UNSER WEG - IM DIALOG

LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf, Landesrat Mag. Karl Wilfing

"Spitzen-Expertise

in den Kliniken"

LR Mag. Karl Wilfing übergibt die Verantwortung für die NÖ Kliniken an LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf. Dieser sieht die NÖ Landeskliniken-Holding weniger als Supertanker denn als starke Flotte von 27 exzellenten Schiffen.

Herr LR Mag. Karl Wilfing: Nach vier Jahren auf hoher See und in stürmischen Gewässern: Was waren die wichtigsten Entwicklungen und Veränderungen?

Mag. Karl Wilfing: Am stärksten gefordert haben mich jene Kapitel, in denen es um die Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter ging.

Thema Ärztearbeitszeitgesetz: Zu den Antworten auf diesen von uns schon lange bearbeite- ten Bereich gehört die reduzierte Stundenzahl. Wir haben daher seit 2011 bereits 500 neue Ärztinnen und Ärzte eingestellt.

Thema Änderung der Berufsbilder: Wir hatten intensive Diskussionen rund um die Änderung des Pflegegesetzes und die geänderte Ausbildung. Denn die Berufsbilder im gesamten Ge- sundheitssystem verändern sich, und damit die Aufgaben jeder Berufsgruppe. Und gleichzei- tig haben wir neue Antworten entwickelt. Zum Beispiel die Servicekräfte, die zur Entlastung der Pflege die Essensausgabe und die Reinigungsarbeiten übernehmen, zum Beispiel in Waidhofen/Ybbs. Oder die Organisationskräfte in Hochegg, die sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Pflege entlasten.

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang bei unseren 20.500 Mitarbeiterinnen und Mitar- beitern sehr herzlich bedanken für die lösungsorientierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Im Vergleich zu Wien läuft es bei uns wirklich ruhig, in einem gemeinschaftlichen Bemühen von Politik, Land NÖ, NÖ Landeskliniken-Holding und Klinikstandorten. Das liegt daran, dass wir miteinander statt übereinander reden.

Thema medizinische Qualität: Neben den vielen Neubauten haben wir besonders im Bereich Onkologie viel auf den Weg gebracht – die Tumorboards und das Onkologie-Informations- system sind tatsächlich Meilensteine. MedAustron gehört auch genannt, mit dem wir zusam- menarbeiten. Um nur Stichworte zu weiteren wichtigen Themen zu sagen: Personalrecruit- ing, Ärzte-Ausbildung im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ) und in der neuen Turnusausbil- dung – hier bemühen wir uns sehr, dass junge Ärzte in unseren Häusern bleiben und weiter- hin für und mit uns arbeiten.

Thema Tageskliniken: Wir erledigen bereits acht Prozent der Behandlungen tagesklinisch, im Österreich-Schnitt sind es fünf Prozent. Hier sind wir also hervorragend aufgestellt.

Mein größter Stolz ist aber die Patienten-Zufriedenheit mit 95 von 100 möglichen Punkten in der Patientenbefragung, quer durch alle Berufsgruppen und Dienstleistungen – das ist Anreiz und Ansporn.


Herr LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf: Ein neuer Kapitän für den Supertanker „NÖ Landes- kliniken-Holding“: der größte Klinikbetreiber Österreichs mit 27 Klinikstandorten, mit circa 20.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, rund 8.000 Betten, rund 170.000 operati- ven Leistungen, 1,95 Millionen Belagstagen und rund 360.000 stationären Aufenthalten pro Jahr. Was steht in Ihrer Aufgabenliste ganz oben in der Agenda?

Dr. Stephan Pernkopf: Mit großer Demut übernehme ich die neue Aufgabe, weil es ein riesi- ger Verantwortungsbereich ist. Ich fühle mich bestens informiert über Chancen und Risiken: Die NÖ Landeskliniken-Holding ist weniger ein Supertanker als vielmehr eine starke Flotte von 27 kraftvollen Schiffen. Die Spitzen-Expertise liegt in den Händen der Menschen vor Ort.

Ich werde sämtliche Häuser so schnell wie möglich besuchen und vor allem zuhören, denn ich bin jemand, der zuerst zuhört und dann klare Entscheidungen trifft. Und ich freue mich auf die neuen Aufgaben.



Status quo & Rückblick

Wo stehen die Kliniken heute? Was waren Ihre größten Erfolge?

