ABTEILUNG

Geduld & Gespür

Mit viel Fingerspitzengefühl kümmert sich das Team der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde mit Neonatologie im LK Zwettl um kleine und größere Patientinnen und Patienten.

Das Team der Zwettler Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde: (v.l.) sitzend OÄ Dr. Heike Perner, OÄ Dr. Birgit Mittermayr, DGKP Melanie Nowotny, Prim. Dr. Zdenek Jaros, DGKP Cornelia Bruckner, DGKP Claudia Winkler, DGKP Marina Pachtrog; stehend: Dr. Gerald Kral, DGKP Elisabeth Krauskopf, OA Dr. Peter Schermann, DGKP Sonja Elsigan, Ass. Dr. Christoph Endl, OÄ Dr. Birgit Aigner, Dr. Monika Maurer, Marlene Thor (Schülerin), Pflegeassistentin Maria Schuster, Petra Schulner (Schülerin), OA Dr. Konstantin Zabakas und Stationsleitung DGKP Eva Steiner

fotoS: philipp monihart

Epilepsie, Herzbeschwerden oder Wachstumsstörungen – die Liste all jener Erkrankungen, mit denen Kinder auf die Kin- der- und Jugendheilkunde im LK Zwettl kommen, ist lang. Eltern suchen und finden hier Hilfe. Es erwartet sie nicht nur eine modern ausgestattete Abteilung, sondern vor allem auch Personal, dem eines besonders am Herzen liegt: das Wohl des Kindes.

Patientinnen und Patienten werden nicht nur von klein auf, sondern wenn notwendig bereits im Mutterleib betreut, denn zur Abteilung gehört auch die Intensivmedizin für Früh- und Neugeborene, die Neonatologie. Der Abteilung steht Primar Dr. Zdenek Jaros vor. Der gebürtige Prager ist Facharzt für Kinderheilkunde und leitet die Station seit 1992. Für ihn war schnell klar, dass er sich auf Kinder spezialisieren möchte. Für Kinder ist er nun zuständig – und das für das ganze Waldviertel.


Speziell ausgerüstet

Wenn eine Frühgeburt oder eine Risikogeburt drohen, kommen die werdenden Eltern schon vor der Geburt auf die Neona- tologie. Dort erklären die Ärzte, was auf sie zukommen wird. Kommt das Kind – meist durch einen Kaiserschnitt – dann auf

die Welt, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt: Das Baby muss häufig beatmet werden, hat ein geringes Ge- wicht und kommt in die Wärmepflege. Versorgt werden Kinder ab der 29. Schwangerschaftswoche – Frühgebur- ten davor werden im Universitätsklinikum St. Pölten be- handelt. Zu früh geborene Babys bleiben meistens einein- halb bis zwei Monate auf der Station. Kinder, die unmittel- bar nach der Geburt operiert werden müssen – sei es we- gen einer Missbildung oder eines zuvor unentdeckten Herzfehlers – fliegen, oft gemeinsam mit Primar Jaros, in die Klinik nach Wien oder Linz. Vor allem für die ganz Klei- nen ist man im Hubschrauber gerüstet: Ein Transportinku- bator und die Wärmepflege sind darin vorhanden. Mo- mente, in denen Jaros und seine Kollegen oft starke Ner- ven brauchen: „Es geht um Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben. Wenn man sie schlecht versorgt, sind sie womöglich ein Leben lang beeinträchtigt.“


