FORSCHUNG

Klinisch forschen

Die NÖ Kliniken nehmen regelmäßig an Forschungsprojekten teil. Besonders in den drei Unikliniken hat Forschung einen großen Stellenwert.

Forschungskooperation


Im Bereich der Psychologie-Forschung arbeitet die Karl Landsteiner Pri- vatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) künftig eng mit dem Psychosomatischen Zentrum Waldviertel in Eggenburg zusammen. Das Land Niederösterreich investiert zu diesem Zweck in den nächsten Jahren 1,3 Millionen Euro für eine Stiftungsprofessur. Diese Kooperation soll neue Erkenntnisse in der Behandlung und Prävention von psychischen Erkran- kungen hervorbringen. Die Studierenden des geplanten Masterstudiums Psychologie an der KL erhalten damit in der Schwerpunktsetzung Klini- sche Psychologie Zugang zur Praxis.

Informationen:

www.kl.ac.at

Klinische Forschung ist unerlässlich, weiß Dr. Markus Klamminger, Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding: „Einerseits für den Fortschritt der Medizin und andererseits für die adäquate Behandlung der Patientinnen und Patienten. Um die bestmögliche Behandlung an- bieten zu können, gilt es ständig am Ball zu bleiben.“ Ein wesentlicher Impuls für die Forschung in Niederösterreich war es, eine Universität im Land anzusiedeln – die Karl Landsteiner Privatuni- versität für Gesundheitswissenschaften in Krems (KL). Die KL hat 2013 den Betrieb aufgenom- men, derzeit gibt es 300 Studierende in den Studiengängen Health Sciences, Humanmedizin, Psychologie und Psychotherapie und Beratungswissenschaften. Die daraus resultierende Um- wandlung der Häuser in St. Pölten, Krems und Tulln zu Universitätsklinken sieht Klamminger als „großen Meilenstein. Unsere drei Unikliniken sind wichtige Standbeine der KL-Universität und widmen sich damit auch der Lehre und der Forschung. Von der Anbindung an die Wissenschaft können viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren.“


100 Forschungsprojekte

Die NÖ Landeskliniken-Holding unterscheidet grundsätzlich zwischen Auftragsforschung, akade- mischer (nicht Sponsor-finanzierter) Forschung sowie geförderter Forschung:

-Die Auftragsforschung erfolgt im Auftrag von Sponsoren wie Pharmaunternehmen nach deren Vorgaben.

-Akademische Studien finden aus eigenem Antrieb der NÖ Kliniken statt und werden aus den eigenen Forschungstöpfen der forschenden Abteilungen finanziert.

-Geförderte Forschungsprojekte sind in der Regel Projekte, die über kompetitive Drittmittel durch Stellen wie FFG (Forschungsförderungsgesellschaft) oder NFB (NÖ Forschung und Bil- dung) finanziert werden. In den Unikliniken St. Pölten, Tulln und Krems werden diese geförder- ten Forschungsprojekte über die KL abgewickelt.

Drei Viertel der Forschungsprojekte finden in den drei Unikliniken St. Pölten, Krems und Tulln statt. Aber auch einige Landeskliniken, vor allem das LK Wiener Neustadt, nehmen regelmäßig an Forschungsprojekten teil. Alleine im Jahr 2017 wurden mehr als 100 Forschungsprojekte initiiert. Circa die Hälfte der durchgeführten Forschungsprojekte sind Auftragsstudien, die hauptsächlich im onkologischen Bereich angesiedelt sind. Die zweite Hälfte erfolgt in Form akademischer und geförderter Projekte.


Forschungskonzept

Forschung braucht Ressourcen, weiß Markus Klamminger: „Forschung lebt immer vom Engage- ment der Ärztinnen und Ärzte, die sich neben der Arbeit am Krankenbett noch der Forschung widmen. Wir helfen in Form von administrativer Unterstützung, beim Einholen von Bewilligungen, beim Ethikvotum oder mit sogenannten Study Nurses, Studienassistenten.“ Damit Forschung noch vertieft werden kann, wird in Kooperation mit der KL gerade ein Forschungskonzept mit den Unikliniken erstellt. „Wir wollen die Forschungsaktivitäten unterstützen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Rektor der KL. Für das Forschungskonzept läuft derzeit eine Online-Umfrage in den Unikliniken (gesamtes ärztliches Personal) zum Status quo, der Motivation und Bedingungen. Daraus werden das Potenzial und Maßnahmen abgeleitet – in gemeinsamen Workshops etc. „Wir wollen die Ärztinnen und Ärzte einbinden und nicht von oben herab Maßnahmen verordnen“, sagt Mallinger. Bis Mitte Juni soll das Forschungskonzept fertig sein. Es wird auch wesentlicher Teil des Antrags zur Reakkreditierung der KL sein. Dieser regelmäßige Qualitätscheck für die Uni steht 2019 an.


