ABTEILUNG

Vielfältig im Einsatz

Ob Inkontinenz, Tumor oder Harnwegsinfekt: Auf der Abteilung für Urologie im Landesklinikum Korneuburg warten viele Therapiemöglichkeiten auf die Patienten.

Stationsleitung DGKP Annemarie Huber (vorne links) und Prim. Univ.-Prof. Dr. Willhelm Hübner (vorne rechts) mit ihrem Team der Abteilung für Urologie im LK Korneuburg.

Es ist längst kein Tabuthema mehr: die Be- handlung von Inkontinenz. Erkrankte Patien- tinnen und Patienten finden an der Abteilung für Urologie am Landesklinikum Korneuburg verschiedene Therapien, um ihre Schwäche wieder in den Griff zu kriegen. Und auch sonst behandelt das Team der Urologie Er- krankungen rund um die Nieren, Harnröhre oder Blase.

Eine besondere Rolle spielt das zertifizierte Beckenbodenzentrum, das weit über die Grenzen Niederösterreichs bekannt ist. Hier steht vor allem die genaue Abklärung – meist durch urodynamische Untersuchungen – im Vordergrund. Druckmessungen in der Harn- röhre oder im Schließmuskel helfen den Medi- zinerinnen und Medizinern herauszufinden, um welche Erkrankung es sich handelt. Der Abteilung steht seit 1998 Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Hübner vor. Zuvor sammelte er unter

anderem als Oberarzt in München und als Gastprofessor in San Francisco vielfältige Erfahrungen. Hübners Ziel ist die genaue Abklärung der jeweiligen Erkrankung, um danach individuell nach der besten Therapie zu suchen. Für Inkontinenz-Patienten gibt es zwei verschiedene Therapien: Die konservative Methode besteht aus Beckenboden- training, Medikamenten und Bio-Feedback. Das Training können die Patienten auch abseits vom Klinikum mithilfe von niedergelassenen Physiotherapeuten durchführen. Die Basisübungen erlernen sie aber im Beckenbodenzen- trum, das interdisziplinär mit den hauseigenen Physiotherapeuten und auch eng mit der Gynäkologie zusammen- arbeitet. Die zweite Möglichkeit der Behandlung ist eine Operation. Eingesetzt wird hier das sogenannte TVT- bzw. TVT-o-Band. Dieses Band wird um die Harnröhre geschlungen und mittels Beckenbodenmuskulatur gesteuert.


Beckenboden entspannen

Im Beckenbodenzentrum werden jegliche Schwächen des Beckenbodens unter die Lupe genommen und behan- delt. Tolle Erfahrung hat das Team rund um Hübner mit Bio-Feedback gemacht – in vielerlei Hinsicht: „Bio-Feed- back hilft, den Beckenboden zu stärken, aber auch zu entspannen. Sportler beispielsweise, die den Harn lange zurückhalten, können sich so wieder entspannen“, sagt der erfahrene Mediziner. Ebenso findet es Einsatz bei hart- näckigen Harnwegsinfekten, die häufig Frauen betreffen. Spezielle Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch für Nieren-, Harnleiter- und Blasensteine. Dabei verzichten die Mediziner mittlerweile fast komplett darauf, mittels kon- ventioneller Operation die Steine zu entfernen. Seit 2008 gibt es ein Gerät zur extracorporalen Stoßwellenlithotrip- sie. Mittels Stoßwellen werden die Steine zerkleinert, damit sie selbstständig abgehen können. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Steine endoskopisch zu entfernen oder die perkutane Steintherapie anzuwenden.


Verschiedene Methoden

Die Therapie von Tumoren und andere chirurgische Eingriffe spielen ebenfalls eine große Rolle auf der Abteilung für Urologie. Hier ist das Team bemüht, für jede spezifische Erkrankung die geeignete OP-Methode zu finden. Mit- tels Knopflochchirurgie werden vor allem Prostatektomien (Entfernung der Prostata) und größere Nierenleiden ope- riert. Normale Schnitt- und endoskopische Operationen durch die Harnröhre führt die Abteilung ebenfalls durch. Einen besonders großen Anteil nehmen mittlerweile onkologische Patienten ein. Seit vier Jahren gibt es hier die Möglichkeit der konservativen Uroonkologie – der Chemotherapie bei beispielsweise Prostatakrebs. Akut- und Not- fälle wie Harnwegsinfekte oder kleinere Nieren- oder Harnleitersteine finden rasche Hilfe in der Ambulanz der Ab- teilung. Die zuständigen Ärztinnen und Ärzte kümmern sich um die Abklärung der Symptome und leiten die Pati- enten meist an die niedergelassenen Fachärzte weiter.

