ABTEILUNG

Ambitioniert

Steigende Geburtenzahlen, schonende OP-Methoden, neues Endometriose-Zentrum: Die gynäkologische Abteilung im LK Melk setzt viele Schwerpunkte zur Frauengesundheit.

Einige Mitarbeiterinnen der Melker Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: (v.l.) Stationsleitung DGKP Melitta Stockinger, Bettina Schaffer (Ambulanz-Bereich), Maria Brack (leitende Hebamme), Gertrud Maier (Sekretariat) und DGKP Michaela Brunner (Bereich Säuglingszimmer)

Fotos: LK Melk

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Geburten verdoppelt. Waren es im Vorjahr 700, werden es heuer wohl circa 800. An der Melker Abteilung für Frauenheilkunde und Ge- burtshilfe ist man zurecht stolz auf diesen Zuwachs und Vertrauensbeweis. „Einen großen An- teil daran hat das ambitionierte Team, das die werdenden Mütter umsichtig begleitet“, sagt Abteilungsleiter Prim. Dr. Leopold Wanderer. DGKP Melitta Stockinger ist seit 1990 im Klini- kum tätig, seit acht Jahren Stationsleitung. Sie freut sich über den guten Ruf der Abteilung, auch über Bezirksgrenzen hinweg: „Wir werden immer als freundlich und kompetent bezeich- net.“ Ihr Team besteht aus vier Teilbereichen (Gyn-Ambulanz, Station, Kreißzimmer und Säuglingszimmer), die eng miteinander verknüpft sind. „Alle arbeiten gut zusammen, manche in zwei Bereichen, und helfen einander aus.“ Sie schätzt diese positive Stimmung sehr.


Individuelle Betreuung

Die leitende Hebamme Maria Brack ist seit 1980 im Landesklinikum tätig. Gemeinsam mit ih- ren Kolleginnen (männliche Hebammen sind nach wie vor selten) geht sie auf die Wünsche der Frauen ein und bietet eine individuelle Betreuung in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett. Worüber sie nach wie vor glücklich ist, ist der Umzug ins neue Haus vor zehn Jahren: „Das neue Haus ist großartig. Hier haben wir freundliche Räume, einen modernen Entbindungsbereich und vieles mehr. Alles glänzt, wir passen sehr gut darauf auf, denn wir schätzen es nach wie vor sehr.“ Entscheidend für die Sicherheit des Kindes ist auch die enge Zusammenarbeit mit den Kinderärzten. Für die Betreuung der Neugeborenen stehen zu jeder Tages- und Nachtzeit speziell ausgebildete Fachärztinnen und Fachärzte der Anästhe- sie und der Kinderheilkunde zur Verfügung. „Die interprofessionelle Zusammenarbeit funk- tioniert hervorragend“, freut sich Maria Brack.


Schwerpunkte

Primarius Wanderer leitet die Abteilung seit beinahe zehn Jahren, war davor Oberarzt im Uni- versitätsklinikum St. Pölten: „Ich kam genau zum Umzug ins neue Haus und bin mit der Infra- struktur hochzufrieden.“ Er hat einige Schwerpunkte gesetzt, beispielsweise die Pränataldia- gnostik. Spezielle Untersuchungen zeigen, ob beim Ungeborenen bestimmte Erkrankungen, Fehlbildungen oder Behinderungen vorliegen. „Wir führen mehrere tausend Untersuchungen pro Jahr durch. Zwei meiner Fachärzte sind sogenannte Stufe-2-Schaller, also Ultraschall-Ex- pertinnen und -Experten, wovon es österreichweit nur wenige gibt.“ Mit diesem Zertifikat, das in London und von der ÖGUM (Österreichische Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin) verliehen wird, sind sie berechtigt, spezielle Untersuchungen zu machen. Wanderer pflegt gute Kontakte zu Stufe-3-Zentren in Linz, Graz und zum SMZ Ost in Wien: „Wir sind auch im- mer wieder zu Fallbesprechungen eingeladen – ein wichtiges Standbein.“ Das Spektrum der Abteilung ist groß: Angefangen bei Organscreening und Herzultraschall, über sämtliche gynä- kologische Operationen per Knopflochchirurgie bis hin zu Gebärmutterentfernungen. Diese werden zu 90 Prozent vaginal (durch die Scheide) oder laparoskopisch (Knopflochchirurgie) durchgeführt, also ohne Bauchschnitt. Die Vorteile: Die Patientinnen haben weniger Schmer- zen und sind schneller wieder auf den Beinen. „Das machen nicht viele Kliniken“, sagt Wande- rer, „wir sind eines der wenigen Häuser in Österreich, die mit dieser OP-Methode auf der Homepage des Gesundheitsministeriums angeführt sind.“


