Sammelgesetze: Sommer 2019

Bewertung Begutachtung: September 2019

Parlamentarisches Verfahren: Herbst 2019

Inkrafttreten: Anfang 2020

Gemeinsamer Betrieb mit Übergangsfristen: ab Sommer 2020

erschienen in WIR INTERN 03/2019