ABTEILUNG

Heilung & Linderung

Von Kopf bis Fuß behandelt die Abteilung für Strahlentherapie-Radioonkologie im Uniklinikum Krems ihre Patienten. Modernste Technik und ein interprofessionelles Team helfen dabei, den Krebs zu behandeln- .

Das Team der Kremser Strahlentherapie-Radio-onkologie mit Primaria Assoc. Prof. Mag. Dr. Anja Bayerl (1.v.r.) und Stationsleitung-Stellvertreterin DGKP Meandzija Bozica (3.v.r. sitzend).

foto: istockphoto/ Alex Raths, felicitas mater- n

Er unterscheidet nicht zwischen Jung oder Alt. An bösartigen Tumorerkrankungen leiden wegen der demograph- ischen Entwicklung auch zunehmend sehr betagte Menschen – eine Herausforderung in der Onkologie. Steht nach einer Untersuchung die Diagnose „Krebs“ im Raum, steht meistens auch das Leben des Patienten von einem M- oment auf den anderen auf dem Kopf. Krebspatienten aus dem nördlichen Niederösterreich und dem Zentralraum kommen bei bestehender Indikation auf die Abteilung für Strahlentherapie-Radioonkologie des Uniklinikums Krems. Dort wartet nicht nur ein interprofessionelles Team, sondern auch hochmoderne Technik, die dem Krebs den Kampf ansagt.


Gezielter bestrahlen

2006 ging sie im Uniklinikum Krems in Betrieb: die neu errichtete Abteilung für StrahlentherapieRadioonkologie. Au- fgebaut wurde die Abteilung durch Primaria Assoc. Prof. Mag. Dr. Anja Bayerl. Die Münchnerin absolvierte ihre Aus- bildung am Klinikum rechts der Isar der TU München. Ein wichtiger Bestandteil der klinischen Arbeit ist für Bayerl und ihre Kolleginnen und Kollegen das Tumorboard. Diese Besprechungen finden mehrmals wöchentlich statt – im Klinikum selbst zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen und via Videokonferenz mit anderen Landes- und Un- iversitätskliniken. In den Tumorboards werden die einzelnen Krebsfälle besprochen. Die Strahlentherapie arbeitet heute mit modernen Geräten, die komplexe und schonende Verfahren ermöglichen: „Bei allen Anwendungen kann zunehmend gezielter und dadurch hochdosierter bestrahlt werden“, erzählt Bayerl. Die Nachbarorgane werden durch diese neuartigen Methoden immer mehr geschont. Die Mediziner können mit dieser hochmodernen Ausstattung nic- ht nur bestrahlen, sondern unmittelbar vor der Bestrahlung oder mitunter während der Bestrahlung gleichzeitig Rön- tgen- oder CT-Bilder erstellen, um die Lage des Tumors sicher lokalisieren zu können. Zunehmend häufig kombiniert das Team die Bestrahlung mit einer Chemo- und Immuntherapie. So individuell die Therapie ist, so individuell ist auch die körperliche Reaktion darauf. Bayerl und ihre Kollegen sind daher immer zur Stelle, wenn Nebenwirkungen auftreten und behandeln diese- .

Immer mehr Krebspatienten kommen auf die Abteilung, um gegen den Krebs anzukämpfen. „Durch die moderne Tu- mortherapie ist Krebs heute sogar in einem Stadium, in der der Tumor bereits gestreut hat, vielfach zu einer chroni- schen Erkrankung geworden“, sagt Bayerl. Grund dafür sind die zahlreichen Therapiemöglichkeiten. Tritt der Tumor erneut an derselben Stelle auf, kann man häufig mittels modernster Techniken erneut bestrahlen. Außerdem ermög- lichen die modernen Geräte eine hochpräzise Bestrahlung im Kopf und unter anderem auch in der Lunge, die vie- lfach als Alternative zur Operation angeboten werden kann. Somit hat sich das Therapiespektrum erheblich erweitert. „Diese Hochpräzisionsbestrahlung ist allerdings zeitlich deutlich aufwändiger als eine herkömmliche Strahlenther- apie“, sagt Bayerl. Auch nach Abschluss der radioonkologischen Therapie kommen die Patienten in regelmäßigen A- bständen auf die Abteilung. Denn Krebspatienten erhalten eine lebenslange radioonkologische Nachsorge. „Wir h- aben ein umfassendes Fachgebiet, wir arbeiten von Kopf bis Fuß. Das ist herausfordernd und auch sehr schön“, sagt die Primaria.


