UNSER WEG - AUSBILDUNG

Alles für den Nachwuchs

OA Dr. Paul Haberfehlner unterrichtet Matthäus, Felix und Sophie: Wissen abfragen, praktisches Wissen einüben, erste Erfahrungen an den Kollegen machen, bevor es zum Bedside-Teaching geht.

Zukünftige Ärztinnen und Ärzte lernen praxisnah, sprechen mit erfahrenen Fachärzten zum Beispiel über Diagnosen und Behandlungsmethoden, Medikamente, ihre Wirkung und mögliche Nebenwirkungen.

Hedwig Silberschneider hat in der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung im Universitätsklinikum St. Pölten an beiden Ohren ein Cochlea-Implantat bekommen. KL-Student Matthäus führt das Anamnese-Gespräch unter dem wachsamen Auge von Oberärztin Priv.-Doz. Dr. Astrid Magele.

„Herr Doktor, mir tut das Ohr so weh – wenn jemand so zu dir kommt, was tust du dann?“, fragt Dr. Paul Haberfehlner, Oberarzt an der klinischen HNO-Abteilung des Universitätsklinikums St. Pölten, die drei jungen Menschen im weißen Kittel, die mit ihm an einem kleinen Tisch im Übungsraum sitzen. Sophie, Matthäus und Felix studieren Humanmedizin an der Karl Landstei- ner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) in Krems, haben bereits ihren Bachelor absolviert und werden nach zwei weiteren Jahren das Studium der Humanmedizin abschließen. Sie gehören dem ersten Jahrgang der KL an. An den klinischen Abteilungen und Instituten der Universitätskliniken in St. Pölten, Krems und Tulln werden sie in Kleinstgruppen von speziell ge- schulten Ärztinnen und Ärzten praktisch ausgebildet, auch am Krankenbett. Diese Praktikumsta- ge in den Kliniken wechseln mit Theorie-Tagen in der KL in Krems ab, wo sie auch von Ärztinnen und Ärzten der drei Unikliniken unterrichtet werden.


Praxis am Krankenbett

„Wo fängst du mit der Untersuchung an?“, fragt Haberfehlner die drei Studierenden. „Beim Au- ßenohr“, antwortet Felix, das Trio macht sich Notizen, schreibt fleißig mit. Der Oberarzt spricht über mögliche Hautveränderungen an der Ohrmuschel und ihre Bedeutungen, fragt Fachbegriffe ab, Diagnosen und Behandlungsmethoden, Medikamente, ihre Wirkung und mögliche Nebenwir- kungen. Sophie, Matthäus und Felix sind ununterbrochen gefordert, antworten, denken nach, fra- gen nach. Weiter geht es mit dem Gehörgang und dann mit dem Innenohr.

Die Studierenden können viele der Fragen beantworten, haben also in den Theoriestunden schon viel gelernt. Nun geht es darum, dieses theoretische Wissen mit der Praxis zu verbinden. „Wenn die Haut hier rot ist, was bedeutet das? Was muss man dann tun?“ Ganz konkret geht es um die nächsten Schritte, um den Weg hin zu einer sicheren Diagnose. Praxis im geschützten Rahmen, bevor man es mit echten Patienten zu tun hat. Das Lernen in Kleinstgruppen empfinden die Stu- dierenden als spannend und motivierend. „Durch die Interaktion mit den Ärzten bekommen wir einen sehr praxisbezogenen Unterricht“, sagt Matthäus. Für die intensive praxisbetonte Ausbil- dung waren zahlreiche Vorbereitungen in den Unikliniken nötig. Oberärztin Priv.-Doz. Dr. Astrid Magele etwa hat alles daran gesetzt, für die KL-Studierenden einen eigenen Raum im Klinikum zu haben. Dort beobachtet Oberarzt Haberfehlner ganz genau, wie Felix den Untersuchungstrichter behutsam in Sophies Ohr hineindreht: Wie viel Druck braucht es dafür? Was ist okay, was tut weh? Wie sieht das gesunde Trommelfell aus? Und wie würde es aussehen, wenn es beschädigt wäre? Auch das Untersuchen muss man üben, stellen die drei fest. Und sie üben. Schließlich sollen sie erst gegenseitig den HNO-Status erheben, später bei „echten“ Patienten – natürlich in Begleitung eines Oberarztes. Oberärztin Magele ist der richtige Umgang mit den Patienten ein großes Anlie- gen: „Unsere Aufgabe ist hier der erste Patientenkontakt für die Studierenden – und das beginnt beim Begrüßen: Wie stellt man sich zu Beginn der Untersuchung vor, wie spricht man mit den Pa- tienten? Das ist ganz wesentlich für eine erfolgreiche Kommunikation.“

Matthäus darf es ausprobieren: Patientin Silberschneider ist bereit für den anstehenden Check, sie hat hier an der Abteilung zwei Cochlea-Implantate bekommen. Ohne diese würde sie so gut wie nichts hören. Matthäus fragt, wie es ihr geht und warum sie heute da ist. Er macht es gut, die Oberärztin ist zufrieden. Warum sie sich so für die Studierenden einsetzt? „Weil das hier eine ein- zigartige Ausbildung ist – in meinem Studium waren wir 25 in einem Raum. Durch die persönliche Betreuung sind sie einfach wesentlich sicherer im Umgang mit den Patienten, und das ist enorm wertvoll.“

Mann der ersten Stunde: Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Hörmann enga- giert sich von der ersten Idee an für die Karl Land- steiner Privatuniversität und gestaltet die praxisbe- tonte Ausbildungsweise maßgeblich mit. Er leitet die klinische Abteilung für Anästhesie und Intensiv- medizin im Uniklinikum St. Pölten und ist Transplan- tations-Beauftragter in der Ostregion.


Fördert, wie viele

Abteilungsleiter in den

drei Universitätskliniken

in St. Pölten, Krems

und Tulln, mit großem

Engagement die

Nachwuchs-Ausbildung: Prim. Univ.-Prof. Dr.

Georg Sprinzl, klinische HNO-Abteilung im Univer- sitätsklinikum St. Pölten.


DAS ENGAGEMENT DER NÖ LANDESKLINIKEN-HOLDING


Die NÖ Kliniken haben großes Interesse daran, heimische Maturantinnen und Maturanten zum Medizinstudium zu motivieren. Deshalb laden sie sie im Matura-Schuljahr zu Informationsveranstaltungen in die Klinikstandorte und informieren über den Ablauf des Studiums, die Jobaussichten, die Anmeldung zum Studium und den Aufnahmetest sowie die Vorbereitung für den Test und die finanzielle Unterstüt- zung dafür. Die NÖ Landeskliniken-Holding veranstaltet einen zehntägigen Vorbereitungskurs für den MedAT-H Aufnahmetest samt Test- Simulation in der Zentrale in St. Pölten. Einen Teil der Kosten übernimmt das Land NÖ.

Informationen: www.noe-studiert-medizin.at


Auch die Kosten für den Test selbst werden gefördert. Ebenso erhalten Medizinstudierende einige Unterstützungen im Laufe des Studiums und im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ), dem letzten Studienjahr, das sie an den NÖ Kliniken absolvieren können (wird abgegolten).

Informationen über Famulaturen, die NÖ MedSummer Schools und das KPJ sowie über die Ausbildung nach dem Studium an den Kliniken:

www.lknoe.at/ausbildung


Die NÖ Landeskliniken-Holding ist für die Führung, die Errichtung und den Betrieb aller NÖ Kliniken verantwortlich. In den 27 Standorten sind etwa 20.800 Menschen beschäftigt, davon 3.700 Ärztinnen und Ärzte.