WEIHNACHTEN IM KLINIKUM

Stille Nacht, einsam wacht ...

Wie verbringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Weihnachten im Klinikum?

Johann Stritzl, seit 30 Jahren Portier im LK Hollabrunn, hatte bereits oft Dienst zu Weihnachten.

Herbert Steinbeck, Portier im LK Melk: „Die Stimmung am Heiligen Abend ist trotz der gewohnten Handlungsab- läufe sehr eigenwillig. Es ist merklich ruhiger, nur wirkliche Notfallpatienten kommen ins Klinikum. Auch das Telefon läutet nur spärlich. Man kommt ins Grübeln, denkt an früher, das Jetzt, die Zukunft. Die Gedanken schweifen na- türlich auch zur Familie, die gemeinsam den Abend an der weihnachtlichen Tafel verbringt. Kollegen kommen vor- bei, man wünscht sich eine gesegnete Weihnacht. Um Mitternacht hört man die Glocken des Stiftes Melk – Christ- mette. Es läutet am Eingang – ein Patient braucht uns.“

Ass. Dr. Julia Aufhammer, LK Scheibbs: „Ich arbeite gerne zu Weihnachten, es ist eine besondere Stimmung im Haus spürbar. Die Kollegen werden an solchen Tagen zur Ersatzfamilie und wenn es die Zeit zulässt, sitzen wir am Abend gemütlich zusammen. Während ich mir den Dienst freiwillig einteile, sind die Patienten, die Weihnachten im Krankenhaus verbringen müssen, oftmals schwer krank oder ohne Angehörige. Das schwingt bei unserer Arbeit zu Weihnachten besonders mit. Das Herausfordernde ist, neben der medizinischen Versorgung den Patienten auch die Weihnachtsstimmung zu vermitteln.“

DGKP Petra Zeinzinger, Medizinisches Zentrum Gänserndorf: „Der Dienst an einem der Feiertage ist eigentlich wie immer, oft ist es ruhiger als sonst, manchmal kommen auch Patienten mit speziellen ‚Feiertagsverletzungen‘. So habe ich zu Weihnachten einmal viele unfallchirurgische Notfälle erlebt, als sich Leute beim Christbaumanspitzen verletzt haben. Sofern es der Dienst erlaubt, wird auch ein bisschen gemeinsam gefeiert und zusammengeses- sen, aber die eigentliche Feier findet dann doch zuhause statt.“

Richard Schuster, Betriebsfeuerwehr im UK St. Pölten, ist erst seit einigen Monaten im Dienst. Heuer arbeitet er zu Silvester: „Mein Dienst beginnt am Silvestertag um acht Uhr in der Früh und endet am darauffolgenden Tag um acht Uhr. Es ist das erste Mal, dass ich an solch einem besonderen Tag Dienst habe. Ich freue mich schon dar- auf.“

Kitty König, Hebamme im LK Klosterneuburg: „Als ich einmal am Heiligen Abend Nachtdienst in der BabyVilla hat- te, habe ich eine kleine Weihnachtsfeier für die jungen Eltern im Aufenthaltsraum der Station organisiert. Ich habe eine Freundin eingeladen, die sehr gut singen kann und die bereit war, uns musikalisch zu unterstützen. Die anwe- senden Eltern und die neugeborenen ‚Christkinderln‘ versammelten sich unter dem Stations-Christbaum, ein Vater hatte Weihnachtskekse von der Oma dabei. Eine junge Mutter hat eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen und ich ein Gedicht vorbereitet. Besonders berührt war meine Freundin, denn sie durfte an diesem Weihnachtsabend ein Baby in den Armen halten. Heuer habe ich am Heiligen Abend wieder Nachtdienst. Ich bin gespannt, was sich er- gibt.“

DGKP Theresa Buxbaum und DGKP Magdalena Eichinger, Interne II im LK Zwettl: „Der Nachtdienst zu Weihnach- ten verläuft wie jeder andere Nachtdienst im Jahr. Auf der Station wird darauf Wert gelegt, dass die Patienten mög- lichst am Vortag entlassen werden, um Weihnachten zu Hause feiern zu können. Unsere Station ist trotzdem immer ausgelastet, da viele Patienten medizinische Versorgung benötigen. Wir feiern zu Hause mit unserer Familie vor dem Dienst. An Heiligabend im Landesklinikum sorgen wir selbst für weihnachtliche Stimmung, soweit es der Sta- tionsablauf zulässt.“

