JOBLANDSCHAFT

Zahlen greifbar machen

Beispiel: Bandbreitenmodell zur Versorgungsdichte von medizinischen Leistungen

Hat den Überblick über Millionen Daten und Zahlen: die Abteilung Versorgungsplanung und Medizinisches Datenmanagement in der Holding-Zentrale.

Die NÖ Landeskliniken-Holding ist laut Gesetz mit der Aufgabe der Steuerung und Organisation des Betriebes der Landeskrankenanstalten sowie der Schaffung moderner Strukturen betraut. Daraus leitet sich das Aufgaben- gebiet der Abteilung Versorgungsplanung und Medizinisches Datenmanagement ab – die Planung und Koordina- tion der Versorgungsstrukturen der Standorte mit deren Leistungsangeboten. Dies ist auch in § 9 (1) im Gesetz über die Errichtung der NÖ Landeskliniken-Holding in den Aufgaben der Geschäftsführung angeführt.

Daten sind die Basis vieler Entscheidungen. Denn: „Ohne Daten können wir nur glauben. Wenn es um Patientinnen, Pati- enten und Entscheidungen geht, sind Daten wertvoll“, weiß Mag. Karl Wagner, BA, Leiter der Abteilung Versorgungspla- nung und Medizinisches Datenmanagement (VMD). Die zwei Bereiche seiner Abteilung bedingen einander: einerseits das Aufbereiten und andererseits das Zur- Verfügung-Stellen von Daten. Das Themenfeld ist komplex. Mehrere Datenbanken sind im Einsatz, gespeist aus unterschiedlichen Dokumentationen aus den Kliniken. Das Team der Abteilung trägt Daten zusammen, wertet aus, sucht nach Mustern und Auffälligkeiten, verfasst Berichte und vieles mehr. Wagner nennt ein Bei- spiel: „Wir bekommen die Anfrage, warum etwa im letzten Halbjahr die Mitversorgung für ein Nachbarbundesland so groß war. Das Datenmanagement macht solche Sachen greifbar, visualisiert sie. In kurzer Zeit liefern wir belastbare Infos. Unse- re Leistung ist das Aufbereiten von Daten, damit eine Entscheidung getroffen werden kann. Wir sind ein radikaler Dienst- leister.“



Leistungsmanagement

Die Abteilung hat das sogenannte Medizinisch-Pflegerische Leistungsmanagement (MPLM) entwickelt, mit dem Ziel, Leis- tungsangebote zu steuern und zu harmonisieren. Es geht nicht um die klassische Versorgungsplanung, wie etwa den Re- gionalen Strukturplan Gesundheit zu erstellen – das ist Aufgabe des NÖGUS. Das MPLM trägt dazu bei, eine bedarfsge- rechte, nachhaltige und finanzierbare Entwicklung der intramuralen Strukturen, Prozesse und der medizinischen Ergebnis- qualität in den NÖ Kliniken zu erreichen. Die medizinische und pflegerische Versorgung der Patientinnen und Patienten wird beleuchtet und entsprechende Versorgungsnotwendigkeiten erkannt. Ein Beispiel dafür ist das Versorgungsdichtemo- nitoring: Die Versorgungsdichte misst den tatsächlichen Bedarf am Einzugsgebiet des Klinikums und soll eine adäquate,

der Indikationsstellung begründete Patientenversorgung für hochplanbare medizinische Leistungen an den Stand- orten ermöglichen. Bisherige Kenngrößen von Bundes- bzw. Landesvorgaben messen nur nach Wohnort (wie z. B. Morbidität) und liefern daher nicht die nötige Informati- on. Das Konzept der Versorgungsdichte wurde in den letzten Jahren von der NÖ Landeskliniken- Holding entwi- ckelt und liefert bereits für 61 medizinische Leistungsbün- del wertvolle Informationen. Wobei sich das vorzuhalten- de Leistungsangebot bzw. die Leistungsmenge an natio- nalen Bedarfsgrößen (gestützter Ö-Wert) orientiert, die Umsetzungsgrößen sehr wohl aber die besonderen Struk- turen und Gegebenheiten der 27 NÖ Standorte (= dop- pelte Bandbreite mit „Zielkorridor“) berücksichtigen.

