UNSER WEG - PALLIDOC

Gemeinsames Werkzeug 

Für die Palliativversorgung in Niederösterreich haben die Teams, egal wo sie arbeiten, ein gemeinsames Werkzeug: PalliDoc®

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Die Palliativversorgung in NÖ

Pallium (lat.) = Mantel, ummanteln. Palliative Care ist Philosophie und Versorgungskonzept interprofessioneller und mitmenschlich-soli- darische Sorge und Umsorge. Ziel der Palliativ- betreuung ist, schwerkranken und sterbenden Menschen für die verbleibende Lebenszeit viel Lebensqualität zu ermöglichen – durch Schmerzlinderung Symptom-Kontrolle und ganzheitliche Begleitung. In den 90er Jahren entstanden in Niederösterreich zahlreiche Ein- zelinitiativen und Pilotprojekte dafür.

Das NÖGUS-Reformpool-Projekt „Integrierte Palliativ- und Hospizversorgung“ (2006–2012) war ein Meilenstein. So entwickelte sich in NÖ durch verschiedene Beiträge ein immer dich- teres Netz aus intra- und extramuralen Struk- turen hin zu einer abgestuften, integrierten und flächendeckenden Versorgung.


Die derzeitige Struktur in NÖ

6.000 Menschen pro Jahr werden in der

Palliativversorgung betreut –   Betroffene

und ihre An- und Zugehörigen.

• Gesamt gibt es 23 mobil tätige Palliativ

strukturen, mit unterschiedlichen

Standorten in den NÖ Kliniken (15), an

Landespflegeheimen (3) und Vereinen  (5)

Palliativstationen für Patienten in beson-

ders komplexen und schwierigen   Situatio

nen gibt es derzeit in sechs Landes- und

Universitätskliniken.

• 31 mobile Hospizteams unterstützen durch

ehrenamtliche psychosoziale   Begleitung.


Palliativversorgung ist eine Aufgabe, für die verschiedene Berufsgruppen eng zusammen- arbeiten. Viele der Involvierten haben Spezial- ausbildungen absolviert:

• Ärztinnen und Ärzte (Fachärzte, Hausärzte)

• Pflegefachkräfte

• Sozialarbeiterinnen und -arbeiter

• Psychologinnen und Psychologen

• Physiotherapeutinnen und -therapeuten

• Seelsorge

• Ehrenamtliche

Früher war das normal: Menschen bleiben bis zu ihrem Tod zu Hause und werden auf ihrem letzten Weg von Familie und Freunden begleitet. Im vori- gen Jahrhundert wurde das Sterben immer mehr technisiert und in Kranken- häuser verlagert. Bis in den 1960er Jahren über die Hospizbewegung in Eng- land wieder ein Gegentrend einsetzte: Medizin und Pflege entwickelten im- mer bessere Methoden zur Schmerzlinderung und Symptomkontrolle für die letzten Wochen und Tage vor allem von Krebspatienten. Das ermöglichte im- mer mehr Menschen, mit möglichst guter Lebensqualität so lange wie mög- lich zu Hause leben und dort auch  sterben zu können. Seit den 1980er Jahren entstanden auch in Niederösterreich Hospiz- und Palliativ-Vereine, verschie- dene Konzepte zur mobilen und stationären Betreuung wurden entwickelt. Pilotprojekte wurden ermöglicht und evaluiert. Immer mehr Menschen setz- ten sich für eine verbesserte umfassende Betreuung – derer, die es brauchen – ein. Niederösterreich war Vorreiter (siehe Infokasten).

Heute gibt es 23 mobil tätige Palliativstrukturen flächendeckend in ganz Nie- derösterreich. 17 Teams unterstützen als kombinierte Teams (Palliativkonsili- ardienst und mobiles Palliativteam) die professionellen Akteure aller Gesund- heitsstrukturen, Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen. Ein Werkzeug, das sie verbindet: das Dokumentations-, Kommunikations- und Qualitätssicherungsinstrument PalliDoc®.


Vielfältiger Nutzen

Denn diese Teams bestehen aus Menschen verschiedener Berufsgruppen und ihre Angebote richten sich an Betroffene und ihre Familien sowohl sta- tionär als auch ambulant: Menschen werden dort palliativ versorgt, wo sie sein möchten und können.  Zum Beispiel nach einer Krebsbehandlung im Klinikum, danach zu Hause, bei einzelnen Ereignissen wieder im Klinikum und zum Schluss zu Hause. Das bedeutet, dass alle Berufsgruppen immer über die genaue Diagnose, den Verlauf der Behandlung und die Medikation informiert sein müssen, ob der Patient nun gerade im Klinikum oder zu Hau- se betreut wird.