Wilfing: Die Kliniken sind exzellent aufgestellt: Zwei Zentral-Kliniken, sechs Schwerpunkt- Kliniken, Grundversorgungs-Kliniken und Spezial- und Rehabilitations-Kliniken – es gibt eine klare Zuordnung, welches Haus wofür steht. Der große Vorteil ist, dass wir in Niederös- terreich einen einzigen Kliniken-Träger haben, wodurch Konkurrenz zwischen Betreibern wegfällt. So können wir die Aufgaben gut abstimmen. Und wir können gewährleisten, dass fast 100 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 30 Minuten Erste Hilfe in einem Klinikum bekommen. Für spezielle Leistungen sind die Menschen gerne bereit, auch etwas weitere Wege in Kauf zu nehmen, wodurch wir garantiert alle nötigen Leistungen anbieten können. Und wir haben sehr motivierte Teams. Wir legen sehr großen Wert auf Fortbildungen – und sind damit europaweit ein Vorbild.Im Bereich Spitzenmedizin aus Niederösterreich hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan, ebenso im wissenschaftlichen Bereich, das merken wir vielfach – zum Beispiel in der Onkologie. Es gibt bei uns kein medizinisches Fach, in dem wir nicht Ärzte mit Weltgeltung vorweisen können und die neuesten Therapien anbieten. Das se- hen wir auch daran, dass Patienten weit über Niederösterreich hinaus zu uns kommen. Dies bewerten wir als höchste Anerkennung und Wertschätzung. Deshalb habe ich all die Arbei- ten für die NÖ Kliniken gern mitgetragen und kann sie nur empfehlen. Wir brauchen Spitze und Breite.


Wo sehen Sie die Herausforderungen im Kliniken-Bereich?

Pernkopf: Sie sind die besten Nahversorger unserer Bevölkerung mit Gesundheitsdienstleis- tungen und Spitzenmedizin. Die größte Herausforderung der kommenden Jahre ist die de- mografische Entwicklung. Die klare Perspektive für die 27 Standorte heißt: weiterentwickeln. Ich habe großen Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – egal wo, überall wird Spitzenarbeit geleistet. Die Holding sehe ich als Dienstleister für die 27 Standorte in Sachen Verwaltung, damit man sich in den Häusern um die Patienten kümmern kann. Der Vergleich mit anderen Ländern macht uns sicher. Wir sind da, um die Situation zu erkennen und zu verbessern.


Gesundheitlicher Nahversorger

Was hat sich in den letzten Jahren getan?

Wilfing: Sehr viel: Über den NÖGUS, die Initiative »Tut gut!« und die »Gesunden Gemein- den« habe ich sehr stark darauf geachtet, dass sich die Kliniken öffnen. So gibt es zum Bei- spiel die Fachvorträge »Treffpunkt Gesundheit« bewusst in den Kliniken, damit das Wissen in den Regionen zu den Menschen kommt. Wir sind Gesundheitsdienstleister vor Ort. Kleine Defizite, die ich erkannt habe, habe ich bewusst zu Schwerpunkten meiner Arbeit gemacht: Die Blutspende-Kampagne „lifesaver“ hat gezielt junge Menschen fürs Blutspenden gewor- ben. „Nein zum Keim“ hat das Bewusstsein für die Händedesinfektion in die Bevölkerung ge- tragen, und die Aktion „Movember“ das Bewusstsein für die nötige Prävention bei den Män- nern.


Wird es weitere Schwerpunkt-Themen geben?

Pernkopf: „lifesaver“ zeigt, wie breit das Thema Gesundheit ist, und dass jeder seinen Bei- trag dazu leisten kann. Und es ist ein Beispiel für den gesunden Zusammenhalt in der Gesell- schaft. Die Vitalküche in den Kliniken ist vorbildlich: 75 Prozent der Produkte werden regio- nal und lokal eingekauft, 30 Prozent in Bio-Qualität. Das sichert wichtige Arbeitsplätze vor Ort. Auch im Baugewerbe tun das die Kliniken. Ich bin sehr dankbar, dass hier so viel Wert auf regionale Kreisläufe gelegt wird. Das ist ein großer Wert für die Gesellschaft. Regionalität bringt auch Konsumentensicherheit. Möglichst viel vor Ort und frisch einzukaufen bedeutet auch: Da stimmt die Identität.


Ausblick

Was sind die dringlichsten Aufgaben, um fit für die Zukunft zu sein?

Pernkopf: Die NÖ Kliniken sind fit für die Zukunft, weil sie ein hervorragendes Fundament haben. Aber wir leben in einer dynamischen Welt, das sieht man am Thema Alter mit den Herausforderungen Palliativversorgung, Dialyse, Demenz, wo wir nachschärfen und mehr Angebote machen müssen, um die Mitarbeitenden in den Häusern besser zu begleiten. Wie schnell sich die Welt ändert, sieht man auch an der Aufenthaltsdauer der Patienten: Vor zehn Jahren waren es im Schnitt sechs Tage, jetzt sind es 4,8 – also um 20 Prozent weniger. Damit haben wir Betten frei für neue Aufgaben.


Gibt es Themen, die Ihnen unter den Nägeln brennen?

