CORONA-KRISE

Zur richtigen Zeit

Die neuen Strukturen der NÖ Landesgesundheitsagentur sorgten für eine enge Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Pflegezentren während der Corona-Krise.

Großes Lob gibt es vom Direktor des PBZ Mödling an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Mit vollem Einsatz in der Krise: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des PBZ Mauer

Kleine Anerkennung: Pressekoordinatorin Isabella Karner, MBA (2.v.r.), und Diätologin Sandra Frühwirt, BSc (2.v.l.), überbrachten im Namen der Kollegialen Führung des LK Scheibbs leckere Cremeschnitten und Nussrouladen für alle diensthabenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Leopold Thomasberger (li.) und OA Dr. Werner Schwab (re.) freuten sich über die gelungene Überraschung.

Unterstützung kam auch aus der Bevölkerung: Die „Südstadt Fanatics 1995“ haben einen Banner am Bauzaun vor dem LK Mödling angebracht.

Mit vollem Einsatz in der Krise: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des PBZ Mauer

In Mödling arbeiten PBZ und Landesklinikum vorbildlich zusammen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des PBZ Zwettl haben die Krise gut gemeistert.

fotoS: philipp monihart, Florian Kampl

Das Coronavirus beherrschte nicht nur die Kliniken, sondern auch die Pflege-, Betreuungs- und För- derzentren (PBZ/PFZ) in Niederösterreich. Als im März im PBZ Zwettl ein Bewohner des psychosozia- len Betreuungsbereichs erhöhte Temperatur hatte, wurde er sofort isoliert und auf das Coronavirus ge- testet. Das Ergebnis war positiv. Danach wurden 205 Testungen im Heim durchgeführt. 20 Bewohner und fünf Mitarbeiter waren positiv. Zehn Erkrankte wiesen aber keine Symptome auf. Bereits beim ers- ten positiven Ergebnis schrillten die Alarmglocken, sagt Andreas Glaser, Direktor des PBZ Zwettl. Zu

diesem Zeitpunkt war bereits Hygienefachkraft Jürgen Friedl, MSc, im LK Zwettl über den positiv ge- testeten Bewohner informiert. Er baute gemeinsam mit dem Team des PBZ Zwettl die Strukturen auf. Als das Pflegeheim dann aber über die große Zahl an infizierten Bewohnern informiert wurde, reagierte es blitzschnell und verständigte spätabends den Krisenstab im LK Zwettl. Innerhalb einer halben Stun- de war Jürgen Friedl vor Ort. Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, der die NÖ Kliniken

im Umgang mit Covid-19 berät, sorgte er dafür, die benötigte Schutzausrüstung und sämtliche Unterla- gen rund um Hygienevorschriften ins Haus zu bringen. Mit dem Krisenstab suchte man nach Lösun- gen, wie man die erkrankten von den restlichen Bewohnern trennen kann. Die Infizierten blieben im PBZ Zwettl und wurden isoliert. Die gesunden Bewohner kamen ins PBZ Tulln.


Bereitschaft & Expertise

Im Zwettler Pflegezentrum wurden die Covid-Patienten unter strengsten Schutzvorkehrungen betreut. Unterstützung kam nicht nur von Friedl, sondern auch durch internistische Fachärzte des Klinikums. Die neue Struktur durch die NÖ Landesgesundheitsagentur (LGA) sei zur richtigen Zeit gekommen, sagt Glaser: „Unsere Masken wurden aufbereitet, wir bestellten Schutzkleidung über das Logistikzen- trum und bekamen durch das Zwettler Labor schnelle Ergebnisse. Ich bin dankbar, dass wir in der Kri- sensituation die LGA hinter uns gehabt haben und uns so gut geholfen wurde.“ Auch Jürgen Friedl ist über die gute Kommunikation innerhalb der LGA froh: „Die Mitarbeiter waren sehr flexibel, Bereitschaft war von allen da. Es hat super funktioniert.“

Gemeinsam mit dem PBZ erstellte Friedl ein Handbuch für den Umgang mit positiv getesteten Bewoh- nern für alle Pflegezentren. Zusätzlich spannte die NÖ Landesgesundheitsagentur ein Netzwerk über die Region hinaus – mit je einem Hygiene-Experten pro Region. Hausintern erstellte Silvia Neug- schwandtner, MSc, Hygienerichtlinien und definierte Prozesse, die sie mit Friedl abstimmte. Erneute Testungen waren erfreulich: Die Bewohner wurden nach und nach negativ getestet, sodass die restli- chen Bewohner wieder zurückkehren konnten. Die vereinzelten positiven Fälle wurde schließlich in das PBZ Mauer verlegt. Glaser berührte vor allem der Einsatz seiner Mitarbeiter während der herausfor- dernden Zeit: „Sie haben tolle Arbeit geleistet und hohes Engagement gezeigt.“


Volles Engagement

Das PBZ Mauer wurde ein Covid-Pflege- und Betreuungszentrum. Da die Bewohner an psychischen Erkrankungen leiden, wäre es eine große Belastung gewesen, sie in ein anderes Pflegezentrum zu verlegen, sagt Renate Lokway, MBA, Direktorin des PBZ Mauer.

