PFA

Ein neuer Beruf mit Zukunft

Pflegefachassistenz heißt ein neuer Pflegeberuf mit zweijähriger Ausbildung: Man darf in den Kliniken auf Anweisung eigenständig arbeiten und sogar bei der Ausbildung des Nachwuchses mithelfen.

Üben, üben, üben: Und das zuerst an Simulationspuppen und Kolleginnen, bevor es während der Ausbildung in die Praktika im Klinikum geht: (v.l)

Gerlinde Penz, Stefanie Imler, Jennifer Brumüller und Michaela Schrottmeyer in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Horn.

Zahlreiche Arbeitsabläufe üben Pflegeschülerinnen und -schüler im Trainingszentrum der Pflegeschule Horn, damit im Klinikum dann jeder Handgriff sitzt.

So kann man die Schu- lung von der PA zur PFA finanzieren


Wer Pflegeassistenz ist, kann die einjährige Qualifi- zierung zur Pflegefachassis- tenz an den NÖ Pflegeschu- len absolvieren. Die Bil- dungskosten trägt das Land NÖ. In der Ausbildungszeit ist man voll kranken- und pensionsversichert. Dieses Jahr geht allerdings nicht ohne finanzielle Einschrän- kungen. Ein mögliches Mo- dell ist die Bildungskarenz. Will man sich qualifizieren, braucht man die Bewilligung durch die Vorgesetzte, den Vorgesetzten. Und man muss das Aufnahme-Verfah- ren an der Pflegeschule durchlaufen. Danach steigt man allerdings von der Ge- haltsstufe NOG 6 auf NOG 8.


Berufsschutz durch Qualifi- zierung: Qualifizierte Arbeit- nehmerinnen und Arbeitneh- mer mit einer mindestens zweijährigen Ausbildung ge- nießen den Vorteil eines Be- rufsschutzes. Der Berufs- schutz ist in Zusammenhang mit der Pensionsgewährung wegen Berufsunfähigkeit von besonderer Bedeutung. Bei der Prüfung der Invalidität wird unter anderem auch ge- prüft, ob der gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte allenfalls noch andere, insbe- sondere leichtere „Verwei- sungstätigkeiten“ verrichten kann. Bei qualifizierten Ar- beitnehmern ist die Zahl der Verweisungstätigkeiten deut- lich geringer.

Zwei Jahre Ausbildung statt einem Jahr. Und dann nicht nur unter Aufsicht am Krankenbett arbei- ten, sondern selbständig – das ermöglicht der neue Beruf der Pflegefachassistenz (PFA). Wer be- reits Pflegeassistenz ist (PA), braucht nur ein Aufbaujahr, um in einer besseren Gehaltsstufe zu ar- beiten (genau zwischen dem diplomierten Dienst und der PA) und auch mehr Verantwortung übernehmen zu können. Außerdem darf man als PFA den Nachwuchs mit ausbilden und einschu- len. Der Beruf Pflegefachassistenz ist so neu, dass es noch keine fertig ausgebildeten PFA gibt. Die ersten Frauen und Männer, die künftig diesen Titel führen werden, sind in den NÖ Pflegeschu- len noch mitten in der Ausbildung. Sie haben aber bereits Praktika absolviert – und sind begeis- tert. Wie die 52-jährige Gerlinde Penz, bisher Pflegeassistenz im LK Allentsteig in der Rehabilitati- on: „Ich wollte schon lange mehr Verantwortung übernehmen. Ein Jahr Lernen ist für mich jetzt genau richtig. Man ist als PFA einfach besser ausgebildet und hat mehr Kompetenzen.“ Penz macht die Ausbildung an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Horn. Im Praktikum war sie im LK Horn auf der chirurgischen Station, einer Pilot-Station, die den neuen Beruf in der Praxis erprobt.