Endometriose-Zentrum

Ein neues Standbein der Abteilung ist das erste EU-zertifizierte Endometriose-Zentrum in Niederösterreich, das hier im Zuge eines EU-Projekts des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) entstanden ist. Das Zentrum startete im November 2016 als Projekt und wird dem- nächst zertifiziert. Basis dafür ist der Wissensaustausch zwischen Wanderers Abteilung und dem Krankenhaus in Znaim (Tschechien), in dem in einem zertifizierten Zentrum führende Endometriose-Experten tätig sind. „Damit holen wir Know-how aus dem Nachbarland nach Niederösterreich und können Kapazitäten und Ressourcen in unserem Klinikum optimal nut- zen“, freut sich Wanderer. Bisher wurden rund 60 Patientinnen erfolgreich dort behandelt. Die Erkrankung Endometriose ist in vielen Fällen für unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich. Besonders schön: „Fünf Patientinnen konnten wir ihren Kinderwunsch erfüllen – vier von ih- nen sind auf natürlichem Weg und eine mithilfe künstlicher Befruchtung schwanger gewor- den“, berichtet Wanderer. Stolz macht ihn, die Zertifizierung in eineinhalb Jahren geschafft zu haben: „Das Team fährt zu Fortbildungen, Kongressen, lernt ständig neue Methoden zur bes- seren Diagnostik, ist immer am letzten Stand des Wissens, um die bestmögliche Diagnostik und Behandlung anzubieten.“

Die Arbeitszufriedenheit ist hoch, einige nehmen sogar lange Anfahrtswege in Kauf, berichtet Wanderer: „Ganz ehrlich, ich komme auch jeden Tag gerne her. Alle ziehen an einem Strang, um eine Versorgung auf hohem Niveau anzubieten.“ Auch Melitta Stockinger ist es wichtig zu betonen: „Alle sind sehr motiviert und interessiert an Fortbildungen. Wir organisieren auch selber Weiterbildungen im Haus, manchmal abteilungsübergreifend, zum Stillen oder zur Neugeborenen-Reanimation – das wird immer sehr gut angenommen.“

Abteilungsleiter

Prim. Dr. Leopold

Wanderer

Das Team:

(Dienstposten):

 Ärztinnen & Ärzte 14

Pflege: 32

• Hebammen: 10

AUFGABEN & KOMPETENZEN

Die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am LK Melk bietet nahezu das gesamte Behand- lungsspektrum der Gynäkologie: neben minimal invasiven Ver- fahren als tagesklinische Ein- griffe wie die Gebärmutterhöh- lenspiegelung oder diagnosti- sche Bauchspiegelung gehören die Behandlung von Endome- triose-Patientinnen, Operatio- nen zur Behebung des Harnver- lust mit und ohne Senkungs- operationen zum Standard. In der Ambulanz für Pränataldia- gnostik (pränatal = vorgeburt- lich) können zusätzlich zur nor- malen Schwangerenvorsorge weitere vorgeburtliche Untersu- chungen durchgeführt werden.


Informationen:

www.melk.lknoe.at

WIR INTERN stellt

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