Karin Schrammel

Dr. Markus Klamminger, Medi- zinischer Geschäfts-führer der NÖ Landeskliniken-Holding

Univ.-Prof. Dr. Rudolf

Mallinger, Rektor der

Karl Landsteiner Privat-

universität für Gesundheitswis- senschaften in Krems

Reden Sie mit!


Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) startet ein Crowdsourcing-Projekt, um innovative Fragestellungen zu Unfallverletzungen aus der Pra- xis in die Forschung zu bringen.

Jährlich werden ca. 800.000 Unfallverletzungen in österreichischen Krankenhäusern registriert und behandelt: Doch was passiert mit dem klini- schen Wissen, das täglich gesammelt wird? Die LBG bindet nun in Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt erstmals welt- weit Fachpersonal, Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Forschung ein. So werden wertvolle praktische Erfahrungen aus der klinischen Arbeit zurück in die Forschung gespielt. Über einen Zeitraum von acht Wochen können ab 8. Mai 2018 auf der Online-Plattform www.tell-us.online For- schungsfragen eingereicht werden. Die relevantesten Fragen werden systematisch aufgegriffen.

Im erfolgreichen ersten Crowdsourcing-Projekt – ebenfalls unter dem Titel „Reden Sie mit!“ – hat die LBG bereits 2015 gezielt Forschungsfragen zur Behandlung, Diagnose und Früherkennung von psychischen Erkrankungen gesammelt. Aus den Resultaten sind inzwischen zwei neue LBG-Forschungsgruppen eingerichtet worden, die sich mit Forschungsfragen zu Kindern von psychisch erkrankten Eltern befassen.

Reden Sie mit! (ab 8. Mai 2018): www.tell-us.online



Interview

Lehren – forschen – betreuen


Warum ist Forschung wichtig?

Als Uniklinikum sind wir Teil der Universität, daher nehmen Ausbildung und Forschung einen zentralen Stellenwert ein. Lehre bedeutet Wissen weiterzugeben, Forschen bedeutet Wissen zu generieren. Forschung gelingt aber nur mit persönlichem Engagement. Im Vordergrund steht na- türlich die Betreuung von Patientinnen und Patienten als unsere wichtigste Tätigkeit. Lehre, Forschung, Betreuung sind unsere drei Säulen.


Was wird in Krems geforscht?

Wir beteiligen uns beispielsweise an Multicenterstudien der österreichischen Studienvereinigungen und sind in weiterer Folge zu eigenen Pro- jekten übergegangen. Eine Forschungsgruppe beschäftigt sich mit dem multiplem Myelom und Knochenkrebs. Eine andere Gruppe mit der Tu- mor-Kachexie, einer Veränderung des Stoffwechsels bei Menschen mit Krebserkrankungen, die zu einem starken Abbau von Fett- und Muskel- gewebe führt. Es gibt zurzeit keine Behandlung, da die Ursachen der Krankheit nicht ausreichend erforscht sind. Dieses Forschungsprojekt wird etwa von der NÖ Forschungs- und Bildungsges.m.b.H. mit rund 300.000 Euro finanziert. Studienteilnehmende findet das Forschungsteam direkt im Klinikum. So gehen Theorie und Praxis fließend ineinander über und unterstützen sich gegenseitig, zum Vorteil der Patientinnen, Patienten und ihrer Gesundheit. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter publizieren die von ihnen generierten Resultate in amerikanischen und europäi- schen Fachmagazinen. Für uns Mitglieder der Inneren Medizin 2 in Krems ist von besonderer Bedeutung, die Bachelor- und Masterarbeiten für unsere Universität zu betreuen und diese Arbeiten in nationalen und internationalen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Dies stellt eine große Motivation für die zukünftigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dar, die unsere Arbeit fortführen und expandieren sollen.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pech- erstorfer, Leiter Klinische Abtei- lung für Innere Medizin 2, UK Krems, hat bereits 2008 begon- nen, eine Forschungseinheit

aufzubauen und Study

Nurses (Studienassistenten) an- zuwerben.