Um Platz für Covid-Patienten aus anderen Häusern zu schaffen, arbeiteten das PBZ und das LK Mau- er eng zusammen: Ein Pavillon des Klinikums wurde evakuiert und somit standen 23 Betten zur Verfü- gung. Innerhalb weniger Tage war die Station voll funktionstüchtig, erinnert sich Robert Danner, Kauf- männischer Direktor im LK Mauer. Kurz darauf wurden die ersten Covid-Patienten aufgenommen und betreut. Im PBZ formierte sich ein eigenes Covid-Team, das speziell geschult wurde. Die ersten zwei Tage seien eine Herausforderung gewesen, erinnert sich Lokway. Doch die Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter zeigten volles Engagement: Einige von ihnen übernachteten sogar im Dachgeschoss des Klini- kums. Den erkrankten Bewohnern halfen sie mit vielen Gesprächen über die Zeit der Isolation. Da sich das PBZ und das Klinikum auf einem Areal befinden, wurden bereits vor der Krise unter anderem die Logistik und die Technik gemeinsam genutzt. Diese enge Zusammenarbeit hat sich nun intensiviert: „Wir haben das PBZ mit Material mitversorgt und Synergien genutzt“, sagt Danner. Darüber freut sich Lokway besonders: „Wir haben einen extrem guten Zusammenhalt!“

Im Mai nahm die Direktorin selbst die Testung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bewohner ab. Das sei emotional gewesen, erzählt sie: „Es war schön zu sehen, dass es allen gut geht und man wieder ein paar Worte miteinander reden konnte.“  Wichtig sei gewesen, in dieser Ausnahmesituation immer präsent zu sein, deswegen war die Direktorin immer mit einer Notfalltasche im Auto unterwegs. Mit der Ausnahmezeit sei das PBZ Mauer gut zurechtgekommen, resümiert sie.


Unterstützung von außen

Im PBZ Mödling stellte man sich ebenfalls zu Beginn der Corona-Krise die Frage, wie man hausintern mit erkrankten Bewohnern umgeht. Als das Konzept stand, war schnell klar, dass das PBZ Mödling ein Covid-Haus werden würde. Denn die baulichen Gegebenheiten sind ideal: Die drei Häuser des PBZ sind als Gebäudekomplex verbunden, verfügen aber über eigene Zufahrten und Eingänge. Die ersten Fälle kamen schließlich aus dem Weinviertel nach Mödling. In der Covid-Abteilung – von den Mitarbei- tern liebevoll „Iso-Abteilung“ genannt – sorgten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter anderem da- für, dass die Betroffenen via Videotelefonie Kontakt mit den Angehörigen halten konnten. Dieses Enga- gement beeindruckte Gerhard Reisner, MBA, Direktor des PBZ Mödling: „Wir sind in einer Phase ge- startet, in der es große Verunsicherung und Angst gab. Da viele Bewohner an Demenz erkrankt sind, war die Umstellung zudem schwierig. Meinen Mitarbeitern gebührt großes Lob.“

Unterstützung bekam das PBZ durch das LK Mödling: Schutzausrüstung wurde zur Verfügung gestellt, auch die Internisten kamen ins PBZ. Das Klinikum nahm außerdem die Proben in Empfang. Die Hygie- nefachkraft des Klinikums war zudem jederzeit für das PBZ verfügbar. Diese Dinge, sagt Reisner, er- leichterten vieles. Um den Bewohnern diese Zeit so erträglich wie möglich zu gestalten, bekam das PBZ Mödling Unterstützung von allen Seiten: Schulen der Region schickten Briefe an die Bewohner und der Musikverein spielte vor den Fenstern ein Ständchen. Die Mödlinger Soroptimisten spendeten ein Tablet und die Stadtgemeinde organisierte anlässlich des Muttertages eine Band für die Bewohner. Im Mödlinger Klinikum sorgte unter anderem die stellvertretende Pflegedirektorin, Mag. Katja Sacher, BSc, für einen reibungslosen Ablauf. Die neue Struktur der Landesgesundheitsagentur habe vieles be- schleunigt: „Es hat auch vor Covid gemeinsame Workshops gegeben. Durch die Pandemie sind wir schneller zusammengerückt, die Zusammenarbeit hat an Bedeutung gewonnen“, sagt Sacher.



Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 03/2020