Herausforderungen wachsen

Eingerichtet hat diese Pilot-Station Pflegedirektorin Mag. Elisabeth Klang, die das neue Berufsbild positiv bewertet: „PFA können einen wichtigen Beitrag für die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten leisten.“ Der Beruf der Pflegefachassistenz entstand mit der Novelle zum Gesund- heits- und Krankenpflege-Gesetz 2016 (GuKG-Novelle). Die PFA sollen helfen, die wachsenden Herausforderungen in den Kliniken gut zu bewältigen, indem sie mehr Qualifikation als die PA mit- bringen. Das ist aus drei Gründen nötig:

-Die GuKG-Novelle hat den Tätigkeitsbereich des gehobenen Dienstes stark ausgeweitet. Die diplomierten Pflegekräfte übernehmen daher vermehrt Aufgaben in Diagnostik undTherapie, die bisher Ärztinnen und Ärzte geleistet haben. Daher brauchen Diplompflegekräfte nun Entlas- tung.

-Generell wachsen die Herausforderungen für die Pflege: Die Aufenthaltsdauer in den Kliniken sinkt durch neue, schonendere Operationsmethoden. Die Patientinnen und Patienten bleiben also kürzer, die Pflege übernimmt dadurch mehr Management-Aufgaben, damit die Abläufe rei- bungslos funktionieren.

-Die Menschen werden älter – und brauchen in den späten Lebensjahren aufwändigere Pflege, wenn sie im Klinikum behandelt werden. Zum Beispiel, wenn sie dement sind oder mehrere Krankheiten haben. Auch dafür sind mehr Pflegekräfte mit hohem Können nötig.


Kompetenzen wachsen mit

Die PFA steht von der Ausbildung und den Tätigkeiten her zwischen den zwei schon seit Jahr- zehnten etablierten Gesundheitsberufen:

-zwischen dem gehobenen Dienst (diplomierte Pflegekräfte)

-und der PA (bisher Pflegehilfe)

PFA dürfen (im Gegensatz zur PA) jene Tätigkeiten, die ihnen übertragen werden, selbständig und eigenverantwortlich leisten. „Aber sie dürfen oder müssen selbst keine pflegerelevanten Ent- scheidungen treffen – die bleiben nach wie vor beim gehobenen Dienst“, erklärt Barbara Rupp- recht, MSc, interimistische Direktorin der Pflegeschule Neunkirchen. „Es ist somit ein Beruf, in dem man selbständig agieren kann, jedoch noch eine Instanz zur fachlichen Absicherung im Hin- tergrund hat.“


Gute Jobchancen

PFA werden künftig immer häufiger in den NÖ Kliniken arbeiten, erwartet die Horner Pflegedirek- torin Elisabeth Klang: „Die Pflege beobachtet den Patienten rund um die Uhr und baut so eine starke Beziehung zu ihm auf. Wir brauchen dafür gut ausgebildete Pflegekräfte. Daher werden künftig die PFA den gehobenen Dienst ergänzen, aber nicht ersetzen. Wir testen das in unserer Pilot-Station.“ Und Christa Grosz, Pflegedirektorin in Hochegg und Wiener Neustadt, ergänzt: „Wir haben derzeit sieben Pflegeassistentinnen in der verkürzten einjährigen Ausbildung zur PFA, die im Herbst fertig sind. Wir werden in unseren Pilot-Stationen in Hochegg und Wiener Neustadt im Frühjahr 2019 evaluieren, was sich verändert. Damit sind wir vorbereitet, wenn Mitte 2019 die ers- ten PFA kommen, die die zweijährige Ausbildung absolviert haben.“


