UNSER WEG - PIONIERIN

(links) Die Patientin von DGKP Mario Feichtegger genießt die wärmenden Son- nenstrahlen auf der Terrasse.

(oben) Auch Psychologinnen, Diätologinnen, Seelsorgerinnen und Physiothera- peuten sind Teil des Palliativteams: (v.l.) Elisabeth Schnabl (Diätologie), Mag. Isabella Labenbacher (Psychologie), Ärztl. Direktor Dr. Friedrich Steger, Eva- Maria Wenighofer (Palliativ-Hospizverein), OÄ Dr. Birgit Kum-Taucher, Dr. Gerhard Winter (Physiotherapie), DGKP Brigitte Hudler (mobiles Palliativ- team), DGKP  Mario Feichtegger, DGKP Sigrade Kraushofer, Mag. Maria Gratzer-Hagen (Seelsorge)


Pionierin

Die Station Palliative Care im Landesklinikum Scheibbs war eine der ersten ihrer Art in Niederösterreich.

Eine Patientin liegt in ihrem Bett und genießt die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Terrasse, der diplomierte Krankenpfleger Mario Feichtegger kniet neben ihr. Der Krebs hat die zierliche Dame schwer gezeichnet. Seit einer Woche ist sie an der Scheibbser Station für Palliative Care. Mit verschiedenen Therapien lassen sich ihre Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schmerzen deutlich bessern. Damit sie wieder nach Hause, in den Kreis ihrer Familie kann. Das wünscht sich die Patientin.

An der Station werden Patientinnen und Patienten versorgt, deren Lebenser- wartung wegen einer unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung begrenzt ist. Im Schnitt bleiben sie zwei Wochen und können danach wieder zuhause oder in einer anderen Einrichtung betreut werden. Die Räume hier sind hell und freundlich, die Zimmer mit Balkon ausgestattet, mit Blick in den Patientengar- ten. Auf der Sonnenterrasse kann man sich ausruhen, im Raum der Stille seine Ruhe haben. Ein Ambiente zum Wohlfühlen, zum Regenerieren und Krafttan- ken. Fernab des Klischees einer „Sterbestation“.

Geleitet wird die Palliativstation von Oberärztin Dr. Birgit Kum-Taucher. Die In- ternistin hat wie alle ihre Kolleginnen eine spezielle Zusatzausbildung. DGKP Petra Schweighofer leitet den pflegerischen Bereich. Sie ist seit 2006 an der Sta- tion, seit 2008 hat sie die Pflegeleitung inne. Davor hat sie an der Tumorchirur- gie in Salzburg gearbeitet: „Wir hatten viele Patienten in ihrer letzten Lebens- phase, mich hat es richtig zu ihnen hingezogen.“ Daher ging sie dorthin zurück, wo sie 1996 diplomiert hat – nach Scheibbs.


15 Jahre

Die Station feierte heuer das 15-jährige Jubiläum, Birgit Kum-Taucher ist seit Anfang an dabei, „ihre“ Station ist eine der „Pionierinnen“: „2001 haben wir die Palliativstation als Pilotprojekt gemeinsam mit Gmünd, Lilienfeld und Waidho- fen/Thaya eingereicht. Wir mussten beweisen, dass es ein gutes Projekt ist. Seit- her sind wir stetig gewachsen. Aber es war nicht immer einfach.“ Der Beweis ist mittlerweile erbracht, die Arbeit der Pionierinnen überzeugt: „Am Anfang ha- ben wir die Küche eingerichtet, danach gekocht, und jetzt muss es auch schme- cken“, sagt die Oberärztin.

Der Station angeschlossen sind ein palliativmedizinischer Konsiliardienst, der Ärzten und Patienten auf den anderen Stationen des Hauses zur Verfügung steht, sowie ein mobiles Palliativteam aus Ärzten und Pflegepersonen, das Pati- enten zuhause betreut. Großer Wert wird auf die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und Berufsgruppen gelegt, sagt Kum-Taucher: „Verschiedene Per- spektiven sind wichtig, jede Profession richtet ihren Scheinwerfer auf etwas an- deres.“


Ruhe & Kraft

Was beim Rundgang auf der Station auffällt: Alle im Team strahlen eine innere Ruhe aus. Wie gelingt das beim ständigen Umgang mit Todkranken? „Es ist eine sinnvolle Aufgabe, und das gibt Kraft“, erzählt Petra Schweighofer, „wir können Menschen in der letzten Phase ihres Lebens helfen.“ Wesentlich seien der Zu- sammenhalt im Team und der Ausgleich im Privatleben. „Jeder hat ein anderes Ritual, damit umzugehen. Auch weinen ist erlaubt. Man arbeitet ja mit Herz“, sagt sie. Palliativärztin Kum-Taucher ergänzt: „Man lebt selber bewusster, wenn man viel mit dem Tod konfrontiert ist. Ganz einfache Dinge werden wichtig, aus denen man Kraft schöpfen kann.“ Vor dem Tod fürchtet sie sich nicht: „Sterben ist Teil des Ganzen, ein Abschied. Manche Patienten mussten schon viele kleine Abschiede nehmen – zum Beispiel zuerst vom Radfahren, dann vom Gehen. Der große Abschied muss dann so gelingen, dass er aushaltbar ist. Da- bei helfen wir.“