Baby bis Jugendliche

Ein Schwerpunkt ist die Kinderkardiologie: Leidet das Kind etwa an Herzgeräuschen, kommt es zunächst zur Ab- klärung. Nach der tatsächlichen Diagnose – etwa bei Herzrhythmusstörungen – behandeln die Ärzte mittels elek- trophysiologischer Therapie. Wenn ein Kind beispielsweise in Linz am Herzen operiert wurde, findet die Nachver- sorgung auch auf der Zwettler Kinderkardiologie statt. Beim Diabetes-Schwerpunkt herrscht eine stark steigende Tendenz, erzählt Jaros. Kinder mit einem schweren diabetischen Schock werden zunächst von speziell geschul- ten Oberärztinnen und -ärzten behandelt. Danach bleiben sie zwei Wochen stationär und werden gemeinsam mit den Eltern geschult, wie man Insulin spritzt oder die Insulinpumpe benutzt. Der Schwerpunkt endokrinologische Erkrankungen versorgt Kinder mit Wachstumsstörungen. Auch Kinder mit Epilepsie und chronischen Nieren- oder Magenerkrankungen finden hier Hilfe. Bei Kindern mit Bauch- oder Kopfschmerzen oder einem Druckgefühl auf der Brust, bei denen organisch alles in Ordnung ist, kommt die klinische Kinderpsychologie zum Einsatz. Denn häufig stecken hinter diesen Beschwerden ganz andere Ursachen. Auch hier ist die Bandbreite groß: Vom Baby bis zum 18-jährigen Patienten finden sich dort alle ein.


Psychosomatik

In der Arbeit mit den Kindern kommt auch der Pflege eine besondere Bedeutung zu: Eltern, die mit ihrem kranken Kind an der Abteilung sind, befinden sich meist in einem Ausnahmezustand. Die Nerven liegen blank und bei den Kindern gibt es jede Menge Tränen. Es ist eine der Aufgaben von Stationsleitung DGKP Eva Steiner und ihrem Team, die Kinder und Eltern zu beruhigen. Das Besondere auf der Kinder- und Jugendheilkunde ist, dass dem Arzt bei jeder Untersuchung eine diplomierte Pflegekraft zur Seite steht. Da manche Kinder und Jugendliche schon seit vielen Jahren zur regelmäßigen Kontrolle hier sind, kennt Eva Steiner viele schon sehr gut: „Manche begleiten wir bis zum 18. Lebensjahr. Man baut eine Beziehung auf.“ Mit zuckerkranken Kindern bespricht die Pflege die richtige Ernährung und schult sie gemeinsam mit den Eltern. Eva Steiner arbeitet seit fast 40 Jahren als diplomierte Kinderkrankenschwester. Was ihr auffällt: Psychosomatische Beschwerden seien sehr viel mehr ge- worden.


Körperkontakt

Auf der Neonatologie gibt es für die speziell geschulten Pflegekräfte besonders viel zu tun: Sie waschen die kleinsten Patienten der Abteilung, richten Infusionen und sorgen für die richtige Lagerung. Außerdem betreut die Pflege die Eltern intensiv. So sorgt Eva Steiner mit ihren Kolleginnen und Kollegen etwa dafür, dass direkt nach der Geburt das Kind viel Körperkontakt mit seinen Eltern hat – sogenanntes Bonding. Auch das Stillen ist ein wichtiges Thema – darauf legen die Pflegekräfte besonderen Wert.

Egal, mit welchen Erkrankungen die jungen Patienten auf die Kinder- und Jugendheilkunde kommen – für Jaros, Steiner und ihr Team ist die Arbeit mit den Kindern eine ganz besondere: „Die Arbeit mit den Kindern ist schön, sie sind so dankbar. Sie weinen und kurz darauf lachen sie wieder – da geht einem das Herz auf“, erzählt Steiner. Für diesen Sinneswandel braucht es oft die Geduld und Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit- tels Spielsachen, Stofftieren und Musik die Kinder auf andere Gedanken bringen. Für Primarius Zdenek Jaros ist der ungefilterte Zugang der Kinder zum Leben besonders schön: „Die Kinder sind ehrlich und zeigen, wenn sie beispielsweise Angst haben. Man braucht viel Geduld und Gespür.“


Daniela Rittmannsberger


Aufgaben & Kompetenzen


Neben konventionellen und operativen The- rapien in der Kinder- und Jugendheilkunde liegt der Schwerpunkt auf der Intensivmedi- zin für Frühgeborene und Neugeborene. Weitere Schwerpunkte sind Epilepsie-Kin- der, Kinderkardiologie, Diabetes (die Abtei- lung ist das größte Insulinpumpenzentrum für Kinder in NÖ), Kinderendokrinologie, Versorgung von Kindern mit chronischen Nierenerkrankungen und chronischen Darmerkrankungen, klinische Kinderpsy- chologie und Stillberatung.

Informationen: www.zwettl.lknoe.at

erschienen in WIR INTERN 03/2018