Ausbildung mit Mehrwert

Bis dahin lernen die künftigen PFA in den Pflegeschulen ihre verantwortungsvollen Aufgaben und trainieren sie – zuerst in den Schulen und dann in den Pilot-Stationen der Kliniken. Noch ist alles neu im neuen Beruf. Deshalb arbeiten die Pflegeschulen und die Pflegedirektionen der Kliniken eng zusammen und tauschen sich laufend aus, berichtet Wolfgang Schrenk, Direktor der Pflege- schule in Horn: „Ich habe meinen Schülerinnen und Schülern gesagt: Ich weiß noch nicht genau, wo ihr arbeiten werdet. Aber wir bilden euch so aus, dass ihr es überall könnt. Dafür trainieren wir sehr praxisnah. Die Ausbildung ist fordernd. Aber auch eine große Chance.“


Riki Ritter-Börner

Das Berufsbild


Die Pflegefachassistenz unterstützt die Expertinnen und Experten des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ärztinnen und Ärzte. Sie steht in direktem und engem Kontakt mit Patientinnen und Patienten. Ihre Aufgaben sind unter anderem:

1.  Das eigenverantwortliche Durchführen der ihnen übertragenen Pflegemaßnahmen wie z. B.

-Mitwirken beim Pflegeassessment (hier wird die Pflege für den jeweiligen Menschen geplant) und Beobach- ten des Patienten

-Beobachten des Gesundheitszustandes sowie Information und Kommunikation

-Anleitung und Unterweisung von Auszubildenden der Pflegeassistenzberufe

2.  Das Handeln in Notfällen

3.  Die eigenverantwortliche Durchführung der ihnen übertragenen Tätigkeiten bei Diagnostik und Therapie, unter anderem:

-Durchführung standardisierter diagnostischer Programme wie EKG, EEG, Lungenfunktionstests etc.

-Legen und Entfernen von Magensonden

-Setzen und Entfernen von Blasenkathetern

-Ab- und Anschluss von laufenden Infusionen


Wo kann man mit dieser Ausbildung arbeiten?

-Krankenanstalten

-Pflege- und Betreuungszentren

-Arztpraxen und Gruppenpraxen

-Bereich der Hauskrankenpflege

Alles neu – die Ausbildungen


Die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz, die einjähri- ge Aufschulung zur Pflegefachassistenz und die einjährige Aus- bildung zur Pflegeassistenz nach dem Gesundheits- und Kran- kenpflegegesetz 2016 gibt es an den Schulen der NÖ Kliniken. Die Ausbildungskosten übernimmt das Land NÖ.


-Ausbildung Pflegefachassistenz

Dauer: 2 Jahre, 3.200 Stunden Theorie und Praxis

Voraussetzungen: gesundheitliche Eignung, Vertrauenswürdig- keit

(Strafregisterbescheinigung), mindestens zehn positiv absol- vierte Schulstufen, die erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache

Aufnahmeverfahren: Zulassungstest und Aufnahmegespräch


-Zweites Ausbildungsjahr zur Pflegefachassistenz für Pflegeas- sistenz/Pflegehilfe

Vollzeitausbildung: Dauer 1 Jahr, 1.600 Stunden Theorie und Praxis

Eine berufsbegleitende Variante für das zweite Ausbildungsjahr zur Pflegefachassistenz wird derzeit überlegt und geplant.

Voraussetzungen: gesundheitliche Eignung, Vertrauenswürdig- keit, Berechtigung zur Ausübung der Pflegeassistenz (Pflegehil- fe), die erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache

Aufnahmeverfahren: Zulassungstest und Aufnahmegespräch


-Ausbildung Pflegeassistenz

Dauer: 1 Jahr, 1.600 Stunden Theorie und Praxis

Voraussetzungen: gesundheitliche Eignung, Vertrauenswürdig- keit, mindestens neun positiv absolvierte Schulstufen oder die Pflichtschulabschluss-Prüfung, Mindestalter 17 Jahre, die erfor- derlichen Kenntnisse der deutschen Sprache, eine absolvierte berufliche Erstausbildung (z. B. Lehrabschluss, berufsbildende mittlere oder höhere Schule etc.)

Aufnahmeverfahren: Zulassungstest und Aufnahmegespräch


Informationen: www.pflegeschulen-noe.at