Kum-Taucher freut sich über all das, was gelungen ist in den letzten 15 Jahren: „Ich bin stolz darauf, dass wir mit vielen Veränderungen fertig werden. Und ich bin auch auf die Patienten stolz, dass sie mit ihrer schweren Veränderung gut zurechtkommen.“ Besonderes Lob geht an ihr Team – dafür, dass es alle Wel- lenbewegungen mitgemacht hat. Viele sind von der ersten Stunde an dabei, eine beständige und individuelle Gruppe. „Lauter Mercedes-Schwestern und - Pfleger“, schmunzelt Petra Schweighofer und meint damit die hohe fachliche und psychosoziale Kompetenz des Teams. Man muss wahrlich ein besonderer Mensch sein, damit man sich für diesen wichtigen Beruf entscheidet. 


(oben) Die hellen freundlichen Räume ermögli- chen eine gelöste Atmosphäre. Dr. Alexandra Eg- ger bei der Visite im Aufenthaltsraum. (unten) Patientin Ines V. schrieb im Rahmen ihres Auf- enthaltes auf der Palliativstation ein Buch „Und ich lebe noch“. Am Bild mit DGKP Mario Feich- tegger und Mag. Kerstin Peer

Das Leitungsteam der Palliative Care: (v.l.) DGKP Petra Schweighofer, OÄ Dr. Birgit Kum- Taucher und DGKP Brigitte Hudler

(mobiles Team)


Palliative Care


In Scheibbs stehen derzeit acht Betten für die Palliative Care zur Verfügung. Diese

Palliativeinheit wird von einem Team,

bestehend aus Ärztinnen, Pflegepersonen, Psychologinnen, Seelsorgerin, Diätologinnen, Physiotherapeutinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreut.


Das Team

der Palliativstation (Dienstposten):

2 Ärztinnen & Ärzte

19 Pflegepersonen



Palliativstationen gibt es in den NÖ Kliniken Hochegg, Krems, Lilienfeld,

Mistelbach-Gänserndorf, Scheibbs und

Waidhofen/Thaya. In fast allen anderen Standorten gibt es Konsiliardienste

(spezialisiertes Personal besucht das

Klinikum) und/oder die Zusammenarbeit

mit mobilen Diensten.

15 Jahre Palliativstation in Scheibbs


2001 Am 1. August wird die Palliativstation als Pilotprojekt für die Dauer

von   zweieinhalb Jahren mit vier Betten im Bereich der Gynäkologie

integriert.

2004 Übernahme als fixe Station im Landesklinikum

2005 Erweiterung auf sechs Betten

2006 Bauliche Adaptierungen: zusätzliche Einbettzimmer, neuer Raum der

Stille (Verabschiedungsraum), Besprechungszimmer, Büros

2007 Erweiterung auf acht Betten

Etablierung eines mobilen Palliativteams und eines Palliativ-

Konsiliar-  dienstes für die Betreuung außerhalb und innerhalb des

Klinikums  (Patienten, Angehörige, Hausärzte, Pflegeeinrichtungen)

2011 Die Palliativstation übersiedelt in den neu erbauten Ambulanztrakt

(Zimmer mit Balkon, Blick in Patientengarten, Sonnenterrasse,

Wohnzimmer, Raum der Stille).

Aufgaben & Kompetenzen


Palliative Care (lateinisch „pallium“ bedeutet „der Mantel“) meint ein spezialisiertes Team, das Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung schützt und unterstützt. „Care“ heißt sich bemühen, sich sorgen, ist mehr als Palliativmedizin.

Angebote (Auszug):

ganzheitliche Betreuung durch Medizin und Pflege, die sich an den

Bedürfnissen der Patienten orientiert

Symptomenkontrolle (Linderung von Übelkeit, Verstopfung, Atemnot,

Erschöpfung usw.)

• Rehabilitation (z. B. nach einer palliativen Operation)

• Mobilisierung (z. B. nach längerer Bettlägerigkeit)

• Komplementäre Medizin (Akupunktur, Lasertherapie, Misteltherapie)

• Physiotherapie

• Entlassungsvorbereitung, Organisation von Hilfestellungen für zu Hause

• Zusammenarbeit mit onkologischer Ambulanz, Hausärzten, Fachärzten und

sozialen Einrichtungen

Informationen: www.scheibbs.lknoe.at