HOL- UND BRINGDIENST

Immer in Bewegung

Der Hol- und Bringdienst sorgt für reibungslose Abläufe in den Kliniken.



Über ein elektronisch gesteuertes System erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Transportaufträge. Das Team ist ständig in Bereitschaft.



(v.l.) 1. Reihe: Kaufm. Standortleiter Dipl. KH-Betriebswirt  Franz Waldecker, Willi Burger, Kurt Huber, Erich Plocek;

2. Reihe: Walter Pollak, Wolfgang Scheidl, Matthias Höbart, Manfred Hahn, Christoph Göschl; 3. Reihe: Joachim Redl, Manfred Hammerl, Manfred Hennebichler; nicht am Bild: Eva Flicker, David Hofbauer, Karin Huber, Manfred Kolowrat

fotoS: Philipp Monihart

15 Kilometer täglich legen die Männer und Frauen des Hol- und Bringdienstes zurück – durch die langen Gänge im Landesklinikum Zwettl. Sie sind zuständig für den Transport der Patientinnen und Patienten zu verschiedenen Stel- len des Hauses, fürs Ausliefern von Mahlzeiten, Material oder Medikamenten und für viele weitere Botenwege im Klinikum. Eine Arbeit, bei der sie oft ganz schön ins Schwitzen kommen, sagt Willi Burger: „Wir haben etwa 250 bis 350 Fahrten pro Tag. Das sind 20.000 Schritte oder mehr.“ Der 58-Jährige ist seit über 27 Jahren in dieser Funktion tätig.


13 Männer und zwei Frauen sind im Team, der Jüngste unter ihnen ist Christoph Göschl. Der 31-jährige Waldviert- ler ist seit Juni des Vorjahrs im Hol- und Bringdienst beschäftigt. Je nach Dienstrad arbeitet er sechs, acht, zehn oder zwölf Stunden, manchmal auch am Wochenende. In der Früh bringt er Kaffee und Tee in großen Kannen auf die Stationen, danach die Essenswagen samt Frühstück. Gegen sieben Uhr holt er die Patientinnen und Patienten aus ihren Zimmern, bringt sie in den OP-Trakt und hilft beim Einschleusen. In Zwettl gibt es fünf OP-Säle, es herrscht daher reger Betrieb. Danach holt er die Speisewägen mit dem gebrauchten Geschirr, liefert das Mittages- sen aus, transportiert die Patienten zum Röntgen, zu Untersuchungen oder Therapien und bringt Medikamente wie Zytostatika an die jeweilige Station. Auch Laborproben reisen mit dem Versorgungsdienst. Und danach wartet schon das Abendessen für die Patienten. Der Hol- und Bringdienst ist ständig unterwegs, damit alles ankommt und die Abläufe im Klinikum reibungslos funktionieren.


Abwechslungsreich

Der Hol- und Bringdienst ist überall dort, wo er gebraucht wird. Die Arbeitsaufträge kommen über ein elektronisch gesteuertes System. Das funktioniert so: Eine Pflegekraft gibt den Transportauftrag ins System ein, das ihn an den nächsten freien Mitarbeiter per Handy übermittelt. Dieser nimmt den Auftrag an, führt ihn aus und bestätigt schritt- weise den Verlauf mit Tastendruck. Ist der Auftrag beendet, erkennt das System, dass der Mitarbeiter wieder für weitere Aufträge verfügbar ist. „Wir sind immer in Bereitschaft“, sagt Christoph Göschl. An seinem neuen Beruf schätzt er die Abwechslung: „Jeder Tag ist anders. Und ich bin gern in Kontakt mit Menschen. Hier kann ich viel für die Allgemeinheit tun.“ Nach einigen Jahren in seinem erlernten Beruf als Hafner und Fliesenleger standen für ihn die Zeichen auf Veränderung und er bewarb sich um den Job im Klinikum.


Empathisch

Genau wie Erich Plocek: Der gelernte Autolackierer wollte sich auch beruflich verändern. Zusätzlich zum Hol- und Bringdienst leistet er – so wie sechs  andere Kollegen auch – Nachtdienst als Portier im Klinikum. Bereut haben bei- de diesen Schritt nicht, auch wenn der Job manchmal an die Substanz geht, wenn etwa

verstorbene Patienten transportiert werden müssen: „Man muss sich ein inneres Schutzschild aufbauen und gewis- se Dinge nicht zu nah an sich heranlassen“, sind sich die Mitarbeiter einig, „denn die schönen Momente überwie- gen.“ Die Männer und Frauen des Hol- und Bringdiensts haben immer ein Lächeln und ein offenes Ohr für die Pati- entinnen und Patienten parat: „Viele sind nervös vor der OP oder vor Untersuchungen. Dann versuchen wir sie zu beruhigen und aufzumuntern“, erzählt Erich Plocek. Offenbar erfolgreich: Bei der Patientenbefragung gibt es immer Höchstwerte für das Team.


Schulungen

Um beim Hol- und Bringdienst zu arbeiten, muss man Schulungen machen, etwa zum Brandschutzwart oder zum Flugplatzbetriebs- und Einsatzleiter. Denn manche Notfall-Patienten kommen per Hubschrauber ins Klinikum: „Dann müssen die Mitarbeiter die genauen Abläufe kennen und in der Sekunde wissen, was zu tun ist“, berichtet der Kaufmännische Standortleiter Dipl. KH-Betriebswirt Franz Waldecker als zuständiger Dienststellenleiter. Auch Erste-Hilfe-Kenntnisse sind notwendig. Darauf wird großer Wert gelegt, regelmäßig werden Kurse für die Kollegin- nen und Kollegen organisiert. Angeboten werden auch Schulungen, wie man mit aggressiven Patienten umgehen soll: „Manche werden richtig ungehalten, wenn sie warten müssen“, wissen die Transportdienstmitarbeiter aus eige- ner Erfahrung. Auch über Hygiene-Richtlinien muss man genau Bescheid wissen: Wie verhält man sich bei Infekti- onspatienten? Welche Vorsichtsmaßnahmen muss man bei deren Transport treffen? Was muss man dann anzie- hen? Oder was ist zu tun, wenn beim Transport von Zytostatika etwas verschüttet wird? Dazu hat etwa die Be- triebsärztin eine Schulung veranstaltet. Dass man sich in diesem Job weiterbilden kann, schätzen die Mitarbeiter: Man kann sich weiterentwickeln und lernt viel Spannendes dazu. Und man kann in viele Bereiche hineinschnuppern und vielleicht später eine Zusatz-Ausbildung machen, etwa zum OP-Assistenten. Ein Beruf mit Potenzial also. Und ohne den Hol- und Bringdienst würde die Arbeit im Klinikum sehr schnell ins Stocken geraten. 365 Tage im Jahr sorgt das Team dafür, dass es

Patienten, Ärzten und Pflegepersonal an nichts fehlt. Und geht dafür gerne gut 15 km pro Tag durch das ganze Klinikum.


Karin Schrammel

erschienen in WIR INTERN 01/2019