UNSER WEG - ABTEILUNG

Die Spitzenleister

Das Klinische Institut für Radiologie im Universitätsklinikum Tulln leistet neben der Versorgung des Klinikums auch die hoch effiziente Schwerpunkt-Versorgung mit Neuroradiologie.

Ein Teil des Teams der Tullner Radiologie: (v.l.) stehend: Barbara Ganster, BSc, Ursula Marchhart, Christian Hlavacek, Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Našel, OA Dr. Christian Filip und Heinz Preiß; sitzend: Ass. Dr. Diana Simon und Karoline Rizzi

Dass er nach Tulln gekommen ist, liegt für den Leiter des Klinischen Instituts für Radiolo- gie, Prim. Univ.- Prof. Dr. Christian Našel, an einem besonderen Mann, einem Pionier in Sachen Schlaganfallversorgung in Österreich: Prim. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Brainin, der die Neurologie im Universitätsklinikum Tulln leitet. Denn Našel (gesprochen mit „sch“) ist ein wissbegieriger Mensch, der gerne forscht und sich schon immer für das Gehirn interessiert hat. Der knapp 50-Jährige hatte bereits 15 Jahre in der diagnostischen und interventionellen Neuroradiologie im Wiener AKH gearbeitet, als in Niederösterreich von 2007 bis 2008 die Neurologie von Gugging nach Tulln übersiedelte, und mit ihr Micha- el Brainin. Als die Radiologie in Tulln ausgeschrieben wurde, zögerte Našel, der seit 1984 in der Hirnkreislaufforschung tätig ist, nicht lange mit seiner Berwerbung. Er hatte Brainin davor „nur lose gekannt, aber es hat sofort gut funktioniert“. So kam Našel 2008 nach Tulln – und ist hier richtig gern.

Mit seinen sieben Ärztinnen und Ärzten sowie 20 Radiotechnologen bewältigt er, was an Leistungen benötigt wird – und das mit viel Einsatz und Engagement. „Das Gehirn kann nicht warten, wenn die Blutversorgung unterbrochen ist. Da müssen wir ausrücken, auch wenn es mitten in der Nacht ist und schneit.“ Denn das Team, das Nachtdienst hat, muss frei bleiben, schließlich versorgt Tulln die Region, beispielsweise auch als Unfall-Kranken- haus. Neben der Versorgung des Klinikums mit sämtlichen radiologischen Leistungen (sie- he Infobox) unterstützt es das LK Klosterneuburg mit Teleradiologie und ist mit im Boot beim neurologischen Konsiliardienst in Korneuburg-Stockerau.


Gehirn-Spezialisten

Für die neuroradiologische Arbeit mit Eingriffen direkt in die Blutversorgung des Gehirns ist Tulln das Spezialhaus für ganz Niederösterreich. Ein bisschen stolz ist Našel schon auf die Fähigkeiten seines Teams im neuroradiologischen Schwerpunkt: „Die Diagnostik beim Schlaganfall machen wir fast ausschließlich am MR und liefern meist schon nach zehn Mi- nuten die Diagnose.“ Bei den Perfusionsmessungen kann man sehen, wie die Durchblu- tung im Gehirn funktioniert und wie viel der Gehirnsubstanz bei einem Schlaganfall be- reits durch die fehlende Durchblutung zerstört ist. Die Eingriffe per Katheter-Angiografie gehören zur absoluten Spitzenmedizin: „Wenn große Teile des Gehirns absterben, wird man ein Pflegefall. Das motiviert, rasch für eine wieder funktionierende Durchblutung zu sorgen. Dafür gehen wir mit einem Mikrokatheter ins Gehirn und holen das Blutgerinnsel, den Thrombus, heraus.“ Klingt logisch und gleichzeitig verstörend – über die Blutbahnen Werkzeuge ins Gehirn schieben? Kein schöner Gedanke – aber im Ernstfall rasch und le- bensrettend.