Pernkopf: Ein brennendes Thema sind die Ambulanzen, hier muss es Antworten geben: Al- lein in Amstetten hat sich die Zahl der Nutzer innerhalb von zehn Jahren um 126 Prozent er- höht – das ist enorm. Ein Ambulanz-Paket ist deshalb in Vorbereitung. Und ich erwarte mir auch durch die telefonische Gesundheitsberatung 1450, die gerade gestartet ist, eine spürba- re Entlastung: Sie nimmt den Menschen die Unsicherheit, wohin sie sich mit ihrem Gesund- heitsproblem wenden sollen. In anderen Ländern hat sie sich in dieser Hinsicht bewährt. In den Kliniken kommt zudem ein Wartezeit-Management, und gleichzeitig werden die, die kei- ne Betreuung im Klinikum brauchen, an Ärzte in der Nähe verwiesen, damit sie nicht unnö- tig warten müssen.


Ein Abschied mit Wehmut?

Wilfing: Ein klares Ja, weil ich durch die Aufgaben in den Kliniken hunderte Menschen ken- nengelernt habe, die mit höchster Freude für ihre Mitmenschen arbeiten. Ich bin angetan von der medizinischen Qualität, die von Empathie und Nächstenliebe getragen ist. Davon le- ben die Kliniken. Man kann überall spüren, dass an einem Strang gezogen wird, und zwar im Gegensatz zu anderen Ländern auch in die gleiche Richtung. Umgekehrt ist Politik eine Auf- gabe auf Zeit, der ich mit großer Freude gerecht werde. Nun geht es zu neuen Ufern und ich freue mich auf die Themen Wohnbau und Arbeitsmarkt. Und bin sicher, dass die Kliniken sich künftig in besten Händen befinden.


Welche Erfahrungen haben Sie mit den niederösterreichischen Kliniken? Worauf freuen Sie sich?

Pernkopf: Zuerst einmal wünsche ich Karl Wilfing alles Gute für ein Mega-Ressort und danke ihm für seine Freundschaft und detaillierte Beratung. So ist für mich ein guter Start möglich.

Ich persönlich habe ausschließlich positive Erfahrungen mit unseren Kliniken gemacht – in der Familie, im Bekannten- und Freundeskreis.

Und was in Sachen MRT und CT gelungen ist, nämlich das Ende der Deckelung und damit der rasche Zugang für alle, die eine Untersuchung brauchen, das ist ein Riesenschritt, ein Meilenstein. Das motiviert, mit der gleichen Dynamik zu starten.

Ich setze beim Thema Gesundheit sehr stark auf die Eigenverantwortung der Menschen. Per- sönlich werde ich möglichst rasch alle 27 Standorte besuchen und offene Gespräche führen. Denn es liegt mir am Herzen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit ihre Arbeit tun können, und den Patientinnen und Patienten damit Men- schlichkeit und Geborgenheit geben können.

Wo stehen die Klini- ken heute? Wo lie- gen die

Herausforderungen? Was sind die

dringlichsten

Aufgaben?







„Ich möchte mich sehr herzlich für die lösungsorientierte Zusammenarbeit

auf Augenhöhe

bedanken.“

LR Mag. Karl Wilfing
































































































































































LH-Stv. Dr. Stephan

Pernkopf wird

sämtliche Häuser so schnell wie möglich

besuchen.

Dr. Stephan Pernkopf

Geboren 1972 in Scheibbs. Er besuchte das Francisco Josephinum in Wieselburg und studierte in Wien Rechtswissenschaften. Danach war er in der NÖ Versicherung Assistent des damaligen Generaldirektor-Stv. Johannes Coreth. Seine politische Karriere begann er als Gemeinderat in Wieselburg-Land, in der VP NÖ war er politischer Referent. Danach wurde er  Ministersekretär bei DI Josef Pröll. 2005 bis 2008 war er dessen Kabinettschef im Landwirtschaftsministerium (Regierung Gusenbauer). In der Regierung Faymann I war er Ka- binettschef von Vizekanzler Josef Pröll im Finanzministerium, von wo er im Februar 2009 wieder nach Niederösterreich wechselte. Er folgte LR DI Josef Plank in die Landesregierung und wurde 2009 von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll angelobt. In seinen Verantwor- tungsbereich fallen die Ressorts Agrar, Energie und Umwelt sowie der Katastrophenschutz und der NÖ Landesfeuerwehrverband. Seit

2012 ist er ehrenamtlich auch Präsident des Ökosozialen Forums.

Stephan Pernkopf ist seit 2011 verheiratet. Als Musiker spielt er Saxophon bei der Steven‘s Bigband und war Gründungsmitglied und Schlagzeuger bei der Bläserformation die.tschechen.

Mag. Bernhard Jany (rechts, Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation) moderierte das Gespräch.