VERSORGUNG

Rundum versorgt

In den Brustgesundheitszentren der NÖ Kliniken begleiten Spezialistinnen und Spezialisten Brustkrebspatientinnen auf ihrem Weg der Genesung.

Im Tumorboard bespricht das Team des Brustgesundheitszentrums im LK Wiener Neustadt, welche Therapie ange- wandt wird.

Das interdisziplinäre Team des Brustgesundheitszentrums im UK St. Pölten

fotoS: Philipp Monihart

Fast jede Frau nimmt im Laufe ihres Lebens eine Veränderung oder einen kleinen Knoten an ihrer Brust wahr. Manchmal ist es eine harmlose Zyste. Bei 5.500 Frauen österreichweit tritt jedoch jährlich der schlimmste Fall ein: Sie erkranken an Brustkrebs.


Motivation & Zuversicht

In Niederösterreich gilt seit vielen Jahren das LK Wiener Neustadt als österreichisches Kompetenzzentrum für Brusterkrankungen. Von Wien-Umgebung über die Steiermark bis hin zum Burgenland kommen Patientinnen ins Klinikum. Bei einer Frau mit Ver- dacht auf Brustkrebs wird zunächst durch ein umfangreiches Verfahren die Diagnose gestellt. Danach besprechen die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im inter- disziplinären Tumorboard, welche Therapie angewandt wird. Hier arbeiten verschiede- ne Spezialistinnen und Spezialisten zusammen: Die Chirurgie und die Gynäkologie holt sich Unterstützung durch die Nuklearmedizin, Onkologie, Pathologie, Plastische Chirurgie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, Radiologie, Radioonkologie- Strahlentherapie sowie durch das Palliativ-Team, Psychoonkologie, Sozialberatung, Selbsthilfegruppen und die Krebshilfe Niederösterreich. Eine wichtige Rolle spielen die sogenannten Breast Care Nurses. Sie sind die ersten Ansprechpersonen für Frauen, die ihre Diagnose erhalten: „Als Breast Care Nurse ist es über die Fachlichkeit hinaus wichtig, den Frauen mit Verständnis zu begegnen und ihnen Motivation und Zuversicht mit auf den Weg zu geben“, sagt DGKP Elisabeth Wiedermann, die erste Breast Care Nurse im LK Wiener Neustadt. Mittlerweile hat Wiedermann zwei Kolleginnen. Die Breast Care Nurse hat vielfältige Aufgaben: Sie begleitet und pflegt von der Therapie bis zur Nachsorge, unterstützt psychisch und klärt Angehörige auf. Außerdem steht sie den Patientinnen zur Seite, wenn es um Kur- oder Rehaaufenthalte, Perücken und Prothesen geht. Das Wiener Neustädter Brustgesundheitszentrum wurde 2016 unter der Leitung von Dr. Werner Kwasny, der es gegründet hat, nach docCert (Österreichi- sche Zertifizierungskommission) zertifiziert. Heute leitet OA Dr. Stephan Halper das Brustgesundheitszentrum in Wiener Neustadt.


Gut vernetzt

Das zweite zertifizierte Brustgesundheitszentrum befindet sich im UK St. Pölten. Frauen mit einem verdächtigen Befund der Brust kommen zunächst auf die Brustambulanz der Klinischen Abteilung für Chirurgie. Dort arbeiten die Ärztinnen und Ärzte eng mit der Radiologie und der Pathologie zusammen. Auch hier besteht das Team aus vielen verschiedenen Fachrichtungen wie Chirurgie, Internistische Onkologie, Radiologie, Klinische Pathologie, Nuk- learmedizin, Plastische Chirurgie, Radioonkologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Palliativmedi- zin. Gemeinsam klärt das Team die Befunde ab und führt weitere Untersuchungen, etwa ein MRT oder eine sono- graphisch gezielte Stanzbiopsie, durch. Das Brustgesundheitszentrum bietet außerdem Informationen rund um die Möglichkeiten plastischer Rekonstruktion und indizierte genetische Beratungen. Im UK St. Pölten sind DGKP Is- abella Platzer und DGKP Jeanine Mühlbacher als Breast Care Nurses tätig. Sie informieren die Patientinnen auch über Nebenwirkungen und vernetzen mit der Psychologin, Sozialarbeit, Physiotherapie, Selbsthilfegruppen und der Diätologie. Zusätzlich werden die Patientinnen durch klinische Psychologinnen betreut. Das Brustgesundheitszen- trum steht in engem Kontakt mit Zuweisern und niedergelassenen Ärzten. Es finden außerdem regelmäßig Infor- mations- und Fortbildungsveranstaltungen statt.


Verschiedene Therapien

Kurz vor der Zertifizierung steht ein weiteres Brustgesundheitszentrum: nämlich das im LK Mistelbach-Gänsern- dorf. Auch dort arbeiten bereits verschiedene Abteilungen eng zusammen, um die betroffenen Patientinnen best- möglich zu versorgen. Therapeuten, Pflege und Ärzte besprechen im Mammaboard, wie sie weiter vorgehen. Die Chirurgie bespricht den Befund und plant die Operation. Und auch nach der Operation geht es weiter: Nachsorge inklusive endokrine Therapie steht ebenso auf dem Programm wie das Verändern des Lebensstils und die genetis- che Beratung. Die Onkologie des Hauses kümmert sich um die Chemo-Immuntherapien, die Radiologie ist für die Diagnostik zuständig. Die Physiotherapie behandelt die Patientinnen mittels Lymphdrainagen. Außerdem gibt es Turngruppen, an denen sie teilnehmen können. Und auch im LK Mistelbach-Gänserndorf stehen den Patientinnen in dieser schwierigen Phase Psychologinnen zur Seite.

Die (bald) drei zertifizierten niederösterreichischen Brustgesundheitszentren arbeiten auf dem neuesten Stand der Medizin, damit Patientinnen sich auf die beste Versorgung verlassen und sich ganz auf ihre Genesung konzentri- eren können.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 02/2020