Eine weitere Erkrankung, die ihren Platz auf der Urologie findet, ist die erektile Dysfunktion, die Erektionsstörung. Das Team klärt zunächst die Ursache ab. Danach können anhand des Eskalationsmodells verschiedene Behand- lungen nacheinander ausprobiert werden, erklärt Hübner. Zuerst bekommt der Patient Tabletten. Danach gibt es die Möglichkeit, gefäßaktivierende Substanzen in die Harnröhre oder in den Schwellkörper zu injizieren. Vakuum- pumpen unterstützen ebenfalls die Heilung – und zu guter Letzt haben die Korneuburger Urologen noch die Mög- lichkeit, ein Schwellkörper-Implantat einzusetzen.


Aufmunternde Worte

Rund um die Operationen, Behandlungen und Untersuchungen kümmern sich die Pflegekräfte der Abteilung um die Patienten. Die Hauptaufgabe des Teams rund um Stationsleitung DGKP Annemarie Huber ist es, den Patienten im Klinikalltag zu unterstützen. Die Körper- und Hautpflege übernimmt das Personal bei Bedarf und unterstützt den Patienten dabei, wieder mobil zu werden. Dabei ist die Pflege viel in Kontakt mit den Patienten – das kommt wiederum dem Ärzteteam zugute: „Die Pflege ist unsere ganz große Stärke. Wir bekommen so viel wichtige Infor- mationen über Patienten von ihnen“, schwärmt Hübner. Neben alltäglichen Aufgaben übernehmen Huber und ihre Kolleginnen und Kollegen zahlreiche weitere Tätigkeiten, beispielsweise das Aufnahme- und Entlassungsmanage- ment und die Pflegedokumentation. Auch in der Inkontinenztherapie spielt die Pflege eine wichtige Rolle. Anhand von Vorlagen stellt sie zuerst fest, wie inkontinent die Person ist. Danach unterstützt die Pflegeperson bei der In- kontinenzversorgung, erklärt das Führen eines Miktionsprotokolls und misst den Harnfluss mittels URO-Flow-Gerät. Die Pflege bereitet die Patienten aber auch auf alle urologischen Operationen vor. So nimmt sie eine Vitalzeichen- kontrolle vor, legt einen venösen Zugang und nimmt bei Bedarf Blut ab. Neben alldem sind die Pflegekräfte aber auch dafür da, den Menschen in diesen schwierigen Momenten zur Seite zu stehen: „In dieser sensiblen und angstbesetzten Phase ist es immer wieder wichtig, aufmunternde und mutmachende Worte an die Patienten zu richten“, sagt Annemarie Huber. Nach der OP kontrollieren sie dann den Verband und überwachen die Ableitun- gen auf Funktion und Ausfuhr. Im Bett liegen zu müssen, empfinden Patienten immer wieder als unangenehm. Da- her lagert die Pflege die Patienten immer wieder und reibt sie mit erfrischenden Aromapflegeprodukten ein.


Bedürfnisse erfüllt

Auf Ärzte und Pflege warten viele Herausforderungen: Die Mediziner beispiels- weise nutzen ihre Ressourcen optimal, um dem Patienten, wie der Dokumenta- tionspflicht und der klinisch akademischen Arbeit gerecht zu werden. Für die Pflege sei das hohe Alter der Patienten und auch die hohe Frequenz an Ope- rationen herausfordernd. Und nicht zuletzt das Einsatzgebiet der Urologie – denn dabei handelt es sich um den sensiblen Intimbereich. Und dennoch: Für Primarius Hübner und Stationsleitung Huber überwiegen die schönen Augen- blicke: „Die berührendsten Momente sind für mich, wenn Patienten sich am Ende ihres Aufenthaltes bedanken mit dem Hinweis, dass sie sich besonders gut betreut gefühlt und gespürt haben, dass man auf ihre Bedürfnisse einge- gangen ist“, sagt Hübner. Auch für Annemarie Huber und ihr Team ist es be- sonders schön, wenn sie positives Feedback erhalten. Denn für die ganze Ab- teilung gilt: „Für uns ist die Patientenversorgung eine Herzensangelegenheit und wir sind mit viel Empathie, Freude und Spaß bei der Arbeit.“


Daniela Rittmannsberger

erschienen in WIR INTERN 04/2019