ABTEILUNG

Ein sicherer Hafen

Wenn Frauen ein Kind erwarten, an Inkontinenz leiden oder an einem Tumor erkrankt sind, dann suchen sie die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im LK Korneuburg auf.

(v.l.) OA Dr. Markus Lipovac, OÄ Dr. Julia Herzog, Stationsleiterin DGKP Eunice Wolfsdorf (stehend) und Abteilungsvorstand Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Imhof

Sie kommen auf die Station, wenn sie neues Leben in sich tragen und während der Schwangerschaft Probleme haben. Aber auch, wenn etwas mit Gebärmutter oder Eierstöcken nicht in Ordnung ist. Und letztendlich finden sie sich dort ein, um ein Kind auf die Welt zu bringen. Denn auf jener Abteilung steht ausschließlich eines im Vordergrund: das Wohl der Frau.

Patientinnen, die auf der Station für Frauenheilkunde behandelt werden müssen, leiden oft an Erkrankungen, die einer Operation bedürfen. Häufig spielt der Beckenboden eine Rolle. Inkontinenz ist eine mögliche Folge davon, die Frauen lei- den meist sehr darunter. Die Abteilung ist eigens dafür Mitglied des Beckenbodenzentrums in Korneuburg. In eigenen Sit- zungen stellt Primar Univ.-Prof. Dr. Martin Imhof die einzelnen Fälle vor; gemeinsam sucht das Team dann nach der best- möglichen Therapie. Manchmal ist eine OP wie die Entfernung der Gebärmutter notwendig, manchmal ist Physiotherapie die richtige Lösung. Und manchmal spielt auch die Psyche eine Rolle, dann werden psychosomatische Komponenten in die Therapie mit einbezogen. Und der Erfolg, erzählt Imhof, ist sichtbar: „Inkontinenz nur in klassischer Form zu behandeln bringt oft nicht den erwünschten Erfolg. Die klassische Therapie in Kombination mit Psychosomatik greift oft viel besser.“


Fruchtbar trotz Tumor

Imhof arbeitete viele Jahre im Wiener AKH, wo er zuerst die chirurgische und dann die gynäkologische Ausbildung absol- vierte. 2007 kam er nach Korneuburg, 2009 übernahm er die Leitung der Abteilung. Schon lange beschäftigte er sich mit der Tumortherapie und damit, die Fruchtbarkeit bei Tumorpatientinnen zu erhalten. Beides ist ein Schwerpunkt auf der Sta- tion für Frauenheilkunde. Ist eine Tumor-Operation überstanden, werden die Patientinnen auf der Station weiterbetreut. Dort findet dann die Tumornachsorge, zum Beispiel die Chemotherapie, statt. Das sorgt einerseits dafür, dass schädliche Zel- len zerstört werden – gleichzeitig beschädigt es aber auch gesundes Körpergewebe wie etwa die Eierstöcke. In Korneu- burg wird eine neue und ungewöhnliche Methode angewandt, um Frauen trotz Tumor den Kinderwunsch und eine hormo- nelle Versorgung zu sichern: Ein Teil des Eierstockgewebes wird entnommen und in einer Gewebebank eingefroren. Ist die Krankheit überstanden und es besteht der Wunsch nach einer Schwangerschaft, kann das Gewebe wieder eingesetzt wer- den. Das hat Vorteile etwa im Vergleich zu einzelnen Eiern, die ebenfalls entnommen werden könnten: Denn bei dieser Me- thode wird nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch die hormonelle Aktivität im Eierstock gesichert. Die Frauenheilkunde betreut mittlerweile Patientinnen aus ganz Ostösterreich.


Intime Geburt

Ein weiterer Schwerpunkt auf der Abteilung ist die sogenannte Schlüssellochchirurgie. Eingesetzt wird diese schonende OP-Methode zum Beispiel bei der Entfernung der Gebärmutter oder bei einem frühen Verlust einer Schwangerschaft. Durch ein kleines Rohr, das über den Nabel in den Bauch geschoben wird, operiert der Chirurg – der Bauch bleibt damit unbehelligt und es bleibt keine große Narbe zurück. Verwendet wird diese minimal-invasive Methode auch dann, wenn Eier im Eierstock „feststecken“ – das, erzählt Imhof, komme immer häufiger vor. Durch die hormonelle Veränderung bedingt durch ein zunehmend leistungsbezogenes Leben bleibt der Eisprung aus und die Eier sammeln sich im Eierstock. Entsteht ein Kinderwunsch, hilft die schonende OP-Methode dabei, die Eier abzusaugen, was relativ schnell zum gewünschten Er- folg – sprich zur Schwangerschaft – führt.

