OIS

Das Krebs-Tool

Das Onkologie-Informations-System läuft mit Jahreswechsel an allen NÖ Kliniken und sichert die Qualität der onkologischen Versorgung- .

Der Fachbeirat für Onkologie der NÖ Landeskliniken-Holding: (v.l.) Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Schenk, MSc, MBA (Pulmologie LK Hochegg), Prim. Univ.- Doz. Dr. Friedrich Längle (Chirurgie LK Wiener Neustadt), Prim. Dr. Gabriele Benetka, MBA, MSc (Pathologie und Molekularpathologie LK Horn), Prim. As- soc. Prof. Dr. Elisabeth Stubenberger (Allgemein- und Thoraxchirurgie UK Krems), Mag. Gabriele Schrammel (Leiterin Apotheke LK Wiener Neustadt), Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger (Dermatologie und Venerologie LK Wiener Neustadt), Prim. Dr. Martina Metz (Radioonkologie und Strahlentherapie LK Wiener Neustadt), Prim. Dr. Christa Freibauer (Pathologie und Molekularpathologie LK Mistelbach-Gänserndorf), Prim. Dr. Andreas Kretschmer (Innere Medizin LK Waidhofen/Thaya), Prim. Assoc. Prof. Dr. Martin Wiesholzer (Innere Medizin 1, UK St. Pölten), Prim. Dr. Ernst Ulsperger (Innere Medizin LK Horn), Mag. Sandra Büchse (Medizinische Betriebsunterstützung, Holding-Zentrale), Prim. Assoc. Prof. Dr. Eckart Breinl (Urologie und Andrologie UK St. Pölten), Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer (Innere Medizin 2, UK Krems), Priv.-Doz. Dr. Birgit Grünberger (Innere Medizin, Hämatologie und inter- nistische Onkologie LK Wiener Neustadt), Lena Böck, MA (Holding-Zentrale), Prim. Assoc. Prof. Mag. Dr. Anja Bayerl (Strahlentherapie-Radioonkologie UK Krems), Dr. Silvia Bodi, MSc (stv. Med GF NÖ Landeskliniken-Holding), Prim. Assoc. Prof. Dr. Peter Errhalt (Pneumologie UK Krems).

foto: istockphoto/ Alex Raths, felicitas mater- n

7.300 Menschen erkranken pro Jahr in Niederösterreich an Krebs, Tendenz steigend. Die Diagnose verunsichert wie keine andere, Betroffene und Angehörige haben gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten der ve- rschiedenen Disziplinen einen langen Weg vor sich. Einen Weg, den die Spezialisten in den NÖ Kliniken nun besser und umfassend begleiten und dokumentieren können, denn sie haben ein maßgeschneidertes Kommunikationssys- tem dafür, das sich viele Fachleute schon lange wünschen: Im Onkologie-Informations-System (OIS) sind alle Dia- gnosen und Behandlungsschritte aufgelistet, ebenso das Ergebnis der Besprechung des Falles im Tumorboard und somit der gesamte Verlauf der Erkrankung. Und das klinikübergreifend: Wo auch immer der Patient zuletzt versorgt wurde, der nächste behandelnde Arzt kann jede Diagnose und Behandlung nachvollziehen und ist dadurch umfa- ssend informiert.

Das OIS ist aber noch viel mehr: Erstmals im deutschsprachigen Raum sind darin über ein größeres Gebiet, das Bundesland Niederösterreich, alle Krebserkrankungen dokumentiert. Der gesamte Verlauf und die Ergebnisse jedes einzelnen Behandlungsschrittes sind ablesbar: Wie hat sich diese und jene Behandlung auf den Verlauf der Erkran- kung ausgewirkt? Welche Intervention bringt die erhoffte signifikante Verbesserung? Aber auch: Wie wirkt das Medi- kament XY bei genau dieser Tumor-Variante? Damit ist das OIS gleichzeitig eine riesige Wissens-Datenbank, die zahlreiche und noch völlig ungenutzte Möglichkeiten zum Lernen und Forschen biete- t.

Und noch etwas kann das OIS bieten: In den Eingabemasken abrufbar sind auch die jeweils relevanten derzeit la- ufenden klinischen Studien zur Erkrankung- .

