ABTEILUNG

Präzise Arbeit am OP-Tisch

Patientinnen und Patienten aus drei Bundesländern kommen auf die Abteilung für Chirurgie im LK Amstetten, wenn sie eine gefäßchirurgische Operation benötigen. Und auch sonst behandelt das OP-Team verschiedenste Erkrankungen mittels modernster Technik.

Ein Teil des Amstettner Chirurgie-Teams: (v.l.) OA Dr. Zoltan Münch, Dr. Henriett Kicsak, Ass. Dr. Reinhard Schla- ger, Ass. Dr. Andreas Rapatz, Ass. Dr. Petra Nakic-Schwaiger, OÄ Dr. Andrea Dollfuss, OÄ Dr. Petra Pattera, OA Dr. Marcus Luks, OA Dr. Hans-Peter Schiefer, OA Dr. Günther Rauscher, OÄ Dr. Kathrin Zöchmann und Prim. Dr. Friedrich Schmöller

(v.l.) DGKP Karin Dupal, Stationsleitung DGKP Anita Fischl, DGKP Kathrin Resch, DGKP Christine Weber, DGKP Bettina Jochinger und DGKP Claudia Scharner

fotoS: Philipp Monihart

Von der Brust über den gesamten Magen-Darm-Trakt bis hin zur Schilddrüse: Die Chirurginnen und Chirurgen im LK Amstetten operieren ein breites Spektrum an Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bereits seit den 70er-Jahren in der Gefäßchirurgie. Mit modernster Technik lösen spezialisierte Chirurgen medizinische Probleme am OP-Tisch.

Der Amstettner Abteilung für Chirurgie steht Prim. Dr. Friedrich Schmöller vor. Er kam mit der Gefäßchirurgie be- reits während seiner Facharztausbildung im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz in Berührung. Nach 18 Jahren wechselte er an die Chirurgie in Amstetten, wo er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen den gefäßchirurgischen Schwerpunkt weiter ausbaute. Patienten, die an die Abteilung kommen, durchlaufen zuerst meist Untersuchungen in einer Ambulanz. Wenn bei der Erstvorstellung klar ist, dass der Patient operiert werden muss, kommt er in die Anästhesieambulanz zur Aufklärung. Die Operation erfolgt dann meistens am nächsten, manchmal auch am selben Tag.


Schonende Methoden

Im Operationssaal selbst hat sich in den letzten Jahrzehnten vor allem die Ausstattung verändert: Mittlerweile läuft die Hälfte der Operationen laparoskopisch ab. Nicht nur bei Blinddarmentzündung, Leisten- und Zwerchfellbruch kommt diese schonende Methode mittels optischen Instruments zum Einsatz, sondern auch bei Dickdarmerkran- kungen wie Morbus Crohn und Tumorerkrankungen im Darm. Für die Patienten hat diese Methode viele Vorteile: Die kleinere Narbe sorgt für ein geringeres Risiko, einen Narbenbruch zu erleiden, der Darm nimmt nach der OP schneller seine Tätigkeit auf und der Patient darf früher nach Hause. Neben HDTV-Videotürmen erleichtert den Chirurgen ein 3D-System das räumliche Sehen, das vor allem bei laparoskopischen

Nähten gefragt ist.


Neue Entwicklungen

Das Einzugsgebiet ist groß: Nicht nur aus dem Mostviertel und dem westlichen Waldviertel kommen Patienten nach Amstetten, sondern auch aus der Steiermark und dem östlichen Mühlviertel. Verlassen viele nach einer Operation nach kurzer Zeit wieder das Klinikum, bleiben Patienten mit Gefäßerkrankungen manchmal ein bis zwei Wochen auf der chirurgischen Station. Durch so manche gesellschaftliche Entwicklung operiert die Abteilung einige Erkran- kungen immer häufiger: „Adipositas hat sich massiv ausgebreitet. Um Folgeerkrankungen vorzubeugen, legen wir einen Magenbypass. Dadurch kann man zum Beispiel Diabetes Typ 2 bis zu 80 Prozent heilen“, sagt Schmöller. Leidet der Patient hingegen länger an Diabetes, muss häufig der diabetische Fuß chirurgisch behandelt werden. Die Amstettner Spezialisten der Gefäßchirurgie behandeln außerdem Aneurysmen, allgemeine Gefäßverengungen oder -verletzungen, das „Raucherbein“ oder Krampfadern. Wesentlich sei, erklärt Schmöller, dass die Abteilung in- terdisziplinär mit der Anästhesie und Intensivmedizin, der Internen Abteilung, der Onkologie, der Endoskopie, der Radiologie und der Gynäkologie zusammenarbeitet.


