PRAXISANLEITUNG

Wissen managen

Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter sorgen dafür, dass der Pflegenachwuchs bestens ausgebildet wird.

Blutdruck messen, EKG-Kurven richtig lesen, Medikamente einordnen:

Die Praxisanleiterin Bettina Fessl erklärt dem Krankenpflegeschüler Lukas alles ganz genau.

Blutdruck messen, EKG-Kurven richtig lesen, Medikamente einordnen:

Die Praxisanleiterin Bettina Fessl erklärt dem Krankenpflegeschüler Lukas alles ganz genau.

Blutdruck messen, EKG-Kurven richtig lesen, Medikamente einordnen:

Die Praxisanleiterin Bettina Fessl erklärt dem Krankenpflegeschüler Lukas alles ganz genau.

Wenn Bettina Fessl nicht im Dienst ist, kümmern sich ihre Kolleginnen um die Praktikantinnen und Praktikanten, am Bild mit Angelika Hruscha (l.)


Fotos: Katharina Gossow

Schon als Krankenpflegeschülerin war Bettina Fessl klar, dass sie selbst einmal Praktikanten ausbilden will. Die 32-Jährige besuchte die Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Zwettl und denkt gern an ihre Praktikumszeit zurück: „Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht, aber auch einige schlechte. Man lernt aus beiden.“ Eine gute Ausbildung ist einfach das Um und Auf, findet sie, und will ihren Teil dazu beitragen. Daher absolvierte sie die Ausbildung zur Praxisan- leitung (siehe Infokasten).

Bettina Fessl arbeitet auf der Chirurgie 2 im Landesklinikum Horn. Als Praxisanleiterin ist sie meist für zwei Praktikanten für jeweils vier Wochen verantwortlich. Einer von ihnen ist zurzeit Lukas. Er steckt mitten im ersten Ausbildungsjahr der Krankenpflegeschule und muss während der Schulzeit einige Praktika absolvieren. Sein erstes Praktikum war in einem Pflegeheim, nun ist er auf der Chirurgie 2. Pro Jahr macht er drei bis vier Praktika, immer auf einer anderen Ab- teilung. In Niederösterreich suchen Auszubildende gemeinsam mit der Schule das passende Praktikum und können es online buchen. Ab dem dritten Ausbildungsjahr darf Lukas auch Nachtdienste machen, derzeit noch nicht.


Herausfordernd

Lukas begleitet Bettina Fessl in ein Patientenzimmer. Der Praktikant legt einer Patientin die Blutdruckmanschette an, etwa zwei Fingerbreit oberhalb der Ellenbeuge am Oberarm, und pumpt die Manschette soweit auf, dass der erzeugte Druck sicher über dem zu erwartenden systolischen Blutdruckwert liegt. Dann lässt er die Luft langsam aus der Manschette ab. Bettina Fessl steht daneben und beobachtet, ob Lukas alles richtig macht. Sie nickt zufrieden: „Sehr gut. Und welcher Wert ist nun der Puls?“ Am Monitor sind viele Linien und Zahlen zu sehen, die Bettina Fessl nun einzeln mit Lukas durchgeht und ihm genau erklärt: Welcher der systolische und diastolische Wert ist, wie man die Sättigung und den Messzyklus einstellt, wie man die Elektroden richtig am Körper anbringt und vieles mehr. Lukas hört aufmerksam zu. Es ist sein zweiter Tag auf der Station, auch heute gibt es wieder viel zu lernen.

Das ist die große Herausforderung als Praxisanleiterin: Das viele Wissen rund um die Pflege zu managen und den Praktikantinnen und Praktikanten in richtigen Dosen zu vermitteln. Und das alles neben den anderen Tätigkeiten auf der Station. Denn immer jeden Schritt genau zu erklä- ren, nimmt viel Zeit in Anspruch. Eine gute Praxisanleiterin zu sein ist der ambitionierten Pfle- gekraft eben ein großes Anliegen.