OÄ Dr. Renate Bernsberg, Innere Medizin (Leiterin Schwerpunkt Akut-Geriatrie) im LK Mödling: „Ich hatte bereits einige Weihnachtsdienste. Untertags sind die Patienten unruhig und bedürfen eines hohen Pflegeaufwands. Am Abend kehrt auf der Station absolute Ruhe ein. So stellt man sich die Stille zu Weihnachten vor. Der Dienst am Hei- ligabend war jedes Mal eine berührende Erfahrung, die der gesamten Dienstmannschaft nahe geht. Wenn man dann auch noch ein mit Dankbarkeit erfülltes Lächeln von den Patienten zurückbekommt, lohnt sich der Dienst oh- nehin.“

DKKP Birgit Stockinger und DKKP Elisabeth Aigner, Kinder- und Jugendheilkunde im LK Amstetten: „Mittlerweile ist der Heilige Abend auf der Kinder- und Jugendabteilung zu einer schönen Tradition geworden. Unser Anliegen ist es, auch kranken Kindern ein unvergessliches Weihnachtsfest zu bereiten. Im Laufe des Jahres sammelt das Pflegeteam Spiele und Überraschungen, verpackt alles als Geschenk und legt es unter den geschmückten Christ- baum. Die Bescherung findet in feierlichem Rahmen mit Musik, Apfelpunsch und Keksen statt. Das Leuchten in den Kinderaugen, die Freude und Dankbarkeit der Eltern bestärken uns immer wieder aufs Neue.“

Renate Altmann, leitende Hebamme im LK Horn-Allentsteig: „Vor einigen Jahren durfte ich ein Weihnachten erle- ben, das ich nie vergessen werde. Ich habe eine werdende Mutter, die ihr zweites Kind erwartete, durch die Ge- burt begleitet. Sie wollte nicht, dass das Baby am 24. Dezember zur Welt kommt, weil sie Weihnachten mit ihrem ersten Kind zu Hause feiern wollte. Aber das Baby hielt sich nicht an den Wunsch seiner Mutter. Am Abend kam ihr Mann mit dem großen Geschwisterchen und den Großeltern zu Besuch. Sie brachten einen kleinen ge- schmückten Weihnachtsbaum und viele Geschenke mit. So wurde dieses Weihnachten für die Familie ein ganz besonderes im Klinikum Horn. Und für alle Diensthabenden war es auch ein unvergessliches Erlebnis.“

Dennis Zierhofer, medizinische Administration/zentrale Leitstelle im LK Baden: „Vor zwei Jahren hatte ich schon einmal zu Weihnachten Dienst, wie auch heuer am Tag des Heiligen Abends. Ich mache es gerne, weil die jungen Familien ihre Zeit mit den Kindern verbringen sollen – ich feiere mit meiner Familie ohnehin spät am Abend. Wenn jemand zu dieser Zeit ins Krankenhaus muss, ist er einfach nur froh, wenn er Hilfe bekommt.“

Christian Scherz, Krankenhaustechniker im LK Neunkirchen: „Es geht mir bei meiner Arbeit darum, zu helfen und für die technische Betriebssicherheit zu sorgen. Keine Frage ist für mich, daher auch Dienst an Feiertagen zu ma- chen, damit die Kollegen, die kleine Kinder haben, daheim sein können. Der Dienst ist herausfordernd, da an sol- chen Tagen keine Fremdfirmen erreichbar und greifbar sind. An dieser Stelle möchte ich an jene Personen erin- nern, die dennoch selbstlos ihren Dienst für die Allgemeinheit versehen.“

Küchenleiter Michael Kührer, LK Hollabrunn: „Es ist schön, kulinarische, weihnachtliche Schmankerl zuzubereiten. Zu Weihnachten steht traditionellerweise der Weihnachtskarpfen am Speiseplan und wir bieten selbst gebackene Kekse an. Speziell zu den Weihnachtsfeiertagen erhalten wir viel positives Feedback, worüber wir uns sehr freuen. Das eine oder andere Mal haben wir schon auf den Tabletts nach dem Essen ein schriftliches Lob vorgefunden. Das ist berührend, da es den Patientinnen und Patienten – obwohl sie die Feiertage im Klinikum verbringen müs- sen – ein Anliegen ist, uns ihren Dank auszusprechen.“

