IM DIALOG

Ein neuer Kapitän

Die starke Flotte von 27 exzellenten Schiffen wird bald von einem neuen Mann auf der Brücke gesteuert: Dr. Robert Griessner übergibt die medizinische Geschäftsführung an Dr. Markus Klamminger.

In der 72. Holdingversammlung vom 18. Oktober 2017 wurde Dr. Markus Klamminger zum neuen Medizinischen Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding bestellt. LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf gratuliert ihm zur neuen Funktion.

Fotos: Philipp Monihart, citronenrot

Fotos: Katharina Gossow

„Es war eine wunderschöne Zeit mit einer spannenden Aufgabe.“

Dr. Robert Griessner


Dr. Robert Griessner, seit elf Jahren Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Lan- deskliniken-Holding, tritt mit Ende des Jahres in den Ruhestand. Der erfahrene Mediziner kennt die Holding seit ihren Anfängen, hat den Zusammenschluss der Kliniken gemanagt, umsichtig begleitet und aus den 27 Klinikstandorten gemein- sam mit dem Kaufmännischen Geschäftsführer Dipl. KH-BW Helmut Krenn ein Unternehmen geformt. Sein Nachfolger ist sein langjähriger Stellvertreter Dr. Mar- kus Klamminger: Im Hearing konnte dieser sich gegen drei Mitbewerber durchset- zen. Er wurde in der Holdingversammlung am 18. Oktober 2017 zum neuen Medi- zinischen Geschäftsführer bestellt. Am 1. Jänner 2018 wird Klamminger offiziell seinen Dienst antreten. Mit WIR INTERN sprechen die beiden über die vielen Jah- re der Zusammenarbeit, die größten Erfolge und über künftige Herausforderun- gen.


Dr. Griessner, Sie kennen die NÖ Kliniken schon länger, als es die NÖ Landeskli- niken-Holding gibt: Sie haben in Neunkirchen als Erster Oberarzt in der Abtei- lung für Anästhesie und später im NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) gearbeitet. In all den Jahren – was waren die wichtigsten Entwicklungen und Veränderungen im Gesundheitssystem?

Griessner: Im NÖGUS hatte ich die Chance, als Arzt alle Beteiligten einzubinden und gemeinsam Lösungen für die Entwicklung des Gesundheitssystems zu suchen – samt Ärzten, Pflegepersonal, Therapeuten, Selbsthilfe und Krankenhausträgern. Zu Beginn der NÖ Landeskliniken-Holding gab es lauter eigenständige Kranken- häuser mit verschiedenen Rechtsträgern, die teilweise gegeneinander gearbeitet haben. Unsere große Aufgabe war es, alle NÖ Krankenhäuser unter dem Dach der Holding zusammenzuführen. Ich sehe es als meinen größten Erfolg, dass aus 27 Klinikstandorten ein Unternehmen und ein Miteinander entstanden ist.


Wie haben Sie den Beginn der Holding in Erinnerung? Was waren damals, in der Phase der Übernahme aller NÖ Spitäler, die größten Herausforderungen?

Griessner: Damals hatten viele Menschen Angst, dass Häuser geschlossen wer- den, obwohl es eine Garantie-Erklärung des Landes zur Standortsicherung gab. Das Land hat bei der Übernahme aber die Verträge so gestaltet, dass sich nicht einmal ein Promille der Angestellten beschwert hat – ein großer Verdienst aller Be- teiligten und ein wichtiger Schritt am Beginn der Holding. Ich habe damals vor al- lem Chancen gesehen, zum Beispiel dass man die Ärzte-Ausbildung mit 27 Stand- orten unter einem Dach verbessern kann, weil eine Rotation in der Ausbildung möglich ist. Oder die Chance, gemeinsam an der Qualität der Versorgung zu arbei- ten und Standards für die Patienten durchzusetzen.


Wo stehen die Kliniken heute? Was waren die größten Erfolge?

Griessner: Qualität ist ein führendes Thema geworden. Niederösterreich ist es in einigen Bereichen gelungen, die Entwicklung der Gesundheitsversorgung in den Kliniken für ganz Österreich zu prägen, zum Beispiel im Qualitätsmanagement: Durch die Holding-Struktur konnten wir aus den Routinedaten ablesen, welche Abteilung wie gut arbeitet. A-IQI ist die für ganz Österreich passende Weiterent- wicklung eines Qualitätsmessungs-Instruments, das wir mit den deutschen Heli- os-Kliniken ursprünglich nur für die NÖ Landeskliniken-Holding entwickelt ha- ben. Dazu kommen die Peer Reviews, bei denen bei Qualitätsproblemen in einer Abteilung Primarärzte unterschiedlicher Häuser, also Kollegen, gemeinsam an der Verbesserung arbeiten. Das A-IQI-System in Kombination  mit den Peer Reviews ist ein wesentlicher Schritt für die Behandlungsqualität. In der Anfangszeit wäre es undenkbar gewesen, dass Daten klinikübergreifend offengelegt werden. Erfolgs- beispiele sind auch das präventive Risikomanagement, das Onkologie-Informati- ons-System (siehe Beitrag Seite 12) oder die Patientenbefragung. In vielen Berei- chen waren wir Vorreiter. Viele engagierte Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte haben sich eingebracht. Ich bin sehr dankbar für all das, was gelungen ist.