Viele Tätigkeiten

Am Nachmittag ordnet Bettina Fessl mit Lukas die Tabletten in die Medikamentendispenser ein. Als Vorbereitung für den Nachtdienst, der sie dann verabreicht. „Wenn ein Dispenser mar- kiert ist, kann der Patient die Tablette nicht selber einnehmen. Darauf musst du achten“, sagt sie ihm. Anhand der jeweiligen Krankengeschichte erklärt sie ihrem Praktikanten, warum wel- cher Patient welches Medikament erhält: „Der Schüler muss die Zusammenhänge erfassen und in späterer Folge erklären  und bewerten können.“

Die Praxisanleitung umfasst vieles: den Schüler auf die Anforderungen der Station und des All- tags vorzubereiten, ihm zu zeigen, wo seine Stärken, aber auch Verbesserungspotenziale liegen. Und mit den Auszubildenden komplexe Situationen reflektieren, besprechen und gemeinsam aufarbeiten. Während des Praktikums gibt es immer wieder Feedback. Außerdem heißt es, die Station, die Kolleginnen in den Anleiteprozess mit einzubeziehen. Denn wenn Bettina Fessl nicht da ist, begleitet eine Kollegin „ihren“ Praktikanten. Als einzig ausgebildete Praxisanleite- rin auf der Station ist sie für die praktische Ausbildung hauptverantwortlich, wie  beispielsweise Blutdruck messen, Infusionen herrichten, Katheter setzen und vieles mehr (gemäß Praxiskata- log).


Erfahrungen austauschen

Viermal jährlich treffen sich die Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter der Region, organisiert von Mag. Martin Sodar, diplomierter Krankenpfleger auf der Unfallambulanz im LK Horn. „Bei diesen Treffen besprechen wir Neuerungen im Pflegebereich und tauschen Erfahrungen aus“, berichtet Bettina Fessl.

Eine Herausforderung ist, dass die Praktikantinnen und Praktikanten mit unterschiedlichem Know-how ihr Praktikum antreten, wegen unterschiedlichem Wissensstand und Ausbildungs- qualifikation – diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz, Pflegeassis- tenz. „Jede Ausbildung legt ihren Fokus etwas anders. Das müssen wir managen“, sagt Bettina Fessl.

Begleitet & angeleitet

Welche Eigenschaften braucht man als Praxisanleitung? „Drei Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei Jahre an der jeweiligen Ausbildungsstelle“, sagt Bettina Fessl, „zudem Geduld, Empathie, pädagogisches Geschick und viel Verständnis.“ Ihre Praktikantinnen und Praktikan- ten danken es ihr, denn das Feedback, das sie bekommt, ist immer positiv. „Das gebe ich auch meinen Kolleginnen weiter“, meint sie bescheiden. Auch Lukas schätzt die tolle Atmosphäre und Kompetenz auf der Station. Jeder Tag ist voll gefüllt mit Wissen und Erfahrung. So wächst er in seinen späteren Beruf hinein. Umsichtig begleitet und angeleitet.

„Ein guter Kopf und ein gutes Herz sind

immer eine großartige Verbindung.“


(Nelson Mandela)

Bettina Fessls Leitsatz

Mag. Martin Sodar,

diplomierter Krankenpfle- ger auf der Unfallambu- lanz im LK Horn, organi- siert die Praxisanleitungs-

Treffen der Region.

Weiterbildung Praxisanleitung (laut § 64 GuKG 1997)

Berufsbegleitend, Dauer ca. 8 Monate je nach Gestaltung der Weiterbildung,

200 Stunden Theorie

Ausbildungsstandorte: Schulen für Gesundheits- und Kranken- pflege in Amstetten, Baden, Hol- labrunn, Horn und St. Pölten

Zielgruppe: Diplomierte Pflege- personen mit mindestens zwei- jähriger Berufserfahrung, bei Teil- zeit entsprechend länger. Bei Ein- satz in Spezialbereichen ist die abgeschlossene fachspezifische Sonderausbildung Vorausset- zung.

Aufgaben: Qualifizierte, struktu- rierte Anleitung und Betreuung von Auszubildenden in der Ge- sundheits- und Krankenpflege so- wie Einführung von neuen Mitar- beiterinnen und Mitarbeitern; Förderung der Situations-, Kon- flikt- und Problembewältigung; Qualitätsverbesserung und -si- cherung durch Arbeiten mit Aus- bildungskonzepten und nach Pflegestandards

Informationen:

www.pflegeschulen-noe.at