Fast jedes medizinische Fach führt Krebsbehandlungen durch – Chirurgie, Gynäkologie, Urologie, Strahlentherapie, HNO, Dermatologie, Neurochirurgie, Neurologie und natürlich die Innere Medizin/Onkologie. Die Behandlung der e- rkrankten Menschen wird bei den interdisziplinären Tumorboards genau besprochen, die nächsten Schritte werden festgelegt. Somit trifft hier das gesammelte Wissen der unterschiedlichen Disziplinen zusammen- .


Wirksames Werkzeug

Das OIS wurde von Mag. Sandra Büchse von der Abteilung Medizinische Betriebsunterstützung in der Holding-Ze- ntrale gemeinsam mit dem Fachbeirat Onkologie der NÖ Landeskliniken-Holding, zahlreichen spezialisierten Ärztin- nen und Ärzten sowie Experten der IT entwickelt. Das OIS ist nun mit dem Jahresende in allen NÖ Kliniken imple- mentiert. Es wird von Büchse und ihrem Team laufend betreut, weiterentwickelt und gewartet: „Das Entscheidende ist, dass die Dokumentation einheitlich und lückenlos ist. Deshalb überprüfen wir die Verläufe aller Krebsbehandlun- gen im OIS auf Vollständigkeit und Plausibilität.“ Büchse und ihr Team fordern fehlende Dokumentationen ein und helfen, wenn es Probleme gibt. „Wenn zum Beispiel eine Chemotherapie nicht eingetragen oder ein Befund der Pa- thologie nicht im System ist, fehlen wesentliche Informationen für jene Ärzte, die über die nächsten Behandlungs- schritte entscheiden müssen. Das OIS kann nur wirken, wenn es komplett ist.“ Obwohl das Arbeiten im OIS über- sichtlich und weitgehend intuitiv ist, ist es natürlich mit Arbeit verbunden, stringent und klar zu dokumentieren. Doch wenn alle Daten damit greifbar sind, spart das System auch Zeit und Organisationsarbeit: Niemand muss fehlende Befunde anfordern und darauf warten, alles liegt auf dem Bildschirm bereit. Büchse nimmt dafür laufend Verbess- erungsvorschläge von den Behandlern auf, derzeit etwa enthält ihre Dokumentation 343 Wünsche, die teilweise erfüllt sind, an den anderen wird gearbeitet: „Wir passen es individuell an, damit das Arbeiten gut von der Hand geh- t.“

So kann auch der Verlauf der Erkrankung exakt nachverfolgt werden. Und das Beste daran: Egal in welchem Klini- kum in NÖ eine Patientin, ein Patient im nächsten Schritt behandelt wird, es ist alles festgehalten und für jeden wei- teren behandelnden Arzt sichtbar und zugänglich. Denn oft kommen Patienten für bestimmte Behandlungen wie Strahlentherapie oder OP in ein Schwerpunkt-Klinikum, erhalten aber die Chemotherapie im Haus nahe ihrem Wohn- ort. Das System ermöglicht jedem behandelnden Arzt jederzeit einfach und übersichtlich einen Einblick in die aktue- lle Behandlungssituation der Patientinnen und Patienten zu bekommen. Er erhält sofort alle Informationen- .



Riki Ritter-Börner

Was kann das OIS?


-enthält alle wesent-lichen Informationen zum Patienten (oberstes Ziel)

-klinikübergreifende und strukturierte Dokumentation, in der man medizinische Auswertungen machen kan- n

-Tumorboard-Instrument in NÖ (komplette Organisation, Durchführung, Dokumentation der Ergebnisse )

-Servicetool für Meldepflichten (Statistik Austria, Brust- krebs-Früherkennungsprogramm)

-Möglichkeit der ambulanten Dokumentation (Angebot )

NÖ Onkologietag


Der NÖ Onkologietag ist ein interner Erfahrungsaustausch fü- r Ärztinnen und Ärzte der NÖ Kliniken, ins Leben gerufen von Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, Leiter Innere Medizin 2 im Uniklinikum Krems. Der 8. NÖ Onkologietag im Novembe- r 2018 fand in Kooperation mit der Karl Landsteiner Privatuniversi- tät statt und bot ein breites Themenspektrum quer durch alle Fä- cher.

-Safe the Date: 9. NÖ Onkologietag am 22. November 2019

erschienen in WIR INTERN 06/2018