Nicht so einfach, weil viele unterschiedliche Strukturen des Gesundheitssys- tems und Berufsgruppen beteiligt sind. In Österreich war kein System verfüg- bar, das die Voraussetzungen erfüllte. Doch in Deutschland gab es ein Werk- zeug, das von 200 ambulanten Teams verwendet wurde. Daraus entwickelte eine Softwarefirma in enger Kooperation mit zwei Pilotteams aus Niederös- terreich das elektronische Dokumentations-, Kommunikations- und Quali- tätssicherungsinstrument PalliDoc®. Mag. Helga Zellhofer, in der NÖ Lan- deskliniken-Holding und dem NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) zuständig für die Palliativversorgung Niederösterreich: „Dass bei uns die Pal- liativversorgung und auch PalliDoc® so wachsen hat können, liegt an der Un- terstützung von allen Seiten und Ebenen.“


An Bedarf angepasst

Bis es soweit war, leisteten die Pilotteams einen wichtigen Part, weil sie hal- fen, das deutsche System auf Österreich umzulegen und an den Bedarf der heimischen Teams anzupassen: In Waidhofen/Ybbs koordinierten Evelyn Heymans und Anna Krendl das Pilotprojekt – und waren von Anfang an be- geistert von den Erleichterungen wie einfachere und qualitätsvollere Doku- mentation mit weniger Aufwand, sowie dass man immer alle wichtigen Infor- mationen bei der Hand hat. Den Löwenanteil der System-Anpassung hat das Horner Team um die Palliativ-Expertin und Sozialarbeiterin Mag. (FH) Ange- lina Falkner und Palliativteam-Koordinatorin Gertraud Busta, MSc, geleistet. Zahllose Stunden an Arbeit investierten die engagierten Frauen, viel Herzblut und Wissen. Teammitglieder mussten geschult, Daten geprüft, viele Parame- ter angepasst werden: „Jedes Teammitglied soll die Arbeit bestmöglich abbil- den können. PalliDoc® unterstützt dabei in vielen Arbeitsschritten“, sagt An- gelina Falkner. Das Werkzeug für die Palliativversorgung entstand in mehre- ren Schritten und unter professioneller und wissenschaftlicher Begleitung: Nach den Pilotprojekten in Waidhofen/Ybbs und Horn evaluierten es Fokus- gruppen und entwickelten es wieder ein Stück weiter. Dann folgte ein zweiter Pilot in der Region Waldviertel. Die Systemeinführung wird durch spezifische Anwenderschulungen inklusive Workshops und Nutzer-Handbuch begleitet. Nun ist PalliDoc® bereits im Regelbetrieb bei 20 Teams im Einsatz, der Roll- out in diesen Teams ist abgeschlossen.

Fertig ist PalliDoc® aber noch nicht: Bei Qualitätszirkeln wie zuletzt am 13. Juni 2017 geht es um die laufende Weiterentwicklung, sagt Zellhofer: „Es ist ein Instrument, das gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern an einen sich verändernden Bedarf angepasst werden kann.“ Entscheidend ist, dass die Mitarbeitenden immer alle Informationen bei der Hand haben – ob nun im Klinikum oder unterwegs bei einer Familie.

PALLIDOC

Das Dokumentations-, Kommunikati- ons- und Qualitätssicherungs-Instru- ment

PalliDoc® ermöglicht mobil und statio- när tätigen Palliativkonsiliardiensten bzw. Palliativteams in verschiedenen Einrichtungen interprofessionelles Ar- beiten auf einer gemeinsamen einheitli- chen Plattform. Damit haben auch Teams, die unterwegs arbeiten, alle nöti- gen Informationen bei der Hand, und zwar unabhängig vom Ort, an dem sie arbeiten. Schulungskonzepte und ein Anwenderhandbuch für alle Berufsgrup- pen ergänzen das Programm. PalliDoc® steht allen Berufsgruppen zur Verfügung – Ärzten ebenso wie Sozialarbeitern, Pflegekräften und Therapeuten. Neben der Dokumentation kann PalliDoc® auch als Wissensspeicher genutzt wer- den, denn man kann Behandlungspläne und evidenzbasiertes Fachwissen hinter- legen, symptombezogen und passend für alle beteiligten Berufsgruppen.