Neben der Frauenheilkunde befindet sich auch die Geburtshilfe auf der Station. Hier kommen vor allem die Hebammen zum Einsatz, die „die Mütter umfassend versorgen“, sagt Imhof. Wichtig ist dem Mediziner vor allem, dass die Geburt in einem möglichst intimen Umfeld stattfindet. Wenn im Fall der Fälle dringend ein Kaiserschnitt notwendig ist, geht das sehr schnell, denn der Kreissaal befindet sich neben dem OP. Auch sonst ist das Team für alle Eventualitäten gerüstet: „Wir trai- nieren regelmäßig die Abläufe eines Notkaiserschnittes und auch die Reanimation von Neugeborenen.“ In einem Notfall sind sofort ein Anästhesist und ein Kinderarzt zur Stelle; sie bringen das Kind in ein Intensivbett, das immer verfügbar ist.


Große Vertrautheit

Viele Patientinnen, die sich auf der Abteilung für Frauenheilkunde befinden, leiden nicht nur an den körperlichen Be- schwerden, sie beschäftigt oft auch vieles rund um ihre Erkrankung. Daher, erzählt DGKP Eunice Wolfsdorf, Stationsleitung der Frauenheilkunde, herrscht zusätzlich ein hoher Bedarf an seelischer Pflege. Auch Beschwerden während der Schwan- gerschaft können Angst hervorrufen. Erhält die Patientin eine Chemotherapie, überwacht die Pflege den gesamten Ablauf – denn immer wieder können unerwünschte Reaktionen auftreten. Viele junge Patientinnen, erzählt Wolfsdorf, werden hier betreut: „Gerade sie wirft die Diagnose Krebs zurück.“ Um die psychischen Herausforderungen, mit denen die Patientin- nen auf der Station häufig zu kämpfen haben, besser zu bewältigen, ist es Wolfsdorf sehr wichtig, dass der Umgang ein sehr menschlicher ist.

Die gebürtige Südafrikanerin arbeitet seit mehr als 40 Jahren als diplomierte Krankenschwester und Hebamme – gerade Tumorpatientinnen begleiten sie und ihre Kolleginnen oft über viele Jahre. Wichtig ist ihr dabei, dass diese Frauen sich auf der Station in Sicherheit wiegen können: „Wir sind wie ein sicherer Hafen. Wenn Patientinnen ein Problem haben, dann ru- fen sie an und wir helfen ihnen weiter. Es herrscht viel Vertrautheit zwischen Pflege und Patientinnen“, sagt Wolfsdorf.

Das Schönste für Stationsleitung Wolfsdorf und Primar Imhof ist es, wenn die Patientinnen zufrieden sind. Bis dahin gilt es, sie in allen Lebenslagen zu begleiten – die Genesung gleiche dabei oft einer Achterbahnfahrt: „An manchen Tagen lachen wir mit den Patientinnen und an manchen Tagen weinen wir mit ihnen. Es ist wichtig, dass jemand mit ihnen diesen Weg geht“, erzählt Wolfsdorf. Für Imhof ist das Glücksgefühl hoch, wenn ein Tumor erfolgreich behandelt wurde und ihm und seinem Team Freude und Dankbarkeit entgegenkommt. Besonders schöne Momente erlebt der Mediziner mit seinem Team ständig auf der Geburtshilfe – wenn ein neues Leben beginnt.


Daniela Rittmannsberger

Aufgaben & Kompetenzen


Die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im LK Korneuburg behandelt sämtliche frauenspezifische Erkrankungen un- d bietet einen familiären Rahmen für die Geburt eines Kindes. Ein Großteil der gynäkologischen Operationen wird mittels Laparoskopi- e durchgeführt. Die Entfernung von Tumoren wie Eierstock-, Gebärmutter- und Brustkrebs ist ein weiterer Schwerpunkt. Um auch nac- h einer solchen Erkrankung fruchtbar zu sein, gibt es spezielle Methoden zur Fertilitätserhaltung. Probleme des weiblichen Beckenb- odens werden im Beckenbodenzentrum versorgt. Zusätzlich gibt es psychologische Hilfe bei psychosomatischen Beschwerde- n.

Informationen: www.korneuburg.lknoe.at

erschienen in WIR INTERN 04/2018