DGKP Renate Hofbauer, MSc, Palliativkonsiliardienst/Mobiles Palliativteam im LK Waidhofen/Thaya: „Für viele un- serer Patienten auf der Palliativstation ist es ihr vermutlich letztes Weihnachtsfest und sie wollen diesen Tag sehr bewusst genießen. Unser Team versucht daher, dieses Fest unvergesslich und ganz besonders zu gestalten. Duft- lampen am Gang verströmen weihnachtliche Aromen. Unser Christbaum erstrahlt in festlicher Pracht. Im Hinter- grund werden leise Weihnachtslieder abgespielt. Weihnachten ist für unsere Patienten ein sensibler Tag. Sie spre- chen über ihr Leben und erinnern sich gerne an schöne Augenblicke. Doch oft kommen sie gerade zu dieser Zeit ins Grübeln und hadern mit ihrem Schicksal. Für eine junge Patientin, die Mitglied der Blasmusik war, brachte die Familie am 23. Dezember einen Christbaum. Dann kamen ihre Kollegen aus der Blasmusik, gemeinsam mit der Familie haben sie Weihnachtslieder gespielt und Weihnachten gefeiert. In der Nacht auf den 24. Dezember ist sie verstorben. Im Laufe des Tages singt der Chor vor der Station. Die Leitung des Hauses kommt gemeinsam mit Kindern, die als Engel verkleidet sind, zu jedem Patienten, um Weihnachtswünsche und ein kleines Geschenk zu überbringen. Für die Patienten ist es etwas Besonderes und sie sind sehr gerührt. Für mich war es immer ein schönes Gefühl, die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten zu erfüllen und den Tag individuell zu gestalten. Ich bin sehr dankbar dafür, nach dem Dienst zu meiner Familie nach Hause zu fahren und den Tag feierlich ausklin- gen lassen zu können.“

Marina Polt ist im LK Gmünd seit vielen Jahren im Reinigungsdienst tätig: „An diesen Tagen ist eine ganz eigene Stimmung im Haus. Es ist ruhiger als sonst und es bleibt ein wenig mehr Zeit, um sich mit den Patientinnen und Patienten zu unterhalten. Manche wollen gerade an diesen Tagen ihr Herz ausschütten, das geht einem schon sehr nahe. Vor vielen Jahren habe ich mit einer Patientin am Heiligen Abend Fotos angeschaut und dann meinte sie, sie hätte ihren Kindern nie gesagt, wie stolz sie auf sie ist. Die Patientin ist noch am selben Tag gestorben, sie konnte es ihren Kindern nicht mehr selbst sagen. Ich musste ihnen dann einfach die letzten Gedanken ihrer Mutter mitteilen – wir haben alle geweint. Das werde ich nie vergessen und denke jedes Jahr zu Weihnachten daran.“

Andrea Kessler, Hebamme im LK Lilienfeld: „Es ist etwas Besonderes, wenn am Heiligen Abend ein sogenanntes Christkindl zur Welt kommt. Vor Jahren kamen an einem Heiligen Abend sechs Babys zur Welt. Da vergisst man vor lauter Arbeit daran zu denken, welch besonderer Tag heute ist. An einem anderen 24. Dezember kam spät abends ein werdendes Elternpaar auf die Geburtenstation. Der Mann hatte schon den ganzen Tag damit gerech- net, dass bei seiner Frau die Wehen einsetzen werden, wollte aber noch die Bescherung mit den beiden zu Hause gebliebenen Kinder unbedingt noch abwarten. Und so war es dann auch. Einmal konnten wir mit einer Gebären- den das Feuerwerk zu Silvester vom Kreißsaal aus beobachten.“

Koch Martin List und Küchenleiter Gerhard Nitsche, LK Hochegg: „Zu Weihnachten gibt es spezielle Speisen, etwa eine weihnachtlich gefüllte Hühnerbrust, gebratene Schweinsmedaillons, Filetspieß, Fischplatte. Und unsere Patienten bekommen hausgemachte Weihnachtsbäckerei. Die Vorbereitungen der Feiertage mit Planung und Ein- kauf sind herausfordernd. Aber wir haben sehr viele positive und erfreuliche Rückmeldungen von Patienten und Mitarbeitern, das freut uns.“

DGKP Karin Brezina, Medizinische Abteilung I/B, LK Stockerau: „Das Herausfordernde zu Weihnachten im Klini- kum ist der hohe Pflegeaufwand, da wirklich nur Patienten im Klinikum bleiben, bei denen die Betreuung zu Hause nicht übernommen werden kann. In den letzten Jahren gab es bei uns auf der Station keinen Weihnachtsfrieden, sondern viel zu tun. Vor allem am Heiligen Abend sind viele Patienten traurig und nicht selten gibt es Tränen, wenn die Angehörigen am Abend nach Hause gehen oder wenn am Nachmittag Weihnachtslieder gesungen werden. Wir haben auf unserer Station immer einen Christbaum. Ich kann mich an ein Jahr erinnern, da haben uns zwei alte Damen beim Schmücken des Christbaumes geholfen. Sie waren anschließend so glücklich, dass das eigent- lich schon Weihnachten für uns war.“