Die NÖ Landeskliniken-Holding wird im nächsten Jahr die weiteren Schritte zur Umsetzung des Konzeptes der Ver- sorgungsdichte vornehmen mit dem Ziel einer patienten- orientierten und bedarfsgerechten Versorgung im intramu- ralen Bereich bei gleichzeitiger Harmonisierung der Quali- tät der Indikationsstellung. „Dieses Ziel soll aber in kei- nem Fall in Konflikt zur individuellen Entscheidung eines

notwendigen operativen Eingriffes bzw. einer medizinischen Behandlung stehen. Die Entscheidung dafür liegt nach wie vor beim behandelnden Arzt im Klinikum“, betont Wagner.


Infos verknüpfen

Was ist das Spannende an der Arbeit? „Das Verknüpfen von Infos“, nennt das Team unisono, „wenn aus Zahlen ein Bild wird, etwas Greifbares, mit dem man weiterarbeiten kann. Wir veredeln den Rohling.“ Dazu entwickelt das Team Werkzeuge wie beispielsweise OP-Berichtswesen, Versorgungsdichte-Analyzer, Zuweiser-Berichte, Intensiv- berichte usw. Auch die Zuweiser-Erfordernis wurde eingeführt, die veranschaulicht, warum die Patienten ins Klini- kum gekommen sind – von einer Ärztin, einem Arzt zugewiesen, alleine oder zu einer Kontrolluntersuchung. „Das Anfordern von Daten ist manchmal eine Gratwanderung, wir müssen dem Personal in den Kliniken zeigen, dass es einen Mehrwert davon hat, wenn es Daten an uns weitermeldet“, erklärt Wagner. In der Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten in den NÖ Kliniken sehe man manchmal, dass der Bedarf an Daten ein anderer ist: „Gute Kommunikation ist das Um und Auf. Wir wollen Transparenz und Akzeptanz schaffen.“

Die Abteilung ist auch Datendrehscheibe und interne Servicestelle für zahlreiche Ad-hoc Analysen. Eine Haupt- aufgabe ist auch das Bereitstellen von Daten für das Management-Informationssystem (MIS) und die Definition von Berechnungsalgorithmen für zahlreiche medizinische BSC-Indikatoren. Als Koordinierungsstelle für Struktur- änderungen seitens der NÖ Landeskliniken-Holding laufen in der Abteilung auch die Agenden zu den „Anträgen auf Änderungen der Versorgungssituation“ zusammen. Die Abteilung VMD unterstützt die Geschäftsführung, sämtliche Abteilungen und Stabsstellen sowie die Regionalmanagements und Klinikstandorte. Eng zusammenge- arbeitet wird auch mit dem Bereich „Operative Qualitäts- und Leistungsanalyse“. „Ein hochdynamisches Feld“, fasst Wagner die vielfältigen Agenden zusammen.

Medizinisches Datenmanagement


-seit Mitte 2010 circa 2.800 Ad-hoc-Datenauswertun- gen sowie zahlreiche Auswertungen, die in der Ab- teilung automatisiert wurden

-diverse Standardberichte und Datenlieferungen

-seit 2007 verantwortlich für medizinische BSC-Indi- katoren, ab Mitte 2013 OP-Indikatoren in BSC

-seit 2011 Datenbereitstellung für MIS

-Auswertung aus:

–über 735.000 OP-Datensätzen seit 2013

–Zuweiser 18 Mio. ambulante Datensätze seit 2014

-Gesamt werden rund 410 Mio. Datensätze aus dem LKF-System verwendet. Davon rund:

–11 Mio. Basis-Datensätze zu stationären Aufenthal- ten

–13 Mio. Datensätze zu stationären Verlegungen

–8 Mio. Datensätze zu stationären Leistungen bzw. 10 Mio. Leistungen zu stationären Aufenthalten

erschienen in WIR INTERN 03/2018