Forschung & Expertise

Mit seinen Expertinnen und Experten hat Našel „viele neuroradiologische Verfahren ent- wickelt“, berichtet er. Die Liste der wissenschaftlichen Publikationen ist beeindruckend. „Wir publizieren sehr viel, laufend, auch in Top-Journalen.“ 15 Jahre jung war der jüngste Schlaganfall-Patient, mit dem die Tullner Radiologie es zu tun hatte. Im Schnitt 30 wirklich schwere Eingriffe haben sie pro Jahr auf dem Behandlungstisch. Wenn es nach Našel geht, sollten viel mehr Schlaganfall-Betroffene die Vorteile dieser Mikrointerventionen genießen können. „Der Ausbau der interventionellen Radiologie ist unser besonderes Anliegen, weil wir da so viel für die Patienten erreichen können.“ Noch dazu, weil leicht nachweisbar ist, wie sehr sich diese Eingriffe lohnen: „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass jeder zweite Patient davon profitiert – während es bei anderen Behandlungsmethoden oft nur jeder fünfte bis siebente ist.“

Forschung und Lehre sind dem Leiter des Klinischen Instituts besonders wichtig. An der Medizinischen Universität Wien hat er selbst vorgetragen und auch zahlreiche Diplomar- beiten betreut. Die Arbeit für die Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) sieht er als positi- ve Erweiterung seiner Tätigkeiten an, er ist Leiter der Uni-Klinik. „Diese Arbeit ist eine Chance. Wir sind offen für Studierende und für Forschung.“ Für die KL bietet er eine Workstation an, in der ein Facharzt einen ganzen Tag lang Fälle mit Studierenden bearbei- tet. „Das ist zwar schwer zu managen, aber enorm wichtig. Ich bin meinem Team sehr dankbar für das Erstellen der Fälle. Wir hosten die gesamte Radiologie-Ausbildung in Tulln.“ Diese Arbeiten seien auch für sein Team eine Chance zu lernen.


Tatkräftige Unterstützung

Leitender Radiologietechnologe im Uniklinikum Tulln ist Heinz Preiß, der mit seinem Team den 24-Stunden-Betrieb an 365 Tagen im Jahr aufrecht erhält. „Bei uns ist jeder Mit- arbeitende ein Universalist“, berichtet er. Durch die Rotation in den Tätigkeitsbereichen schafft er es, dass alle immer am Stand des Wissens und überall einsetzbar sind, sagt Preiß. „Natürlich haben wir auch Spezialisten. Aber es wäre doch schade, wenn jemand nur in einem Bereich arbeiten würde. Und so wird bestimmt niemandem langweilig“, schmun- zelt er. So stehen auch laufend Schulungen an, wenn es Neuerungen gibt – wie derzeit am neuen CT.

Für die Radiotechologie-Studierenden aus den Fachhochschulen Wien und Wiener Neu- stadt bietet Preiß Praktikumsplätze an, und auch für die Ausbildung der Medizinischen As- sistenzberufe der Schule im Uniklinikum St. Pölten ist seine Abteilung gefragt. Immerhin kann man hier besonders gut an komplexen Angiografien mitarbeiten.

Preiß bezeichnet sich als „Spätberufener“, erst 1996 hat er begonnen. Dass der Beruf Medi- zin und Technik vereint, liegt ihm besonders. „Ich wollte immer schon die Hintergründe verstehen“, erklärt er seine Faszination. Und sieht seine Arbeit als „Fundament der Medi- zin: Gute Diagnostik ist einfach die Basis.“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Našel, Leiter des Klinischen Instituts für Radiologie

Heinz Preiß,  leitender

Radiologietechnologe

Das Team:

7 Ärztinnen & Ärzte

20 Radiologietechnolog-

innen & -technologen


AUFGABEN & KOMPETENZEN

Das Klinische Institut für Radio- logie im Uniklinikum Tulln bie- tet die vollständige Palette ra- diologischer Leistungen an. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Neuroradiologie: Mit rekanali- sierenden neurointerventionel- len Eingriffen versorgt die Abtei- lung ganz Niederösterreich. Das Institut ist zudem für die

Karl Landsteiner Privatuniversi- tät sowohl wissenschaftlich als auch in der medizinischen Aus- bildung tätig.

Leistungsangebot: gesamte Ma- gnetresonanztomographie (ins- besondere funktionelle Metho- den wie Perfusions-MRI etc.), Computertomographie, Angio- graphie (diagnostisch und inter- ventionell – Schwerpunkt reka- nalisierende Neurointervention, aber auch Becken-, Beininter- vention), die gesamte Palette des konventionellen Röntgens sowie Ultraschalldiagnostik

Informationen:

www.tulln.lknoe.at