OBI Manfred Koch, Betriebsfeuerwehrkommandant am LK Mistelbach-Gänserndorf: „Es ist einfach eine andere Stimmung im Haus – sei es unter den Patienten oder mit den Kollegen. Eine ganz besondere Stimmung bringt der Falkensteiner Männerchor auf die Stationen und ins Klinikum, der uns immer am Vormittag des 24. Dezember be- sucht. Zu Silvester ist es etwas Besonderes, das Feuerwerk über der Stadt vom Hubschrauberlandeplatz aus zu genießen.“

DGKP Hannes Pöhl, LK Korneuburg: „Speziell zu Weihnachten ist der Dienst im Klinikum etwas Besonderes. Es kommen viele Angehörige, den Patienten wird schmerzlich bewusst, dass sie dieses Fest diesmal nicht im Kreise der Familie verbringen können. Dadurch gewinnt eine sensible psychologische Betreuung der Patienten noch mehr an Bedeutung. Sofern es der Stationsablauf zulässt, setzt die diensthabende Mannschaft weihnachtliche Ak- zente. Um ein paar besinnliche Momente zu ermöglichen, findet traditionell während der Pause ein gemeinsames Essen im Dienstzimmer statt. Eine akute Aufnahme, Bedürfnisse von Patienten oder plötzliche Notfälle erfordern professionelles Handeln, womit ein Weihnachtsdienst schnell ein Dienst wie jeder andere werden kann. Ein Weih- nachts-/Silvesterdienst hinterlässt stets ein besonderes Gefühl. Man verlässt den nicht alltäglichen feierlichen Rah- men im Klinikum, um Platz zu machen für die nun aufkommende Vorfreude auf das Fest mit der eigenen Familie.“

OBI Otmar Langerreiter, Betriebsfeuerwehrkommandant im LK Mauer, hofft, dass die Betriebsfeuerwehr Weihnach- ten im Kreise der Familie feiern kann: „Aber wir sind stets in Bereitschaft. Im letzten Jahr hat am Heiligen Abend das Blaulicht-SMS angeschlagen – Selchbrand im Nachbarort Oehling. Acht Kameraden der Betriebsfeuerwehr sind zusammengekommen, um den Menschen in Not zu helfen. Auch heuer werden wir am Heiligen Abend für un- sere Patienten, Arbeitskollegen und Mitmenschen in den Nachbarorten bei einem Ernstfall zur Stelle sein.“

DGKP Elisabeth Wurm, Intensivstation 1 im LK Wiener Neustadt: „Ich mache heuer – wie auch schon die letzten Jahre – zu Silvester Dienst und freue mich über den Rutsch ins Neue Jahr. Wir bestellen Essen, stoßen am Balkon mit Kindersekt an und betrachten das Feuerwerk. Bevor ich Mama wurde, habe ich immer am 24. Dezember Dienst gemacht. Es war für mich selbstverständlich, dass die Kolleginnen und Kollegen, die kleine Kinder haben, an Heiligabend daheim feiern. Ich habe das Weihnachtsfest dann gerne mit meiner ‚Arbeitsfamilie‘ zelebriert.“

Prim. Dr. Elmar Wiesinger, Vorstand der Internen Abteilungen 1 und 2 im LK Gmünd: „Der Heilige Abend ist ein be- sonderer Tag, das spürt man auch im Haus. Wenn Zeit bleibt, setzen wir uns zusammen, genießen kulinarische Schmankerl aus der Küche und denken an unsere Lieben zu Hause. Manche Patienten und auch ihre Angehöri- gen ahnen, dass es vermutlich ihr letztes Weihnachtsfest sein wird, das sie gemeinsam feiern. Das geht auch uns sehr nahe, wenn uns nur noch die Möglichkeit bleibt, ihnen das Leben einigermaßen zu erleichtern, indem wir die Schmerzen erträglicher machen. Außerdem wird einem speziell an solchen Tagen die eigene Endlichkeit bewusst. Die persönlichen Geschichten, die Patienten manches Mal erzählen, sind immer besonders. Das zeugt von gro- ßem Vertrauen, das sie zu uns haben. Traurig ist auch, dass es Patienten gibt, die gerne Weihnachten im Spital verbringen, weil sie zu Hause niemanden haben. Niemand sollte zu Weihnachten allein sein.“