An einem Strang

Die radioonkologische Behandlung des Tumors erfolgt ambulant oder stationär. Den Krebspatienten steht ein multi- professionelles Team zur Seite. Die Aufgaben des Pflegepersonals sind neben der ganzheitlichen Betreuung eine fachgerechte Haut- und Schleimhautpflege, da diese Bereiche durch die Bestrahlung besonders gefährdet sind. Sp- ezielle Hautcremen und Spülungen werden zur Linderung der Beschwerden eingesetzt. Treten Hautveränderungen auf, legt die Pflege eine entsprechende Wund-Dokumentation zur Verlaufskontrolle an, erklärt Stationsleitung-Stell- vertreterin DGKP Meandzija Bozica. Die gebürtige Kroatin ist ebenfalls seit Beginn 2006 im Bereich der Strahlenthe- rapie tätig und freut sich, dass sie damals die neue Herausforderung angenommen hat. In der Radioonkologie-Am- bulanz finden sich nicht nur Patienten ein, die bestrahlt werden oder eine Chemotherapie erhalten, sondern auch jene, die zu weiterführenden Untersuchungen kommen. In der Ambulanz erhalten die Patienten entsprechende Pfle- geaufklärung, aber auch Verbandwechsel und Blutabnahmen werden dort durchgeführt. Für Patienten, die die Ther- apie stationär absolvieren, stehen insgesamt 30 Betten zur Verfügung. Die Aufgaben des Pflegepersonals umfassen neben den entsprechenden Pflegehandlungen die Durchführung medizinischer Anordnungen, Therapien und sind auch maßgeblich beteiligt an der Stationsorganisation- .

Eine Lasertherapie mindert Nebenwirkungen, lindert den Schmerz und fördert die Heilung. Um den geschwächten Patienten zu stärken, arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen. Ernährungsberatung steht ebenso zur Verfü- gung wie psychologische Betreuung, Sozialdienst, Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie. „Patienten, die wegen ihres Krankheitsverlaufs eine Palliativbetreuung benötigen, werden unserem Palliativteam vorgestellt. Wenn Patien- ten stationär länger auf der Abteilung aufgenommen sind, bieten wir ihnen an, über das Wochenende die Möglichkeit einen Ausgang oder Urlaub zu nehmen. Die Erfahrung zeigt uns, dass der familiäre Kontakt eine ganz wichtige Stü- tze zur Bewältigung der Krankheit darstellt“, erklärt Meandzija Bozica- .


Zuhören ist wichtig

Das Pflegepersonal pflegt nicht nur den Körper der Patienten, sondern auch die Seele: „Man braucht wirklich Emp- athie. Zuhören ist sehr wichtig“, sagt Meandzija. Häufig verbringen Patienten sechs bis acht Wochen auf der Bette- nstation. Eine Zeit, in der Meandzija und ihre Kollegen viel von den Patienten erfahren und auch die Familienmitglie- der mitbetreuen. Tragische Lebensgeschichten stellen eine besondere Herausforderung dar. Daher ist es essentiell, dass es die Möglichkeit der Supervision gibt. „Jede von uns hat ihre ganz persönliche ‚Tankstelle‘, um emotional wie- der auftanken zu können“, erklärt Meandzija. Durch den Austausch im Team kann einiges an Belastung wieder wett- gemacht werden. Besonders erfreulich für das gesamte Team ist es, wenn die Behandlung von Erfolg getragen ist und man die Genesung des Patienten mitverfolgen kann.


Daniela Rittmannsberger

Aufgaben & Kompetenzen


Die Abteilung für Strahlentherapie-Radioonkologie versteht sich als fachlich kompetentes Therapiezentrum. Das multidisziplinär- e Team versorgt Patientinnen und Patienten aus dem zentralen und nördlichen Raum Niederösterreichs. Die auf höchstem Niveau aus- gestattete Abteilung ermöglicht Behandlungen entsprechend dem aktuellen Stand von Technik und Wissenschaft. Zur Therapie ste- hen drei Linearbeschleuniger und eine Brachytherapie-Einheit zur Verfügung- .

Informationen: www.krems.lknoe.at

erschienen in WIR INTERN 06/2018