KAMPAGNE

(Pflege)Heldin von morgen

Tapeziererin, Versicherungskauffrau oder Kellnerin: Daniela Binder aus St. Johann/Engstetten ist Roll Model für die Pflegekampagne der NÖ Landeskliniken-Holding.

foto S: david prokop

2016 kehrt Daniela Binder ein letztes Mal zurück in ihren Heimatort St. Johann/Engstetten. Sie packt ihre Sachen zusammen, um danach endgültig in die Schweiz auszuwandern und den Saisonbetrieb eines Hotels zu leiten. Wäh- rend die 29-jährige zuhause ist, bekommt ihre Großmutter einen Herzinfarkt. Daniela reanimiert sie und verbringt die nächsten zwei Tage viel Zeit auf der Intensivstation des Landesklinikums Waidhofen/Ybbs. Trotz bester medizi- nischer Versorgung verstirbt ihre Großmutter. Daniela ist berührt davon, wie aufopfernd sich das

Pflegepersonal um ihre Großmutter kümmert und wie es sich Zeit nimmt, ihr als Angehörige alles zu erklären. In diesem Moment weiß sie: Das möchte sie auch machen.


Sprung ins kalte Wasser

Dass die quirlige, junge Frau eines Tages in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Mauer landen wür- de, daran denkt Daniela all die Jahre davor nicht. Nach der Schule absolviert sie eine Lehre zur Tapeziererin und Dekorateurin in Amstetten, legt  die Prüfung zur  Versicherungskauffrau ab, arbeitet am Fließband eines großen Au- tomobilherstellers und geht in die Schweiz, um dort zu kellnern. Daniela baut den Saisonbetrieb auf und möchte in der Schweiz endgültig sesshaft werden. Bis ihre Großmutter mit 65 Jahren den Herzinfarkt erleidet und verstirbt.


Ein Neustart

Daniela zieht wieder zuhause ein. Durch Zufall landet sie auf der Homepage der Landeskliniken-Holding. Sie be- wirbt sich und besteht den Computertest und das Assessmentcenter, wird aufgenommen und fängt mit ihrer Ausbil- dung an. Das war vor drei Jahren. Für Daniela ist es besonders schön zu sehen, dass ihre Arbeit Früchte trägt: „Ich habe in der Erfahrung mit einer Patientin gesehen, dass man wirklich etwas bewirken kann, wenn man sich Zeit nimmt. Die Patientin hat sich am Ende des Praktikums bei mir bedankt – das hat mir so viel gegeben.“ Das Gefühl, etwas Gutes tun zu können, hat Daniela auch bei ihren Praktika auf der Psychiatrie. „Unsere Ausbildung ist deswe- gen so super, weil der Mensch im Mittelpunkt steht. Wir fördern die gesunden Anteile des Menschen und betrach- ten das Umfeld des Patienten.“ Auch den Schülerinnen und Schülern selbst werde viel mitgegeben, sagt die Most- viertlerin. Sie lernen unter anderem, wie man Psychohygiene betreibt, um gut auf sich selbst zu achten.


Täglich neue Herausforderungen

In der neuen Imagekampagne „Pflege-Helden“ zählt Daniela gemeinsam mit einem Mitarbeiter aus Wiener Neu- stadt und einer Lehrerin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule St. Pölten zu den Protagonisten eines Imagefil- mes. Als Klassensprecher-Stellvertreterin wird sie bei einer Sitzung darüber informiert, dass Protagonisten für ein Video gesucht werden. Ihre Standortleiterin bekräftigt sie, mitzumachen und Daniela schickt ein Bewerbungsvideo ab. Nach einem Casting bekommt sie die Info, dass sie auserwählt wurde. Zwei Tage lang begleitet ein Filmteam Daniela. Einen Tag lang steht das Privatleben der 29-jährigen im Mittelpunkt – beim Plaudern auf der Holzbank un- ter dem Birnenbaum, beim Inlineskaten an der Donau oder beim abendlichen Grillen mit Freunden an der Ybbs. Am nächsten Tag begleitet die Kamera Daniela dann bei ihrer Tätigkeit im Landesklinikum Mauer.

Die Pflegekampagne selbst findet die Mostviertlerin gut: „Das ist wichtig, denn wir brauchen kompetente Leute. Mehr denn je.“ Über den Begriff „Helden“ unterhält sich Daniela mit einem Patienten: „Ich habe uns nicht so

gesehen. Der Patient meinte aber, dass er uns schon als Helden sieht. Und irgendwie finde ich den Begriff doch richtig.“ Pflegepersonen sind Helden, weil sie tagtäglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind, über ein großes Wissen verfügen und für alle Lebensbereiche zuständig sind – so lautet das Resümee von Daniela. Sie müssen spontan sein und zu jeder Zeit richtig reagieren. Aber auch selbstreflektiert handeln und sich eingestehen, wenn sie überfordert sind und Hilfe von Kollegen annehmen. Daniela sagt, ihr helfe ihr Hausverstand und die Tatsa- che, dass sie mit beiden Füßen fest im Leben steht. Ihre vielen beruflichen Stationen kommen ihr bei ihrer künftigen Aufgabe als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin zugute, ist die junge Frau überzeugt. Im Herbst schließt sie die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Mauer mit dem Diplom ab. Durch das Schlimmste im Leben – den Tod ihrer Großmutter – ist Daniela Binder das Beste passiert: „Ich weiß jetzt, dass ich angekommen bin.“



Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 03/2019