Klamminger: In den letzten zehn Jahren waren viele Strukturänderungen in den Kliniken notwendig: Einige Abteilungen wurden geschlossen oder verlegt, Prima- riate zusammengelegt, Schwerpunkte gesetzt, Abteilungen in Tageskliniken umge- wandelt. Als Chirurg freut es mich sehr, dass wir in Österreich das Bundesland mit dem höchsten Tagesklinik-Anteil bei den Behandlungen sind. Künftig wird es noch mehr Spezialisierungen in der Medizin geben, auch die Versorgungsdichte müssen wir uns anschauen. Auf der einen Seite muss die Akutversorgung der Be- völkerung weiterhin in vertretbarer Erreichbarkeit sichergestellt sein. Auf der an- deren Seite müssen wir Expertise und Spezialisierung dort bündeln, wo es sinnvoll und notwendig ist.


Sie arbeiten bereits seit fast 20 Jahren zusammen. Was sehen Sie als Stärken des jeweils anderen?

Klamminger: Ich bin schon lang unter Roberts Fittichen, war es bereits als LKF- Prüfarzt im NÖGUS. Unsere Zusammenarbeit war immer geprägt von Offenheit und Ehrlichkeit. Robert ist ein ähnlicher Typ wie ich, er lässt seinen Mitarbeitern Freiraum, damit sie sich entfalten können. Wir hatten natürlich auch Meinungs- verschiedenheiten und haben uns wie zwei Schiffe am Ozean auseinanderbewegt, aber als ich sein Stellvertreter wurde, haben wir uns wieder angenähert. Robert ist der Stratege, ich der Umsetzer – dadurch haben wir uns sehr gut ergänzt. Ich schätze ihn nicht nur als Chef, sondern auch als Menschen sehr.


Griessner: Das kann ich nur zurückgeben. Markus’ Stärke ist das Operative. Er hat die Zähigkeit, so lange zu verhandeln, bis weißer Rauch aufsteigt. Auch wenn mir die Geduld ausgegangen ist, hat er weitergeredet.


Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen im Kliniken-Bereich?

Klamminger: Die Onkologie beispielsweise ist ein Riesenthema. Bis zu welchem Erkrankungsstadium geben wir welches Medikament? Ethisch ein heikles Thema. Das Onkologie-Informations-System ist ein gutes Werkzeug, um die Qualität der Behandlung zu dokumentieren und auch zu verdeutlichen. Österreichweit übri- gens das einzige derartige Instrument. Auch der Ausbau der tagesklinischen Leis- tungen wird weitergehen. Eine weitere große Herausforderung ist die Zusammen- arbeit von Ärzten und Pflege: In den Abteilungen und Stationen geht es darum, die neu geschaffene Berufsgruppe der Pflegefachassistenz gut in die Abläufe zu inte- grieren und die Arbeit so zu verteilen, dass die diplomierten Kräfte die Ärzteschaft entlasten können.


Was sind die dringlichsten Aufgaben, um fit für die Zukunft zu sein?

Klamminger: Ein großes Anliegen ist es, Ärzte zu gewinnen, für die Kliniken eben- so wie für den niedergelassenen Bereich. Auch in der Peripherie muss die ärztliche Versorgung sichergestellt sein. Wir haben uns bei der Implementierung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) in Krems stark eingebracht, unsere drei Universitätskliniken sind für die universitäre Ausbildung der KL-Studierenden zuständig. Studierende aus anderen Universitäten können das Klinisch-Praktische Jahr in den NÖ Kliniken absolvieren. Die neue Ärzteaus- bildungsverordnung mit der Rotation hat uns vor Herausforderungen gestellt, aber unser Vorteil ist: Alle Häuser sind unter einem Dach, es gibt nur einen Dienstgeber. Daher haben wir die Chance, mit guter Ausbildung die Ärzte zu lu- krieren, die wir brauchen. Ich freue mich sehr, dass die Klinikleitungen beim Er- stellen von Ausbildungsclustern sehr gut zusammengearbeitet haben und inner- halb der Region zusammengerückt sind. Ein anderes Beispiel: Als wegen Verdacht auf Schimmelbefall im September die Badener Intensivstation geräumt werden musste, hat Mödling die Patienten sofort übernommen. Der Wille zur Zusammen- arbeit ist da, wird größer, aber man muss ihn stetig nähren.


Dr. Griessner, ein Abschied mit Wehmut?

