IM PORTRÄT

Zwischen Patient & Technik

Hochmodernes Umfeld trifft fachliche Expertise: Seit Februar 2019 ist Martin Willheim Leiter des Klinischen Instituts für Laboratoriumsmedizin.

Martin Willheim schätzt die Mischung aus Menschlichkeit, Naturwissenschaft und Technik in seinem Beruf besonders.



fotoS: Philipp Monihart

Nach zehn Jahren als Oberarzt im Wiener Wilhelminenspital hat Prim. Assoc. Prof. Univ.-Doz. Dr. Martin Willheim am Universitätsklinikum St. Pölten seine neue berufliche Heimat gefunden. Eingelebt hat sich der gebürtige Ober- österreicher schnell: „Die intensive Arbeit und die guten Kommunikationsstrukturen im Haus, aber natürlich auch die Tatsache, dass hier alles komplett neu und hochmodern ist, waren ein reizvoller Einstieg für mich.“

Das Klinische Institut für Laboratoriumsmedizin deckt nahezu den gesamten Bereich der Labordiagnostik ab. Allein durch die Größe des Labors und die zur Verfügung stehende Technik nimmt es niederösterreichweit eine zentrale Rolle ein, sagt Willheim. „In Österreich und den umliegenden Ländern gibt es nur wenige Laboratorien dieser Grö- ßenordnung und mit diesen technischen Möglichkeiten. Eine Besonderheit ist auch die diagnostische Versorgung eines größeren Gebietes.“

Willheim, Lehrender an der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) und an verschiedenen Fachhochschulen, schätzt die enge Zusammenarbeit des Uniklinikums mit der KL: „Dort können wir den Studentinnen und Studenten vermit- teln, dass Labormedizin ein faszinierender Facharztbereich ist. Und wir hoffen natürlich, dass ein paar Interessierte nach ihrer Ausbildung bei uns am Uniklinikum bleiben.“


Große Verantwortung

Als Leiter des Klinischen Instituts für Laboratoriumsmedizin trägt Willheim die Verantwortung für rund 40 Mitarbeite- rinnen und Mitarbeiter. Ein Aspekt, der ihm in seiner neuen Position am Herzen liegt. „Wir wollen sowohl im techni- schen als auch im ärztlichen Bereich neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen. Das kann aber nur gelingen, wenn man ihnen einen attraktiven Arbeitsplatz bietet.“ Darum ist es ihm wichtig, das Feedback seines Teams zu nutzen und seine Kolleginnen und Kollegen in die Gestaltung der Abläufe miteinzubinden, sagt Willheim. Sein Cre- do: „Bei aller Technisierung nie vergessen, dass das größte Kapital die Mitarbeitenden sind. Sie sollen wissen, war- um sie diese Arbeit tun und sie sollen sie auch gerne machen. Darum soll auch keine Entscheidung über ihre Köpfe hinweg getroffen werden.“ Die internen Abläufe sind eingespielt, auch für Notfälle muss man jederzeit gewappnet sein. „Notfallpatienten haben bei uns eine eigene Rohrpostleitung und werden schon beim Probeneingang regis- triert. So können sie auf der Probenstraße automatisch vorgereiht werden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dann dafür, dass die Befunde rasch abgeschlossen sind. Samt technischer und ärztlicher Überprüfung des Ergebnisses und Freigabe im Laborinformationssystem“, erklärt Willheim den Vorgang.


Bewusste Entscheidung

Die Facharztausbildung schloss Willheim 2005 am Klinischen Institut für Labormedizin der Medizinischen Universi- tät Wien ab. Dabei hatte er zu Anfang seines Studiums gar nicht an Labormedizin gedacht, erinnert er sich. „Erst als ich intensiv am Institut für Pathophysiologie mitgearbeitet habe, hat mich das Etablieren von Methoden und das Erarbeiten neuer Daten begeistert. Es ist schön, das Gelernte im Sinne von Diagnostik für den Patienten umzusetzen.“

Am Ende war es die Mischung aus Menschlichkeit, Naturwissenschaft und Technik, die ihn zu seiner Facharztaus- bildung bewog. Es sei eine bewusste Entscheidung und logische Konsequenz gewesen, dort weiterzumachen, wo seine Stärken liegen.