President elect

Herausforderungen im Beruf? „Unsere Abteilung hat ein breites Spektrum. Bei all den neuen Entwicklungen am neuesten Stand des Wissens zu bleiben, ist eine Herausforderung“, sagt Schmöller. Deshalb sind jeweils drei bis fünf Fachärzte einem Schwerpunkt zugeordnet. Schmöller selbst hat zurzeit eine große Aufgabe inne: Er ist Presi- dent elect der Österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie. Als Stellvertreter bereitet sich Schmöller auf seine eigene Präsidentschaft in den Jahren 2021/2022 vor. Mit der Organisation für die zwei großen Kongresse, die in dieser Zeit stattfinden werden, startet Schmöller bereits jetzt.


Interdisziplinär

Vor der Operation kommen die Patienten auf die chirurgische Station, die von DGKP Anita Fischl geleitet wird. Das Pflegepersonal begrüßt die Patienten, erklärt ihnen den Tagesablauf und was auf sie zukommen wird. Außerdem, sagt Fischl, seien sie oft Übersetzer und Verbinder. Denn nicht alles, was der Arzt zuvor erklärt hat, verstehen die Patienten sofort. Auf dem Weg zur OP sind oft noch Untersuchungen wie ein Ultraschall oder Röntgen notwendig. Das Pflegepersonal bereitet die Menschen darauf vor und organisiert den Transport. Nach der Operation geht für die Pflege die Arbeit weiter: Sie unterstützt bei Körperpflege und dem Essen. Außerdem hilft das Pflegepersonal den Patienten dabei, wieder mobil zu werden. „Ziel ist es, die Unabhängigkeit des Menschen so weit als möglich zu erhalten oder so schnell als möglich wieder herzustellen“, sagt Fischl. Braucht der Patient hier intensivere Betreu- ung, kommt das Team der Physiotherapie.


Mentale Unterstützung

Da die Patienten häufig nicht nur eine Erkrankung haben, sondern beispielsweise zusätzlich Diabetes, versucht die Pflege, mit den Patienten über die Erkrankung zu sprechen. Sie zeigen Wege auf und erklären den Patienten, wie wichtig es ist, sich damit auseinanderzusetzen. Am meisten helfe die mentale Stärkung, sagt Fischl. Unterstützung bekommt das Pflegeteam von anderen Spezialisten im Haus: Geht es darum, Gewicht zu verlieren, kommen Diäto- logen zum Patienten. Diabetespatienten stehen geschulte Internisten und Pflegepersonen zur Seite. Ein menschli- cher Umgang und Humor werden von den Patienten geschätzt, sagt die Stationsleitung.

Immer häufiger gibt es ältere Patienten, die nach einer Operation drei bis vier Wochen auf der Station bleiben müs- sen. In dieser Zeit sehen Fischl und ihre Kollegen, wie sehr sich die Patienten erholen. Das sei eine besonders schöne Erfahrung. Auch Primarius Schmöller und sein Team erleben täglich schöne Momente, wenn sie die Ergeb- nisse ihrer Arbeit sehen: „Immer dann, wenn ich schwierige medizinische Probleme gut lösen kann. Ist ein Ergebnis nicht leicht zu erreichen, ist das umso herausfordernder.“


Daniela Rittmannsberger

Aufgaben & Kompetenzen


Innerhalb des ursprünglichen Faches Chirurgie ist die zunehmende Spezialisierung unver- meidlich, wodurch sich im LK Amstetten ein gefäßchirurgischer Schwerpunkt entwickelt hat. Das fachliche Spektrum der auf modernstem Niveau ausgestatteten Abteilung ist trotz dieser Spezialisierung äußerst breit gefächert. Es reicht von Operationen der Brust- und Schilddrüse, der Speiseröhre, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse und des gesamten Magen-Darm-Traktes bis  hin zu Eingriffen in die Brusthöhle. Auch die Bedeutung der endoskopischen Chirurgie nimmt ständig zu und es werden immer häufiger videooptische Systeme verwendet. Für den Patienten ergeben sich daraus klare Vorteile wie wesentlich geringere Schmerzen, kleinste Operationswunden, kürzere Krankenhausaufenthalte, frühere Belastbarkeit und verringertes Narbenbruchrisiko.

Informationen: www.amstetten.lknoe.at

erschienen in WIR INTERN 01/2019