Griessner: Nein. Es war eine wunderschöne Zeit mit einer spannenden Aufgabe, oft stressig und nicht immer einfach. Aber es war ein Abschnitt, der nun zu Ende geht. Nun habe ich mehr Zeit fürs Bergsteigen. Mich interessieren auch Kulturan- thropologie und Tiefenpsychologie – vielleicht werde ich auf der Uni einige Kurse belegen.


Klamminger: Ich werde sicher auf Roberts Expertise zurückgreifen, vielleicht wird er uns in einigen Projekten unterstützen.


Griessner (lacht): Aber nur als Berater.

Entstehung der NÖ Landeskliniken-Holding


Vor fünfzehn Jahren war das Land Niederöster- reich Rechtsträger von einigen Krankenhäusern (Mödling-Hinterbrühl, Mauer, Hochegg und Tulln), 2003 kam das a.ö. KH Baden in die Rechts- trägerschaft des Landes. Weitere Übernahmen zeichneten sich ab, da den Gemeinden die Kosten und die Verantwortung über den Kopf wuchsen. Deshalb entstand 2004 die NÖ Landeskliniken- Holding und wurde per Landesgesetz zum Fonds mit eigener Rechtspersönlichkeit. Bis 2008 kamen sukzessive alle weiteren NÖ Kliniken unter das Dach der NÖ Landeskliniken-Holding, die nun für die operative Betriebsführung der NÖ Kliniken verantwortlich ist. Strategische Steuerung und Ko- ordination des NÖ Gesundheitswesens liegen beim NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS). 

Dr. Markus Klamminger


Dr. Markus Klamminger

studierte Medizin an

der Universität Wien,

absolvierte die Turnus-

ausbildung zum Praktischen

Arzt im Krankenhaus

Krems. Dazwischen arbeitete

er gemeinsam mit seiner Frau

einige  Monate im Auftrag  der

UNO in einem Kurden-Camp

im Iran. Ihren ersten Hochzeitstag feierten sie im Flücht- lingslager. „Dort habe ich die ersten Splitter entfernt und entschieden, dass ich Chirurg werde“, sagt er. Die Fach- arzt-Ausbildung zum Chirurgen absolvierte Klamminger in Krems und wurde Oberarzt der Chirurgie. Mit knapp 40 Jahren wechselte er als Prüfarzt in den NÖ Gesund- heits- und Sozialfonds (NÖGUS). Dort lernte er Dr. Ro- bert Griessner kennen – und ist seither in enger Zusam- menarbeit mit ihm verbunden. Mit der Gründung der NÖ Landeskliniken-Holding übernahm Klamminger die damals noch sehr kleine Medizin-Abteilung. Seither ist die Abteilung gewachsen, heißt jetzt „Medizinische Be- triebsunterstützung“ und hat ein sehr breites Aufgaben- spektrum. Seit 2008 ist Klamminger zudem stellvertre- tender Medizinischer Geschäftsführer.

Klamminger wohnt in Senftenberg, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Klammingers Frau ist Schul- ärztin in Krems und zudem Arbeitsmedizinerin. Der 57- Jährige reist gern und hält seine Eindrücke in selbst ge- machten Fotobüchern fest.

Dr. Robert Griessner


Nach Abschluss seines

Medizinstudiums an der

Universität Wien absolvierte

der in Payerbach  (Bezirk

Neunkirchen) geborene und

heute in Ternitz wohnhafte

Griessner zunächst die

Turnusausbildung zum

Praktischen Arzt im

Krankenhaus Neunkirchen,

die Ausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin danach an der Universitätsklinik für An- ästhesiologie und Intensivmedizin am AKH Wien. Von 1986 bis 1992 war er Erster Oberarzt an der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus Neunkirchen. Außerdem belegte Griessner einen Univer- sitätslehrgang für Krankenhausmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien, den er mit einer Diplomar- beit zum Thema „Ärztliche Aufklärungspflicht“ ab- schloss. Von Juli 1996 bis Dezember 1997 arbeitete er als Konsulent der NÖ Landesregierung an der Einführung des neuen Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinan- zierungssystems (LKF-System) mit. Ab Juli 2002 war Griessner Geschäftsführer des NÖ Gesundheits- und So- zialfonds (NÖGUS), Bereich Gesundheit; von Juli 2004 bis September 2005 fungierte er auch als interimistischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding. Im Jänner 2007 folgte er Dr. Andrea Kdolsky als Medizini- scher Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding nach, die ins Gesundheitsministerium wechselte.


Der 63-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seine Frau unterrichtet Deutsch und Musik im BG Wiener Neustadt. In der Pension will er sich verstärkt seinen Hobbys widmen – dem Bergsteigen und der Kul- turanthropologie.

Ein Duo mit Erfahrung: Dr. Robert Griessner geht in den wohlverdienten Ruhestand und übergibt die medizinische Geschäftsführung an seinem langjährigen

Stellvertreter Dr. Markus Klamminger