In seiner neuen Aufgabe als Leiter ist es ihm ein Anliegen, die großen Herausforderungen verschiedener Aufgaben- bereiche unter einen Hut zu bringen, neuen Technologien gerecht zu werden und die Zusammenarbeit mit den an- deren Kliniken zu fördern. „Außerdem sehe ich es als meine Aufgabe, sicherzustellen, dass trotz des hohen Ar- beitsdrucks die Freude an der Arbeit nicht verloren geht.“


Gesamtbild entwickeln

Nun stehe der Tätigkeitsbereich vor großen Herausforderungen, wie die wachsende Anzahl der labormedizinischen Untersuchungen und der schnelle technologische Wandel zeigen. „In Zukunft wird es für Labormediziner immer wichtiger, die Vielzahl an Einzelbefunden zu einem sinnvollen Gesamtbefund zusammenzufügen“, ist Willheim überzeugt.

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen rüstet er sich für künftige Entwicklungen in der Labormedizin, denn „gerade im technischen Bereich werden wir noch Riesenschritte machen.“ Diese gehen aber auch mit großen Datenmengen einher, die es zu verarbeiten gilt. Hier kommt das Thema Datenschutz zu tragen: „Manche Daten müssen so verschlossen gehalten werden, dass sie nicht einmal für den einzelnen Kliniker zugänglich sind. Trotz- dem dürfen notwendige Vernetzungen und Zugänge nicht behindert werden.“


Neue Wege

Der Labormediziner führt seinen Beruf mit Leidenschaft aus, das Studieren von Fachlite- ratur macht ihm auch in seiner Freizeit Spaß, sagt er. Aus seinen Jahren in der For- schung und Lehre entstanden neue Organisationsformen, wie die von Willheim begrün- dete zentrale Einrichtung für Durchflusszytometrie (Core Facility Flow Cytometry) an der Medizinischen Universität Wien. Als Gründungsmitglied und langjähriger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Zytometrie konnte er auch die Weiterbildung von Ärz- ten und medizintechnischem Personal vorantreiben.

Diese Durchflusszytometrie und Leukämietypisierung will Willheim in den nächsten Jah- ren auch im UK St. Pölten etablieren. Bei diesem labormedizinischen Spezialverfahren werden einzelne Krebszellen, aber auch Zellen der immunologischen Abwehr detailliert untersucht. Als Hauptziel seiner neuen beruflichen Aufgabe definiert Willheim die Sym- biose aus einer optimalen diagnostischen Versorgung der Patienten mit einem wissen- schaftlichen Anspruch, und die perfekte Zusammenarbeit mit allen klinischen Abteilungen.


Ein richtig gutes Team

Ausgleich zum beruflichen Alltag findet der Labormediziner dank seiner vier Söhne. Nur einer von ihnen ist als Rettungssanitäter in Willheims medizinische Fußstapfen getreten. „Ich glaube, das habe ich ihnen ein bisschen vermiest, weil ich meine ältesten Söhne sehr jung, noch während des Studiums, bekommen habe. Da haben sie mitbekommen, dass der Papa immer erst spät nachhause kommen konnte und oft auch in den Ferien gearbeitet hat“, reflektiert er. Heute genießt er die Familienzeit dafür umso mehr und freut sich, wenn er alle, inklusive Familienhund, einem Rhodesian Ridgeback, um sich versammelt sieht. Für seine Söhne hat er, wie auch für seine Mitarbeiter, immer ein offe- nes Ohr. Denn: „Nur so kann man ein richtig gutes Team sein!“


Michaela Neubauer

erschienen in WIR INTERN 04/2019