MTF Claudia Aigner, Radiologie im LK Waidhofen/Ybbs: „Bei uns herrscht am 24. Dezember schon tagsüber Weih- nachtsstimmung. Auf jeder Abteilung findet man einen individuell geschmückten Christbaum vor, der im Kerzen- licht – natürlich LED-Kerzen – hell erstrahlt. Den ‚Röntgen-Weihnachtsbaum‘ zieren rote Kugeln und Sterne aus al- ten Röntgenfilmen, unter dem Baum liegen bunte Packerl. Am Abend, wenn es die Zeit erlaubt, finden sich in der chirurgischen Ambulanz die diensthabenden Ärzte, das Pflegepersonal und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter des Hauses ein, um gemeinsam Weihnachtskekse zu kosten. Ein Weihnachten vor Jahren ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Der Sohn einer Mitarbeiterin besuchte seine Mutter während eines Dienstes, er hatte seine Gitarre dabei. Auf der Station wurden Weihnachtslieder mit Gitarrenbegleitung gesungen. Auch die Patienten machten begeistert mit. Es lag eine wunderbare, verzauberte und friedliche Stimmung in der Luft.“

fotoS: zVg, : katharina gossow, zvg

Mit der Familie feiern – das ist für viele Menschen zu Weihnachten das Wichtigste. Aber nicht jeder und jedem ist das möglich: Viele Kliniken-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten ihren ganz persönlichen Beitrag, um die optima- le Versorgung der Patientinnen und Patienten auch an den Festtagen zu ermöglichen. Wie verbringen sie Weih- nachten im Klinikum? Was ist das Besondere und Herausfordernde an solchen Tagen? Kommt im Dienst weih- nachtliche Stimmung auf?

Einer, der bereits oft zu Weihnachten gearbeitet hat, ist Johann Stritzl, Portier im Landesklinikum Hollabrunn. 1985 hat er seine Tätigkeit im Klinikum begonnen, in seinem gelernten Beruf als Installateur. Mit dem Neubau des Klini- kums wurde ein Portierdienst aufgebaut. Johann Stritzl bewarb sich – damals waren die Portiere zu zweit. Der Hol- labrunner „Portier der ersten Stunde“, wie er sich selbst schmunzelnd bezeichnet, ist seit mittlerweile fast dreißig Jahren die erste Ansprechperson für Patienten. Im Schichtdienst teilt er sich mit fünf Kollegen die klassische Emp- fangstätigkeit, administrative Aufgaben, muss die Störungszentrale für die Haustechnik sowie die Brandmeldeze- ntrale bedienen und die Überwachungsmonitore immer im Auge behalten. Unterstützt werden die Portiere von Maria, einer blinden Kollegin, die untertags für die Telefonzentrale zuständig ist und Arztbriefe schreibt. Die Vielfältigkeit schätzt Johann Stritzl an seinem Beruf, und „man muss Menschen mögen und kontaktfreudig sein.“ Genauso wich- tig ist es, kompetent zu wirken, Ruhe zu bewahren und die Menschen an die richtige Stelle weiterzuvermitteln: „Manchmal ist man natürlich schockiert über arge Verletzungen oder verzweifelte Patienten, aber da muss man sic- h zurücknehmen und gelassen bleiben.

Der Dienst am 24. Dezember ist relativ ruhig, sagt er, vor einigen Jahren war es ihm sogar einmal zu ruhig: „Zwi- schen 11 und 21 Uhr hat kein einziges Mal das Telefon geläutet. Ich habe mich selber angerufen, um zu schauen, ob es funktioniert.“ Zu Weihnachten wolle auch niemand ins Spital, es kämen nur „wirkliche“ Notfälle. Feiern mit an- deren Mitarbeitern im Klinikum kann er nicht: „Ich bin an meinen Arbeitsplatz gebunden.“ Als seine beiden Kinder noch klein waren, wurde eben an einem anderen Tag Bescherung gefeiert, erinnert er sich zurück: „Das war kein großes Problem. Dafür war ich durch den Schichtdienst zu Zeiten daheim, an denen andere arbeiten müssen, und hab sie von der Schule geholt.“ Johann Stritzl ist fürs Dienstrad zuständig: „Natürlich nehme ich soweit möglich Rücksicht, wen ich an welchen Tagen einteile. Kollegen mit kleinen Kindern müssen zu Weihnachten nicht arbei- ten.“ Viel los sei zu Silvester, „das ist eine bewegte Nacht. Menschen kommen mit Verletzungen von Böllern, mit Schnittwunden, teilweise betrunken. Da ist vor allem die Ambulanz gefordert.“ Johann Stritzl hat heuer am 25. De- zember Dienst. Es ist sein letztes Weihnachten im Klinikum. Nächstes Jahr geht er in Pension.


Karin Schrammel

erschienen in WIR INTERN 06/2018