DIGITALISIERUNG

Digitaler Wandel

Das Digitalisierungsmanagement in der Holding-Zentrale fasst potentielle Themen zusammen und fungiert als erste Anlaufstelle für Ideen.

Ein Kernteam in der Holding-Zentrale kümmert sich um sämtliche Digitalisierungsthemen: (v.l.) DI Manuel Ratzin- ger, Ing. Wolfgang Grim, MSc, DI (FH) Mag. Andreas Hofleitner und Mag. Jochen Poh- n

foto: Philipp Monihart

Digitalisierung, Medizin 4.0, Big Data, Internet der Dinge, künstliche Intelligenz – hinter diesen Schlagworten ve- rbirgt sich ein gewaltiges Potential zur Veränderung von Prozessen, die unser privates, aber vor allem auch berufli- ches Leben kontinuierlich berühren. Von analog auf digital – was manchmal scheinbar schleichend und mühelo- s passiert, erfordert in vielen anderen Bereichen große organisatorische und auch technische Änderungen, da oft u- mfassende gewohnte Arbeitsabläufe betroffen sind. Diese digitalen Veränderungsprozesse werden al- s

digitale Transformation bezeichnet. Digitale Transformation definiert dabei den kontinuierlichen Change-Manage- ment-Prozess einer Unternehmung bzw. Organisation, die ihre Geschäftsmodelle und -prozesse, Produkte und Ser- vices um digitale Technologien bereichert bzw. signifikant in diese Richtung verändert, um noch größere Geschäft- schancen zu erhalten. Für die NÖ Landeskliniken-Holding als Gesundheitsdienste-Anbieter bedeutet es, Leistunge- n noch effizienter und kostengünstiger bzw. in noch höherer Qualität erbringen zu können- .


Strategie & Struktur

Im Vordergrund steht die Betrachtung von klinikinternen und klinikübergreifenden Arbeitsabläufen und deren Ve- rbesserung durch Einsatz von innovativen Technologien. Diese neuen Technologien ermöglichen zudem die Weiter- entwicklung der Kommunikationsmöglichkeiten zu anderen Gesundheitsdienste-Anbietern und öffentlichen Einrich- tungen, aber vor allem auch den Ausbau der Interaktionsmöglichkeiten mit Patientinnen und Patienten. Dieser Pro- zess der Digitalisierung geschieht nicht „nebenbei“, sondern erfordert neben Wissen und Wollen auch entspreche- nde Strategie und Strukturen, erklärt Mag. Jochen Pohn, Leiter der Abteilung Informations- und Kommunikations- technologie (IKT) in der Holding-Zentrale: „Die Erarbeitung der Digitalisierungsstrategie der NÖ Landeskliniken-Ho- lding und die Umsetzung von genehmigten zentralen Digitalisierungsprojekten inklusive der Steuerung des Betri- ebes waren und sind eine Hauptaufgabe der IKT-Abteilung. Diesbezüglich gibt es Manager für die diversen Servic- ebereiche, die als Digitalisierungsexperten die Themen bearbeiten und bestens vorantreiben- .“


Digitalisierungsmanager

Um den gestiegenen Anforderungen des Informationsaustausches und der Abstimmungsprozesse gerecht zu we- rden, wurde in der IKT-Abteilung die Position eines Digitalisierungsmanagers geschaffen, der kurz-, mittel und lang- fristig anstehende potentielle Digitalisierungsthemen über alle IKT-Servicebereiche hinweg zusammenfasst und al- s Anlaufstelle für Themenvorschläge von externer Seite zur Verfügung steht. „Wenn man das Anforderungsprofil ei- nes Digitalisierungsmanagers googelt, erkennt man rasch, dass betreffend der Skills die Latte sehr hoch liegt. Vo- n entscheidender Bedeutung sind neben generellen Managementfähigkeiten, einem breiten technischen Verständni- s, Projektmanagement-Know-how, Aufgeschlossenheit für Innovationen und einer ausgeprägten Kommunikationsfä- higkeit vor allem eine langjährige Healthcare-Erfahrung ausgehend vom fachlich-inhaltlichen Applikations-Know -how bis hin zum Verständnis für die Zusammenhänge/Workflows in Kliniken und zu anderen Gesundheitsdienste -Anbietern. Wichtig sind zudem Kenntnisse über Strukturen und die Organisation der NÖ Landeskliniken- Holdin- g und die Vernetzung zu außenstehenden Digitalisierungs-Know-how-Trägern wie beispielsweise Firmen und ande- ren Krankenhausträgern“, nennt Pohn das Anforderungsprofil- .

