SICHERHEIT

Sicher arbeiten

Impfungen sind eine wichtige präventive Maßnahme, besonders für Kliniken-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.

foto: istockphoto/ Alex Raths, felicitas mater- n

Dr. Gabriela Klamminger ist die zen- trale An- sprechper- son für alle arbeitsme- dizinischen Belange in der Stabs- stelle Infra- struktur Zen- trale.

Es dient allen: Sowohl zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken als auch zum Schutz der Patientinnen und Patienten verlangt die NÖ Landeskliniken-Holding in Abstim- mung mit der Abteilung für Personalangelegenheiten B vor Dienstantritt in einem NÖ Klinikum ei- nen Impf- oder Immunitätsnachweis – und folgt damit wie andere Bundesländer der Empfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit. Die aktualisierte Vorschrift „Ärztliche Untersuchung für die Beschäftigung in NÖ Landes- und Universitätskliniken“ (GS1-GAP-4/098-2018) ist seit 1. Okto- ber 2018 in Kraft. Grundsätzlich gelten für im Gesundheitswesen Tätige dieselben Empfehlungen, die für alle Erwachsenen im österreichischen Impfplan festgehalten sind- .


Besondere Sensibilität

Die NÖ Landeskliniken-Holding und das Land Niederösterreich legen größten Wert auf den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Patientinnen und Patienten. Impfungen sind eine wichtige präventive Maßnahme zum Schutz vor der Ansteckung mit bzw. der weiteren Übertra- gung von Infektionskrankheiten. Dr. Gabriela Klamminger, die zentrale Arbeitsmedizin-Koordinato- rin in der NÖ Landeskliniken-Holding, hat die neue Vorschrift federführend erarbeitet: „Gesund- heitsorganisationen haben eine besondere Verantwortung: Einerseits haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berufsbedingt ein höheres Risiko, sich mit einer Infektionskrankheit anzustecken, ande- rerseits sind insbesonders vulnerable Patientinnen und Patienten vor einer Ansteckung zu bewah- ren; es geht hier also auch um den sogenannten Herdenschutz, damit geschwächte Personen nicht angesteckt werden.

Verschiedene Krankheiten kann man neben der klassischen Tröpfchenübertragung auch durch Kontakt mit Blut, Stuhl oder Harn bekommen. Als ein Beispiel nennt die Arbeitsmedizinerin Hepat- itis B – schon durch eine kleine Nadelstichverletzung kann man sich anstecken. Erhöhte Brisanz erhielt dieses Thema zuletzt durch die Zunahme der Masern-Fallzahlen in den letzten Jahren, sagt Gabriela Klamminger: „Masern sind extrem gefährlich, insbesondere für Babys auf der Geburte- nstation oder für Menschen mit einem schwachen Immunsystem.“ Gemeinsam mit ihren Arbeitsme- dizin-Kolleginnen und -Kollegen der NÖ Kliniken plädierte sie dafür, schon bei der Einstellung neu- er Mitarbeitender den notwendigen Impf-Status einzufordern- .


Was neu ist

Wer in einem NÖ Klinikum zu arbeiten beginnt, muss nun den Impfschutz vor bzw. die Immunität gegen verschiedene Krankheitserreger nachweisen, konkret für Diphterie, Tetanus, Pertussis

(Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Masern, Mumps, Röteln, Varizellen (Feuchtblattern) sowie Hepatitis A und B. Der Impf- bzw. Immunitätsnachweis wird z. B. durch die Hausärztin, den Hausarzt ausgestellt. Für Tätigkeiten in besonders sensiblen Bereichen (Pädiatrie, Geriatrie, Infek- tionsabteilungen, Labor, ICU) sind ergänzende Impfungen bzw. Immunitätsnachweise erforderlich (Pneumokokken, Meningokokken). Die Impfindikation für diese Bereiche obliegt der Arbeitsmediz- inerin, dem Arbeitsmediziner im Klinikum. Zusätzlich zu den neuen Impf-Empfehlungen wurde in der neuen Vorschrift die ärztliche Einstellungsuntersuchung überarbeitet; der Harnbefund etwa ist weggefallen, sagt die erfahrene Ärztin: „Manche Untersuchungen sind nicht mehr notwendig und zeitgemäß.“ Was gleich bleibt: Zur Einstellungsuntersuchung muss man ein Lungenröntgen mit- nehmen, das nicht älter als sechs Monate sein darf- .

Auch Kurzzeitbeschäftigte wie Praktikanten, KPJ-Studierende, Famulanten etc. müssen den Impf- bzw. Immunitätsnachweis erbringen, allerdings ist – wie auch bisher – keine ärztliche Untersu- chung vorgesehen. Der Immunitätsnachweis kann entweder durch Bestätigung der Impfungen (Grundimmunisierung/Auffrischungen) oder durch einen positiven Antikörpertiter (nicht älter als ein Jahr, Ausnahme Hepatitis B: nicht älter als zehn Jahre +Wert >100) erfolgen. Auch in den NÖ Ge- sundheits- und Krankenpflegeschulen wird die Vorgabe analog umgesetzt und von den Schülerin- nen und Schülern der Nachweis gefordert- .

Dr. Susanne Kargl-Gruber, Arbeitsmedizinerin im LK Korneuburg-Stockerau und LK Hollabrunn, berichtet von durchwegs positiven ersten Erfahrungen mit den „neuen“ Einstellungserfordernissen: „Die zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kooperativ und bringen die erforderlichen Nachweise bei der Einstellungsuntersuchung mit. Viele von ihnen kennen ein ähnliches Prozedere schon aus anderen Bundesländern oder von Auslandspraktika, bei denen Immunitätsnachweise dieser Art schon seit Jahren Voraussetzung sind. Aus Sicht der Krankenhaushygiene und Arbeits- medizin ist die neue Vorschrift sehr zu begrüßen.“ Informationen zu den neuen Impf-Vorgaben er- halten Sie auch auf der Website des Landes NÖ und jener der NÖ Landeskliniken-Holding sowie bei den Arbeitsmedizinerinnen und -medizinern- .

Dr. Susanne Kargl-Gru- ber, Arbeits- medizinerin

im LK Kor- neuburg-

Stockerau und

LK Holla- brunn

„Nicht-Schaden-Prinzip“


Nach dem „Nicht-Schaden-Prinzip“ muss von Menschen, die in Gesundheitseinrichtungen arbeiten, e- in Immunstatus gemäß den Impf-Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen unab- dingbar eingefordert werden. Diese Forderung der Bioethikkommission unterstrich und beschloss d- er Oberste Sanitätsrat (OSR) in seiner Sitzung am 21. November 2015. In dem einstimmig angenommenen Beschluss des OSR wird festgehalten: „Die Aufgabe der Träger ist es, den Immunstatus der Menschen z- u erheben, diesen evident zu halten und die jeweiligen Konsequenzen zu ziehen.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

erschienen in WIR INTERN 06/2018