DI (FH) Mag. Andreas Hofleitner, der stellvertretende Leiter der IKT-Abteilung, übernimmt nun die Funktion des Di- gitalisierungsmanagers. „Mit Andreas Hofleitner konnten wir unsere Wunschbesetzung gewinnen. Er bringt best- e Qualifikationen für die oben angeführten Eigenschaften mit und ist aufgrund seiner bisherigen und künftigen Tätig- keiten sehr gut mit internen und externen Digitalisierungs-Know-how- Trägern vernetzt“, sagt Jochen Pohn- .


Analyse & Bewertung

Wozu braucht man Digitalisierungsmanagement in der NÖ Landeskliniken Holding? Die Hauptzielsetzungen sin- d das „Erkennen“ relevanter Digitalisierungsthemen für die NÖ Landeskliniken-Holding, die erste Grobanalyse un- d Bewertung der Themen sowie die Einordung gemeldeter und damit potentieller Digitalisierungsthemen in die berei- ts bestehende „Digitalisierungsmatrix“. In dieser Matrix werden aktuelle Umsetzungen und neue potentielle Theme- n übersichtlich dargestellt und in Hinblick auf die wichtigsten Bewertungskriterien, wie etwa klinische Relevanz, Inn- ovationsstärke, organisatorische und technische Komplexität sowie die geschätzten Umsetzungskosten, kategor- isiert. „Hier wird auch bewertet, ob durch das Digitalisierungsthema ein relevanter Geschäftsprozess unterstützt we- rden kann und damit ein entsprechender ‚Use Case‘ gegeben ist, aber auch, ob sich dadurch qualitative oder wi- rtschaftliche Verbesserungen erzielen lassen und das Vorhaben daher kaufmännisch sinnvoll erscheint“, erklärt Hof- leitner. Ganz wichtig im Kontext der Sammlung und Bewertung von Digitalisierungsthemen ist ihm der diesbezügl- iche Erfahrungsaustausch mit anderen Gesundheitsdienste-Anbietern und im Speziellen mit anderen Krankenhaus- trägern.


Teamarbeit

Digitalisierungsmanager Hofleitner ist überzeugt: „Nachdem potentie- ll jede und jeder Einzelne unserer über 20.000 Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter gute Vorschläge zur Prozessoptimierung oder -neugestaltun- g durch Einsatz neuer Technologien einbringen kann, sind die Themen- bereiche der Digitalisierung enorm breit gefächert und erstrecken sic- h über alle Fachbereiche und Geschäftsprozesse. Das Sammeln, Koordi- nieren und Bewerten von Themen kann daher nur in einem Team be- wältigt werden.“ Im Kernteam wird Hofleitner unterstützt von Ing. Wolf- gang Grim, MSc, als KIS-Experte und NÖKIS-Gesamtprogrammleiter, DI Manuel Ratzinger, der die Hauptverantwortung zur Weiterentwick- lung der IHE-basierten NÖBIS- und ELGA-Umgebung zur Aufgabe ha- t, sowie von Mag. Jochen Pohn. Diese Gruppe unterzieht die Themen im Monatsrhythmus einer ersten Sichtung. In einem erweiterten Digitalisie- rungsteam werden dann die Themen mit allen IKT-Bereichsleitern der Holding-Zentrale und den regionalen IKT-Koordinatoren als Verbin- dungsglied zu den Kliniken quartalsweise diskutiert. Bedarfsorientie- rt werden hier weitere Fachexperten hinzugezogen. Zumindest einmal im Quartal werden neue Digitalisierungsthemen der Geschäftsführung de- r NÖ Landeskliniken-Holding vorgestellt sowie besprochen und die we- itere Vorgehensweise festgelegt. „Ganz wichtig ist uns auch eine ent- sprechende Rückmeldung an den Themeneinbringer“, ergänzt Hoflei- tner den Prozessablauf.

Das Digitalisierungsmanagement wird die bestehenden Strukturen un- d Prozesse zur Planung, Abstimmung, Genehmigung oder Bugetierun- g einer Maßnahme keinesfalls verändern. Vielmehr handelt es sich um einen vorgelagerten Prozess, um Ideen zu sammeln und im Kontex- t der Unternehmensstrategie neue Chancen aufzuzeigen.

erschienen in WIR INTERN 05/2018